Verfasst von: Patricia | Dezember 19, 2009

Eisklar

Gestern abend bin ich bei minus 14 Grad um Mitternacht im Garten gewesen. Die Stadt schwieg und dampfte; sie schwieg so bewegungslos tief dass ihre Gegenwart leicht zu vergessen war. Selbst der Wind war fort. Ich stand genauso regungslos und hätte gern lange da zusammen mit der alten Zeder dunkel in der schneehellen Nacht verweilt. Ein paar vertraute Sterne funkelten zwischen Wolken hervor, die feinen Schneestaub verloren als sei Orion zum Sandmännchen geworden. Es war so klirrend kalt, dass ich auch ohne Jacke seltsamerweise nicht fror. Ich hatte das Gefühl, wenn ich länger bleiben würde, würde alles in mir glasklar werden wie ein Eiszapfen und nichts bliebe außer, in einem bläulichen Licht, meinen eigenen Gedanken, die ich dann sehen könnte – vielleicht den wahren Kern des Romas, den ich auf den Punkt zu bringen versuche.

Verfasst von: Patricia | Dezember 17, 2009

Schneeträume

Hier schweben traumleichte Flöckchen vom Berliner Himmel, vereinzelt, trotz der Kälte bleibt wenig liegen. Die Webcams zeigen mir meine Lieblingslandschaften, den Strand in Ahrenshoop an der Ostsee

schon recht winterweiß

und den Amrumer Strand, das Watt, meine seelische Heimat,
auch schon winterlich bezuckert:

Wunderbar wild und einsam ist es dort jetzt, es duftet nach Frost auf dem Meer und der Wind erzählt von Sturm und Salz. Jede Menge Platz für Gedanken und weite Wanderungen ist da und lebendiggebliebene Erinnerungen treiben zusammen mit dem Sand über die Dünen und das Watt während ein gelegentlicher Sonnenstrahl die Priele aufblitzen lässt. Im Watt bilden sich im Spiel von Ebbe und Flut wundersame zarte, zerbrechliche Litzen aus Eis, von ewiger Vergänglichkeit, vergänglicher Ewigkeit, aus Staunen und Tränen und Naturgewalten. Jeden Tag, jeden Moment fällt das Licht verblüffend anders in einer großartigen, tonlosen, berauschenden Musik, schlagen neue Farben Bogen zwischen Tag und Nacht, Anfang und Ende, schimmern zitternde Spiegel bei jedem Schritt am Flutsaum und darüber hinaus.
Gern wäre ich da jetzt… gerade jetzt, in der dunkelsten, kältesten Zeit schmerzt das Heimweh nach jener Landschaft am meisten.
Doch es ist fünfzehn Jahre her seit ich das letzte Mal dort war; sie ist so fern wie der Mond, denn Peter ist so weit nicht reisefähig, und ihn alleinlassen, das kommt nicht in Frage. Macht nichts: Die Landschaft ist in mir, und wenn der Wind aus der richtigen Richtung kommt, trägt er ihren Geruch, ihre Farben, ihren Geschmack und ihre Töne, ihre Stimme und ihre Botschaft.
Von dieser Landschaft erzählt übrigens meine Geschichte „Der Engel am Ende des Himmels“ in dem Buch „Weihnachtsgeschichten.“

Verfasst von: Patricia | Dezember 13, 2009

Engel vor dem Fenster

Was für ein tiefdunkler, frostiger, tonloser Morgen. Ich stehe immer um sieben auf, brauche eine Dreiviertelstunde für mich ehe meine bessere Hälfte aufwacht. Da er gar nicht mehr stehen kann, ist es jedes Mal ein risikobehafteter Kraftakt für uns beide, ihn aus dem Bett in den Rollstuhl zu bekommen, anzuziehen etc. Deshalb nehme ich mir die Zeit für einen Tee, und zum wach werden. Eigentlich bin ich jemand, der sehr gut allein sein kann, ja, gelegentlich muss. Doch seltsam. Den ganzen Tag gehen bei uns Nachbarn, Freunde, Postboten, Ärzte, Lieferanten ein und aus. Aber in diesen dunklen Morgenstunden beschleicht mich anfallsweise eine bodenlose Einsamkeit, vielleicht ein Nacheffekt schon fast vergessener nächtlicher Alpträume. Wahrscheinlich kennt Ihr dieses Gefühl auch. – Doch jedes Mal, auch jetzt, bei lichtlosen Minusgraden mitten im Dezember, kurz vor Sonnenwende, flattert plötzlich eine Amsel vor dem Fenster; ein himmlisch-irdischer Engel in schwarzem Federkleid. In der kahlen Brombeere, im Apfelbaum oder auf der Straße vor den Mülltonnen. Und immer streut sie ein paar wunderschöne, tröstliche Flötentöne in das gnadenlose Dunkel. Als ob sie es damit hervorruft, schleicht dann die erste Ahnung von Morgendämmerung über den Horizont.
Die Angst und Einsamkeit sind mit dem ersten Ton verflogen.

Verfasst von: Patricia | Dezember 11, 2009

Winterstimmung

Auf dem Rückweg vom Briefkasten habe ich mir ein paar Minuten unten am Moor gestohlen. Wie anders sieht es jetzt dort aus als im Frühling, wenn grüne Graswellen den Wind sichtbar machen und die Schmetterlinge nektarsüße Orgien feiern. Oder im Sommer. Oder auch im Herbst. Aber diese asketisch-strenge Schönheit, wenn das Herrenholzbecken so im Dornröschenwinterschlaf liegt, die mag ich auch. Und jetzt kann der Sumpf, was er im Sommer nicht kann: Er fängt den Himmel ein und zeichnet Spiegelbilder, aber dank der kleinen Strömungen und Strudel mit ganz eigenem Charakter.

Verfasst von: Patricia | Dezember 11, 2009

Versprechen (Weihnachtsgedicht)

Versprechen
© Patricia Koelle

Schnee legt sich wie Verzeihn
auf still gewordne Welt
und kühlt erschöpftes Sein
das staunend innehält.

Es fallen weiße Flocken
auf angestaubte Welt
die, über sich erschrocken,
sich frisch den Tagen stellt.

Es schenkt heut ein Versprechen
der Himmel unserer Welt
wir sollen an nichts zerbrechen
das merkt nur, wem’s gefällt.

Es zieht ein zartes Klingen
tief durch die lauschend Welt
und kann ihr Zukunft bringen
zu der Hoffnung sich gesellt.

Großes breitet heilig Schein
über oftmals dunkle Welt
die, plötzlich nicht allein
sich andächtig erhellt.

Verfasst von: Patricia | Dezember 11, 2009

Der Weihnachtsbaum (Weihnachtsgedicht)

Der Weihnachtsbaum
© Patricia Koelle

Er ist aufrechter Mast auf meinem Lebensschiff
stets Brücke zwischen Himmel mir und Erde
von Mut und Zuversicht der leuchtend Inbegriff
und Wissen dass aus Winter Frühling werde.

Solang in frostig Zeit er jährlich neu erblüht
auf dunkle Stunden trauten Zauber breitet
und jede tapfre Flamme lange noch uns glüht
mein Lebenstraum sich neuen Kräften weitet.

Er trägt in sich aus Stille und aus grünem Duft
ein lichtes Meer auf dem ich lange segeln kann.
Das tiefe Glück mit Dir liegt heilig in der Luft
und dankbar lächeln wir in seinem Schein uns an.

Verfasst von: Patricia | Dezember 11, 2009

Alles im Sack

Diesen kleinen Weihnachtsmann hat mir Peter zu unserem ersten Weihnachten geschent, 1995. Ich mag ihn, weil er die ganze Welt im Sack trägt. Den weiten Himmel mit dem kühlen Zwinkern der Sterne. Das Flüstern des Windes und den Geruch nach Frost, das Knirschen von Schritten in der stillen Einsamkeit. Das würdige Schweigen in den Tannen und das Versprechen von Frühling unter dem Schnee. Was braucht man mehr? Das sind alle Geschenke, die ich möchte.

Man kann natürlich auch Geschichten verschenken. Ein gutes Buch ist auch ein Sack, in dem all die obengenannten Dinge und noch mehr enthalten sind – die Welt eben.

Verfasst von: Patricia | Dezember 9, 2009

Betriebs-Weihnachtsfeiern

Für Peters Betriebs-Weihnachtsfeier/Arbeitstreffen bei uns habe ich Häppchen gemacht. Zum Glück auch noch einen Teller extra versteckt, für uns hinterher, falls die nix übriglassen :-)

Verfasst von: Patricia | Dezember 8, 2009

Jahreswechsel (Gedicht)

Vielleicht ein wenig verfrüht, aber laut meiner Blogstatistik gibt es bereits Leute, die ein Gedicht für die Silvesterfeier suchen.

Jahreswechsel

© Patricia Koelle

Morgen dämmert. Winde tragen
unter Wolken kreisend Raben
gleich den Zweifeln, offnen Fragen
die wir alle ewig haben.

Abend dämmert. Alte Zeit
weicht erfüllt. Die neue schleicht
heran: öffnet frische Wege weit.
Ich glaube, dass die Hoffnung reicht.

Mitternacht. Man lacht im Dunkeln.
Unter Wolken steigen sacht
Sterne, die in Farben funkeln
froh von Menschenhand gemacht.

Morgen dämmert. Erde schweigt.
Der Himmel ist es nun allein
der das Licht uns täglich zeigt
so wird bald Frühling Wahrheit sein.

—-
Mehr Gedichte gibt es in diesem Verschenkbuch, das heiterer Begleiter, Wunschzettel, Geburtstagskalender und Bildband alles in einem ist:

Verfasst von: Patricia | Dezember 7, 2009

Gemütlicher Weihnachtsmarkt

Vorgestern war ich auf dem winzigkleinen bäuerlichen Weihnachtsmarkt der Domäne Dahlem.
Peter konnte nicht mit, weil das denkmalgeschützte Kopfsteinpflaster für Rollis gar nicht geht. Schade. Aber es ist der Lieblingsweihnachtsmarkt meiner Mutter, und daher haben ihre Töchter sie dahin begleitet. Ganz uneigennützig natürlich :-)
Da ich sieben Tage die Woche um sieben aufstehen muss, finde ich es jetzt morgens doch wirklich sehr dunkel. Aber wenn es auf dem Weihnachtsmarkt um fünfzehn Uhr schon dämmrig wird, hat das eben auch sein Gutes. Eine wunderschöne Atmosphäre war da. Es gibt keinen Rummel, keine Achterbahn, statt dessen laufen Schafe und Ziegen herum; es gibt altes Handwerk wie eine Stellmacherei und Blaudruck, statt Losbuden jede Menge Zigenkäse, Honig und Gelees, Wild, etc.
Der Rahmen und die „alte“ Stimmung ist es aber, was das Ganze so gemütlich macht.

Während meine Schwester bergeweise Leckereien kaufte, habe ich lieber verzichetet, weil ich auf meine Traumkamera spare. Bei dieser hier hat gerade hier mal wieder der kaum vorhandene Weitwinkel gefehlt. Interessant fand ich aber einen Schmuckstand. Die machen ganz ähnliche Sachen wie ich. Ich habe bloß noch nie versucht, etwas davon zu verkaufen. Die Leute an dem Stand haben Ketten und Colliers für meist ca. 150 Euro verkauft – nur: ich weiß, dass der Materialwert höchstens 20-50 Euro betrug. Dazu eine halbe Stunde Arbeit. Da haben die einen ganz schönen Reingewinn. Man stelle sich das mal mit Büchern vor! Eine Freundin und Kollegin von mir stand sieben Stunden auf einem anderen Weihnachtsmarkt und hat ein einziges Weihnachtsbuch verkauft. Aber gewiß nicht für 150 Euro, obwohl da ungleich mehr Arbeit darin steckt!
Wie auch immer – es war ein schönes, stimmungsvolles kleines Erlebnis. Und schön ist auch, dass der Markt ganz genau so aussieht wie vor einem Vierteljahrhundert. Ich habe kein problem mit Veränderungen, aber manchmal ist es ganz schön, wenn etwas bleibt, wie es ist.

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