Das Leben feiern

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Gestern haben wir Peters 60. Geburtstag gefeiert.
Wie man sieht, ging es ihm nicht schlecht. Und auch sein Elektrorollstuhl ist mal nicht stehengeblieben.

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Das Buffet hat auch alle mehr als zufriedengestellt.

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Und Peter hat wunderbar moderiert. Da seine Stimme nicht so kräftig ist, bekam er ein Funkmikrofon.
Für uns war das eine ganz besondere Feier, weil wir uns durch seine Krankheit und Behinderung jeden einzelnen Tag erkämpfen müssen. Niemand hat früher gedacht, dass er je 60 wird. Auch er selbst nicht. Und nun geht es ihm prima und er arbeitet trotz Beatmungsmaschine volle 40 Stunden, auf einem Telearbeitsplatz zuhause.
Gestern waren alle da, die uns nahestehen und irgendwie geholfen haben. Der Klempner, der das behindertengerechte Bad so schön gemacht hat. Der Minigolfmann, der uns auch mal umsonst eine Runde spielen läßt weil Peter nur drei der Bahnen spielen kann. Unser Anwalt, der mit uns Testament und Patientenverfügung so geduldig besprochen hat. Die tolle Krankengymnastin, die hilft, dass Peter den Kopf hochhalten und immer noch schreiben kann. Die Nachbarn, die zu jeder Tages-und Nachtzeit hilfsbereit sind. Die Freunde, die beim Fußball mitfiebern. Und, und und… Wir waren 45 Leute, und zehn konnten nicht kommen. Arbeitskollegen werden gesondert eingeladen, das hätte den Rahmen gesprengt.
Es war nicht nur eine Geburtstagsfeier. An diesem Abend hat Peter über 40 Menschen Hoffnung gemacht, indem er vorlebte, wie man auch mit einer schweren Krankheit voll und fröhlich im Leben stehen kann, mit Freunden, Arbeit, Mut und Feierlaune. Ja, wir haben das Leben selbst gefeiert! Alle im Saal haben das gespürt. Es war ein magischer Abend, den mit Sicherheit niemand je vergessen wird.

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Dazu kommt, dass Peter sein „Alter“ mit Stolz trägt, wie einen Orden eben, und das mit Recht. Freunde bekommen Komplexe und regen sich auf, wenn sie 50 werden oder 60 (warum eigentlich??). Nicht so Peter, und auch das haben alle gespürt und sich anstecken lassen.
Verwöhnt und beschenkt wurde er auch.

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Dann kam eine Überraschung: Freunde hatten zusammengelegt und eine Ein-Mann-Transvestitenshow gebucht. „Die böse Peggy“ kam in atemberaubender Verkleidung und mit Musikuntermalung ins Restaurant geschwebt und hat uns eine Stunde lang bestens unterhalten. Ich bin sonst nicht so für sowas, aber diesmal war es absolute Spitze! Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal soviele Leute dermaßen habe lachen sehen.
Übrigens: Es war eine alkoholfreie Feier. Und trotzdem sind später alle äußerst glücklich und zufrieden nach Hause gegangen.

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Kaum war Peggy verschwunden, kam der Zauberer, den Peter gebucht hatte (da er nichts von Peggys Auftritt wußte) und unterhielt mit schlichten, aber beeindruckenden Tricks; auch Peter durfte mitzaubern.
„Ein bißchen Magie muß immer sein“ hatte Peter gesagt, als wir nach einem Programm für den Abend gesucht hatten.
Aber wie gesagt, die Magie des Abends lag eigentlich in etwas ganz anderem.

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Als der Zauberer weg war, veranstaltete Peter die Tombola, deren Lose aus Ostereiern bestanden und deren Hauptpreis eine riesige, duftende Salami war.

Und zum Ausklang gab es noch eine Überraschung. Der obengenannte Anwalt brachte als Geschenk seine Frau mit. Und diese Frau war die stadtbekannte und beliebte „Jubel-Jette“, die macher auch schon aus Funk und Fernsehen kennen mag. Eine bezaubernde und herzliche Stimmungskanone, die mit Drehorgeln unterwegs ist und den ganzen Saal im Handumdrehen zum Mitsingen brachte. So bekam Peter noch ein ganz besonderes Ständchen, und ich habe sowieso eine große Schwäche für Drehorgelmusik.

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Am Ende war es fast 23.00, als alle sich von Peter verabschiedeten. Sie standen geduldig Schlange, denn er hatte für jeden noch ganz persönliche Worte.
Unser hilfsbereiter Nachbar hatte schließlich das ganze Auto voller Blumen und Geschenken. Peter und ich fuhren durch einen sanften Frühlingsregen nach Hause, waren aber zu beglückt, um ins Bett zu gehen und aßen statt dessen die Reste vom Buffet.
Diesen Abend wird wohl niemand vergessen, der dabeigewesen ist.

Für mich persönlich war ein netter Nebeneffekt, dass ganz viele, von den „Füßen der Sterne“ begeisterte Leute gefragt haben, wann es denn wieder ein Buch von mir gibt. Ich habe viel vom Mauerbuchprojekt erzählt und es gab ein paar Vorbestellungen, aber lieber wollen sie ein Buch mit meinen eigenen Geschichten. Das ist natürlich keine repräsentative Meinung, da es sich ja um Freunde und Bekannte handelte. Dennoch habe ich ein echtes Interesse gespürt. Vielleicht sollte ich mich doch endlich an meinen Roman setzen, wenn das Mauerprojekt abgeschlossen ist.
Außerdem werde ich immer wieder nach Gedichten gefragt. Auch auf der Lesung neulich.Dabei habe ich noch nie gehört, dass ein Gedichtband erfolgreich verkauft wurde (wenn man nicht gerade Erich Fried ist).
Aber man kann ja nie wissen, vielleicht versuche ich es eines Tages mal…:-)

Diese Geburtstagsfeier war in jedem Falle ein Gedicht!
Und wir sind sehr sehr dankbar, dass wir diesen Tag erleben durften, und das mit so viel lieben Freunden.

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  1. Da ich das genaue Datum nicht wusste, komme ich nun zu spät. Da ich weiß, dass Zeit keine Rolle spielt, gratuliere ich hiemit von ganzem Herzen und wünsche Dir, lieber Peter, noch viele glückliche Jahre mit Deiner bewundernswerten Patricia.

    Ganz herzliche Grüße
    Sabine

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