Geschenke für Eltern

November. Höchste Zeit zum Adventskalender-Basteln! Im Moment mache ich das nicht für Kinder, sondern für meine Eltern.
Meine Eltern sind alt. Jedenfalls so alt, dass sie nichts mehr zu Weihnachen geschenkt bekommen wollen, „was herumsteht, sondern nur noch, was man verbrauchen kann!“
Verbrauchen? Kerzen, Kekse, Papierservietten. Das reicht mir nicht. Nun bekommen sie jedes Jahr einen selbstgemachten Adventskalender, am besten mit Beleuchtung. Dann haben sie nämlich gleichzeitig eine Weihnachtsdekoration, denn es ist ihnen zu beschwerlich geworden, die alten Dekorationen vom Dachboden zu holen und aufzuhängen.
Mir macht das außerdem einen Riesenspaß, jedes Jahr etwas Neues zu bauen. Ich sammle dazu den Sommer über Käseschachteln, Joghurtbecher, Pralinenpackungen, Kartons – alles was man brauchen kann aber nichts kostet. Und dann baue ich. Damit fange ich jetzt schon an, damit ich mir Zeit lassen kann.
Vorletztes Jahr war es eine Burg aus Käseschachteln:

Letztes Jahr eine Eisenbahn aus Quarkbechern und Weinkorken:

Mehr Bilder von Adventskalendern mit Bastelanleitungen gibt es hier.

Das zweite Weihnachtsgeschenk für meine Eltern ist auch ein Kalender. Aber der hält das ganze Jahr. Es ist auch ein selbstgemachter Kalender: für jede Woche ein Blatt. Gleichzeitig ist es eine Art Fotoalbum mit Familienbildern, Gartenbildern, Ausflugsbildern vom letzten Jahr. Die Felder für die Tage sind nicht einfach Kästchen, sondern Blumen, Blätter oder Ähnliches, aber so, dass man seine Termine gut eintragen kann. Dazu kommt noch ein kleines Gedicht oder ein Spruch. Man kann das mit einem Grafikprogramm machen oder auch mit Schere und Kleber auf die altmodische Art.
Eine Seite sieht dann zum Beispiel so aus:

oder so:

Das ist dann ein ganz praktisches Fotoalbum, das man benutzen und danach aufheben kann oder auch nicht. (Wenn man sie aufhebt, entsteht durch die eingetragenen Ereignisse gleich eine Familienchronik). Fest steht, dass meine Eltern sich jeden einzelnen Tag im Jahr darüber freuen. Es macht ein bißchen Arbeit, da man über 50 Seiten braucht, aber es lohnt sich. Und man kann ja auch ein Familienprojekt daraus machen. Jeder steuert ein paar Seiten bei. Dann kommt das Ganze in ein hübsches Ringbuch, wird phantasievoll eingepackt, und fertig. Beim Auspacken sorgt es dann gleich für Beschäftigung und Gesprächsstoff.

Wer aber keine Zeit zum Basteln hat, sondern nur für einen Klick, der braucht kein schlechtes Gewissen haben, wenn er seinen Eltern „Die Füße der Sterne“ schenkt. Oder einen Gutschein dafür, ihnen ab und zu eine Geschichte daraus vorzulesen, falls ihnen das Lesen aus gesundheitlichen Gründen schwer fallen sollte. Sie werden nicht enttäuscht sein – versprochen! Es ist ein unterhaltsames Buch voller Lebensfreude. Die Geschichten haben eine angenehme Länge für eine Pause oder vor dem Einschlafen. Viele davon sind besonders auch für ältere Menschen gut geeignet. Es gibt Mutmachgeschichten, Gesundwerdgeschichten und fröhliche Geschichten.
Verschenkgeschichten

Kinder schreiben Wunschzettel, aber die Wünsche der Erwachsenen herauszufinden, ist gar nicht so leicht. Ich habe mal eine Geschichte darüber geschrieben, eine Weihnachtsgeschichte für Kinder und Erwachsene:

Patricia Koelle
Was der Weihnachtself suchte
Der Winter war kälter als alle, an die sich irgendjemand erinnern konnte. Durch die alten Fensterrahmen pfiff der frostige Wind, und die Sonne wollte morgens gar nicht aufstehen. Kurz vor Weihnachten verlor Tanja auch noch ihre Arbeit. Sie hatte in einem Laden Kleider verkauft, lange Kleider aus Samt und Brokat für ganz besondere Gelegenheiten. Doch nun hatten die Menschen kein Geld mehr für feine Kleider. Viele hatten keine Arbeit, und dabei kostete es immer mehr, die Wohnungen warm zu halten.
„Was machen wir denn jetzt, Mama?“ fragte Kerstin. Sie war gerade acht Jahre alt geworden, und weil es in ihrer Familie keinen Papa mehr gab, waren Tanja und sie es gewöhnt, auf Probleme zusammen eine Antwort zu finden.
„Ich habe eine Idee“, sagte Tanja und sah hinaus in den Schnee, der sich wie ein Pelzkragen um das Fenster setzte. „Im Laden habe ich gesehen, das viele Frauen sich teure Handtaschen ansehen. Sie drehen sie hin und her, fassen hinein, streicheln sie und wünschen sich, dass sie einmal mit einer so wunderschönen Handtasche ausgehen können. Aber ihr Geld reicht meistens nur für ein Kleid, wenn überhaupt. Nicht auch noch für eine Handtasche. Sie legen sie traurig wieder hin und gehen nach Hause.“
Kerstin stellte sich das vor. „Das ist aber schade, Mama.“
Tanja ging zu ihrem Schrank und zog eine Schublade auf. Kerstin sah hinein und entdeckte grünes Seidenpapier. Sie schnupperte.
„Was so gut riecht, ist feines Leder“, erklärte Tanja und nahm das Seidenpapier vorsichtig weg. Darunter lag eine Tasche aus weichem blauem Leder mit silbernen Knöpfen daran und einem kleinen, funkelnden Stein an einem Reißverschluss. „Die habe ich vor sehr langer Zeit zu Weihnachten bekommen.“
Kerstin strich vorsichtig über die Tasche. „Wie von einer Prinzessin.“
„Siehst du, und es gibt viele Frauen, die sich für einen Abend gern wie eine Prinzessin fühlen würden“, sagte Tanja.
„Wie Aschenputtel?“
„Ja, so ähnlich. Und deshalb werde ich jetzt eine Annonce für die Zeitung schreiben und fragen, ob nicht jemand meine Tasche mieten möchte. Das ist viel billiger als kaufen.“
Tanja hatte oft verrückte Ideen und sehr oft wurde nichts daraus. Darum waren sie und Kerstin überrascht, wie viele Menschen sich meldeten, nachdem sie die Zeitung gelesen hatten. Da gab es Frauen, die für einen Weihnachtsball ein wunderschönes blaues Kleid gekauft hatten, und nun noch eine Tasche dazu brauchten. Andere konnten sich kein neues Kleid leisten und dachten, sie würden sich in dem alten besser fühlen, wenn sie wenigstens eine schöne Tasche dazu hätten. Auch Männer riefen an, für die ein richtiges Geschenk zu teuer war, die ihrer Frau aber wenigstens für einen Abend eine Freude machen wollten.
Also wickelte Tanja die Tasche in das Seidenpapier, packte sie vorsichtig in einen schönen Karton, und schickte sie immer wieder auf die Reise. Nach ein oder zwei Tagen kam die Tasche in demselben Karton wieder zurück. Oft lag eine Karte dabei, auf der stand: „Danke, ich hatte einen wundervollen Abend.“
„Wieso wundervoll?“ wollte Kerstin wissen.
„Weil für sie der Abend voller Wunder war, denn sie haben sich gefühlt, als hätten sie Glück“, sagte Tanja. „Sie fühlten sich schön und so, als wäre alles möglich, weil sie eine Tasche trugen, wie sie sie sonst nie haben. Sie haben ihre Sachen darin aufbewahrt, ihr Taschentuch, ihren Kamm, ihren Schlüssel, und da war es ein bisschen so, als ob sie ihr Leben ganz neu verpackt hätten. Und weil sie wussten, dass sie die Tasche nicht behalten konnten, war es etwas ganz Besonderes für sie.“
Dafür, dass sie Tanjas Tasche leihen durften, zahlten die Menschen Miete. Es war nicht viel, aber die Tasche wurde so oft ausgeliehen, dass Tanja von dem Geld eine zweite, rote Tasche kaufen konnte, und dann eine weiße und schließlich eine schwarze mit goldenen Streifen. Sie kaufte große Taschen und kleine Taschen und sogar Taschen für Männer, und alle wurden sie immer wieder ausgeliehen, so dass Kerstin jeden Tag half, mit dem Fahrrad die Pakete zur Post zu bringen. Das ging prima, weil leere Taschen ja ziemlich leicht sind.
Als das Jahr um und schon beinahe wieder Weihnachten war, konnten sie inzwischen von all dem Geld die Miete bezahlen und die Heizung und das Licht und das Telefon und was man sonst so alles braucht. Es ging ihnen richtig gut. Nur eines wunderte sie.
Jedes Mal, wenn die Taschen zurückkamen, waren sie ein bisschen schwerer als vorher, obwohl sie leer waren und auch nicht schmutziger als beim Wegschicken, denn die Leute gingen sehr vorsichtig damit um. Tanja fasste immer verblüfft in jedes kleine Seitenfach, weil sie dachte, der Benutzer müsste etwas Schweres darin vergessen haben. Aber da war nichts. Tanja wog die Taschen schließlich auf der Küchenwaage, die sie sonst für das Mehl brauchte, wenn Kerstin und sie Plätzchen machen wollten. Sie dachte, sie bilde sich das Gewicht nur ein. Aber die Taschen waren tatsächlich jedes Mal ungefähr neunundzwanzig Gramm schwerer. Kerstin war das richtig unheimlich.
Am vierten Advent holte Tanja wieder eine Tasche aus einem Paket. Sie war besonders schwer. Tanja drehte sie um und schüttelte sie heftig, aber es war nichts darin. „Der Himmel weiß, woher das kommt!“ rief sie.
Das Fenster stand ein wenig offen. Plötzlich hörte Kerstin draußen auf dem Fensterbrett ein Rascheln. Sie schob die Gardine beiseite, und wutsch, schwirrte etwas an ihr vorbei und landete auf dem Regal. „Der Himmel weiß es wirklich“, sagte eine Stimme, die hell und klar war wie die Winterluft…

Wer wissen möchte, wie die Geschichte weitergeht, findet sie hier:

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: