Des Königs Osterei

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Gestern war ich bei meinen Eltern zu Besuch, und siehe da, das Osterei stand wieder gut gefüllt auf dem Tisch. Dieses Osterei aus Porzellan, das in Wirklichkeit eine Dose ist, gehörte zu meiner Kindheit, und nicht nur zu meiner.
Einer meiner Vorfahren in der Generation meines Urgroßvaters war Chauffeur beim bulgarischen König. Der König verschekte an einem Ostern solche Porzellaneier an seine Bediensteten. Irgendwie hat es danach auf geheimnisvolle Weise viele Kinderhände und zwei Weltkriege überlebt.
Für mich begann jedes Jahr der Frühling damit, dass dieses Ei auf dem Tisch stand wie hingezaubert und ich ehrfurchtsvoll den Deckel hochheben durfte, um eine Leckerei zu entnehmen. Wahrscheinlich gehört das Ei eigentlich in ein Museum, aber meine Eltern standen immer auf dem Standpunkt, dass man Dinge auch benutzen und anfassen soll und nicht nutzlos in einen Schrank stellen; sie sollen leben dürfen.
Ich liebte auch die Hühnerfamilie auf dem Deckel. Auf ihrer Wiese war die Welt in Ordnung; für mich gab es ja keine Wiesen, wie man bald in dem Buch Mauerstücke – Erinnerungsgeschichten lesen kann.
Aber wenn der Frühling kam und mit ihm das königliche Osterei, dann war auch für mich die Welt in Ordnung.

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Und eine Ostergeschichte, in der das Ei eine Rolle spielt, gibt es hier.

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