Schlafwandelnde Ameisen

Vor einiger Zeit habe ich mich hier gewundert, warum die Amseln in diesem Jahr mitternachts bis morgens um vier singen – auch bei minus 20 Grad. Großstadtamseln werden offenbar neuerdings so, obwohl es hier im Randbezirk eigentlich anständig dunkel wird.
Aber anscheinend befällt das Großstadtirresein nicht nur die Amseln.
Ameisen sind hochinteressante Wesen. Ich mag sie und kann sie lange beobachten – draußen. Ich kann auch damit leben, dass sie zwei bis dreimal im Jahr auf geheimnisvolle Weise dem Fußboden im Badezimmer entsteigen. In ebenerdigen Häusern kann das schon mal vorkommen, und mit dem richtigen Ameisenköder ist das Problem in einer Stunde erledigt. Ich weiß zwar nicht, was sie ausgerechnet dort suchen, denn auch bei uns steht der Honig nicht im Bad, sondern in der Küche, wo noch nie eine einzige Ameise aufgetaucht ist. Und als sie einmal das Oval der Klobrille für eine Sportveranstaltung genutzt haben, musste ich zwar lachen, befand aber, hier sei Schluß mit lustig und holte schnellstens den Köder. Bislang aber fanden diese Überfalle alle tagsüber statt, wie es sich gehört. Zumindest hielt ich Ameisen bisher für tagaktiv. Doch heute nacht schlich ich morgens um eins ins Bad, ohne Licht zu machen, um den Lieblingsmann nicht zu wecken. Und stand knöcheltief in Ameisen. Naja, fast. Die waren da um Mitternacht aber noch nicht gewesen. Also mit Taschenlampe im Nachthemd durch den Garten um im Schuppen, wo es kein Licht gibt, den Köder zu suchen.
Vielleicht suchten sie ja nach den 29 Litern Regen vom Vortag ein trockenes Plätzchen (im Badezimmer?) oder können bei dem Wetter einfach Tag und Nacht nicht mehr unterscheiden. Ich fürchte aber, es sind eben Großstadtameisen. Oder ich habe irgendetwas nicht gelernt von wegen Nachtaktivsein bei Ameisen. Auf jeden Fall hoffe ich, dass sie im Bad bleiben, denn ich habe keine Lust im Bett statt Schäfchen demnächst Ameisen zu zählen.
Und wenn eines Tages die Bienen auch nachts fliegen, dann wird es mir unheimlich.

Hier stieß ich auf der Suche nach Ameiseninfos auf etwas Nettes für biologisch interessierte Schiftsteller. Wenn ich daran denke, dass ich im Alter von acht Jahren unbedingt Latein lernen wollte um die geheimnisvollen und wohlklingenden lateinischen Namen von Pflanzen endlich verstehen zu können – warum hat mir damals niemand gesagt, wie diese Namensgebung zustande kommt? Ich frage mich, was Caesar zu „Denhamma aussa“ gesagt hätte 🙂

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  1. Ach herrlich, ich schmunzle gerade und denke, dass die Natur seltsame Wege geht. Gerade die Ameisen .. ich glaube, von denen weiß man noch längst nicht alles.

    Vielleicht bricht bei euch im Bad bald ein Vulkan aus? Ameisen lieben Störzonen … las ich neulich in einem Buch eines Geologen (Schreiber) der Uni Bonn.

    Jedenfalls wünsche ich euch ein schönes und ruhiges Wochenende, hoffentlich mit ein bisschen mehr Wärme,
    herzlichen Gruß
    Ingrid

    P.S. Ich hoffe, ich erfahre hier, wenn dein Buch heraus kommt.

    • Vulkan? Prima – das löst das Ameisenproblem und gibt Fußbodenheizung 🙂
      Aber sicher erfährst du das mit dem Buch. Bis September dauert es noch…
      Liebe Grüße und schöne Pfingsten!

  2. Ich finde, Du berichtest erstaunlich gelassen über die nächtliche Ameiseninvasion in Eurem Badezimmer. Ich glaub, wenn mir das passiert wär, hätt ich das ganze Haus zusammengekreischt. Aus Erfahrung (Wanderung in einem Waldameisengebiet) weiß ich, dass Ameisen an meinen Füßen ab einer gewissen Menge durchaus in der Lage sind, Panikgefühle in mir auszulösen.
    btw tolles Foto.
    Herzliche Grüße und schöne Pfingsten,
    Iris

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