Kein Staub im Himmel

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Gestern hat es geregnet. Bei minus vierzehn Grad. Ich habe mich sehr gewundert, wie das sein kann, bis die Wetterfrau es erklärte: der Himmel war zu sauber! Zwar wußte ich, dass Schneeflocken sich nur um kleine Partikel herum bilden können. Die zauberhaften, zarten Kristalle brauchen eine Basis aus Schmutz, auf der sie wachsen können. Die Philosophie dahinter hat mir schon immer gefallen. Aber dass der Himmel über Berlin zu sauber für Schnee sein könnte, darauf bin ich nicht gekommen (ob meine Mutter dort war, Staub wischen?) Und das, obwohl sein tiefes, kaltes Leuchten dieser Tage durchaus so wirkt. Ich mag die Klarheit dieses Eiseskälte, obwohl sie mir auch ein wenig unheimlich ist. Unsere Rohre sind alt, die Heizung auch, ob sie wohl durchhalten? Und die tropischen Pflanzen draußen im Schuppen – ob die kleine Heizung das schafft? Unsere Jalousien krachen verdächtig, sie befinden sich ohnehin in der Auflösung. Und auf dem Flachdach birst ab und zu mit einem Knall eine Eisscholle. Obwohl ich im Herbst oben war und die Abflüsse von Laub befreit habe, muß doch wieder eine Pfütze oben gestanden haben.
Aber das helle Strahlen und Funkeln jedes Zweiges ist einfach unwiderstehlich. Solche Klarheit wünsche ich mir in meinem Leben, meinen Gedanken – und tatsächlich, irgenwie scheint sie abzufärben. Alles wirkt ein bißchen einfacher. Mir wird deutlicher, was mir am Wichtigsten ist, und dass ich mehr dafür tun muß und mich nicht so mit Kleinigkeiten und Nebensächlichkeiten aufhalten. Vielleicht schaffe ich dies Jahr das, was ich wirklich will. Vorerst aber genieße ich das Wetter. Für Peter ist es allerdings schwer, er kann mit dem Rollstuhl überhaupt nicht raus, denn bei den Temperaturen gibt der Motor sofort den Geist auf. Aber wir haben es uns drin besonders gemütlich gemacht. Geist und Seele ruhen sich aus, machen Winterschlaf mit der Welt zusammen, und unter der eisigen Decke rühren sich schon die Schneeglöckchen, und die Ideen für das neue Jahr.

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Eine Antwort

  1. Ich bin jetzt (als Gegenbesuch zu deinem Winterspaziergang bei mir) etwas durch deinen wunderschönen blog gewandert mit seinen leisen, eindringlichen Texten und will jetzt einfach nur einen Gruß hinterlassen und ein Zeichen, daß ich mich hier wohlgefühlt habe!

    liebe grüße
    flattersatz

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