Logbuch


Bloggen soll ich. Hat mir jemand geraten, auf dessen Rat ich viel Wert lege. Erst wollte ich nicht, dann habe ich vor einigen Tagen angefangen und nun stelle ich fest, dass es Spaß macht.
Bloggen, was bedeutet das? Weblog. Logbuch. Eigentlich wollte ich das immer schon: Kapitän werden und ein Logbuch schreiben. Im Völkerkundemuseum gab es eine Abteilung für alte Schiffe. Eine Nachbildung einer römischen Galeere faszinierte mich zwar, aber noch mehr liebte ich die eines Schiffes der polynesischen Ureinwohner. Es war mehr ein Floß, hatte blankgewetzte Holzplanken, die mit Lederbändern zusammengenäht waren, ein schlichtes Segel, ein gewölbtes Schutzdach aus geflochtenem Schilf und sogar eine Feuerstelle davor. Man durfte darauf herumklettern, und während der Rest der Familie irgendwo in der ägyptischen Abteilung unterwegs war saß ich stundenlang glücklich in der kleinen Schilfhütte und segelte einsam durch imaginäre Stürme und sternklare Nächte und schrieb dabei natürlich in Gedanken ein Logbuch.
Jetzt segele ich also auf dem ebenso ungewissen Meer des Internets. Wenn ich mein Feuer anmache und meine Worte schreibe, wird es in der Weite da draußen überhaupt jemand wahrnehmen, geschweige denn lesen? Nun, es ist ein Abenteuer.
Das Internet ist eigentlich mehr als ein Meer, es ist ein ganzes All. Früher hat mich fasziniert, dass auf Raumschiffen und Satelliten manchmal eine Plakette mitgeführt wird, auf der eine Zeichnung eines Mannes und einer Frau, mathematische Formeln und noch andere Dinge dargestellt sind. Eine Flaschenpost im All, falls irgendwelche fremde Intelligenz sie einmal finden sollte, was sehr unwahrscheinlich ist allein der Weite wegen. So ähnlich ist es doch eigentlich mit einem Blog.
Aber mein imaginäres Logbuch von damals hat auch niemals jemand gelesen. Und es hat trotzdem Spaß gemacht.
Die Liebe zu Schiffen ist mir auch geblieben. Sie kommen hin und wieder in meinen Geschichten vor, zum Beispiel hier:

Aus: „Das Bernsteinschiff“:
„Es war ein brennend klarer Septembertag gewesen, durch den in frechen Wirbeln eine frische Brise zischte, und sie verbrachten ihn von morgens bis abends am Hafen, lehnten sich gegen den Leuchtturm und alberten herum. Ihre Blicke reisten neugierig mit sämtlichen vorbeifahrenden Schiffen und sie versuchten voll glücklichen Übermuts, die Blauschattierungen in der unfassbaren Weite zu zählen. Sehnsucht kam nicht auf, denn sie hielten sich bei der Hand und die Welt war groß und nahe genug. Erst als der Abend eine Gänsehaut bekam und die Sonne hinter den Horizont kippte und sie Krabbenbrötchen kauend durch die dunkelnden Möwenschreie landeinwärts gingen, entdeckten sie das Bild. Es lehnte mit anderen an einem Steg wie eine Nebensache.
Niklas sah sofort, dass dieses eine sich deutlich vom grelltintigen Kitsch der anderen abhob. Das Motiv war keineswegs ungewöhnlich, es zeigte nur ein Segelschiff auf Wellen, einen Dreimaster. Doch dieses Schiff fuhr und atmete, und die Wellen lebten, und die Farben kamen direkt aus der Wirklichkeit dieses goldenen Abends. ..
Das Schiff trug keinen Namen, aber Mut, Zuversicht und Hoffnung; es war auf seiner Fahrt, und die Welt, in der es so sehr unterwegs war, voller Licht.
Auch den heruntergehandelten Preis konnten sie sich eigentlich nicht leisten, aber Niklas war nicht davon abzubringen. Stolz waren sie weiter in den Abend gewandert, Niklas mit dem großen Rahmen, während sie ihm den Rest des Krabbenbrötchens in den Mund steckte. Er hatte ja keine Hand frei: er trug ein Schiff.“
Die ganze Geschichte gibt es in: „Die Füße der Sterne

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Eine Antwort

  1. Willkommen in Blogopolis! Gleich werde ich Dich in meine Blogroll aufnehmen.
    „Die Füße der Sterne“ kam gestern bei mir an. Und übrigens: bei einer meiner diesjährigen Weihnachtslesungen – aus „Weihnachtsgeschichten Band 3“ – werde ich auch Dein hakenbehaftetes Weihnachtsbild vorlesen. Gefällt mir sehr.

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