Gute Vorsätze

mondhimmel

Nie ist der Himmel so hoch und leuchtend silberblau und voller Versprechen wie in einer eiskalten Winterdämmerung um den Jahreswechsel herum.
Den neuen Kalender an der Tür finde ich jedes Mal wieder aufregend. Eine große Fläche voller weißer Rechtecke, und jedes steht für einen ganzen Tag, den man mit Leben füllen darf! Es sind viele und doch gleichzeitig erschreckend wenige.
Dieser Tage schwirren gute Vorsätze allerorts herum, den Schwalben im Frühsommer gleich. Gute Vorsätze benehmen sich wie Fische in einem Bergbach. Kristallklar stehen sie da, deutlich sichtbar, greifbar sogar, doch macht man eine Bewegung auf sie zu, husch, sind sie verschwunden. Meine sind dieselben wie im letzten Jahr: Mehr Obst essen, einen Roman schreiben und die Wäsche immer gleich zusammenlegen.
Nun ja, für den Roman habe ich jetzt immerhin ein besseres Konzept und das Gefühl, dass es diesmal gelingen könnte. Im letzten Jahr war einfach zuviel Leben, das ließ nicht genug Zeit zum Schreiben. Aber Peters Krankheit hat uns gelehrt, dass Leben wichtiger ist als alles andere. Auch wichtiger als Falten in der Wäsche. Wenn das Wetter, die Gesundheit, der Rollstuhl und die Zeit es zulassen, dann gehen wir spazieren, gehen am See den Frühling suchen und lassen alles andere liegen. Leben geht immer nur Jetzt.
Es war ein gutes Jahr. Wir hatten kein Geld, um an die Ostsee zu fahren, dafür haben wir das Badezimmer renoviert und Peter kann jetzt mit dem Rolli unter die Dusche fahren, das ist mehr wert als jede Reise. Und ich brauche nur eine Geschichte über das Meer schreiben, schon bin ich dort. Daran kann mich keine Wirtschaftskrise hindern. Und mein Buch „Die Füße der Sterne“ ist erschienen und ich hoffe einfach mal, dass es einigen Menschen für wenig Geld schöne Lesestunden schenken wird.
Im Moment sind wir wahrscheinlich die einzigen in Berlin, die noch jeden Tag draußen frühstücken, in eine Stadiondecke gekuschelt und mit einer kleinen tapferen Flamme im Windlicht. So feiern wir den Beginn eines jeden Tages und sind glücklich, dass wir uns haben und erleben dürfen, was kommt. Und der Himmel ist hoch und leuchtend silberblau und voller Versprechen…

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