Frühe Minusgrade (Gedicht)

Frühe Minusgrade
(c) Patricia Koelle

In atemlos erstaunter Stille lief
heut erster Frost durch überraschte Nacht
und hat eiskalt die späte schwüle Pracht
der Dahlien angezählt. Sie hängen tief.

Aus zitternd goldnem Licht gebaut
erschien uns gestern noch die Stadt
bis Winterahnung sie erschüttert hat.
Die Blätter fallen, fallen ohne Laut

und Erde trägt nun flüchtiges Gewand
das, in der Geisterstunde weich gestürzt,
bunt wärmend unser tiefes Schauern kürzt:
noch hält das Leuchten trotzig stand.

Die wilden Gänse schwatzen, treiben
sich plötzlich eiliger nach Süden
eh sie im Morgen doch ermüden.
Sich fremd gewordne Schwäne bleiben.

Nur für die Stunde des Erwachens
trägt dunkles Wasser zarte Haut –
malt Brüche, Falten, gluckert, taut
als Echo eines Sommerlachens.

Die letzten Mücken tanzen aufgewühlt
wo rau auf schreckerstarrten Gräsern klebt
der Glanz des Reifs, der unsre Sehnsucht hebt,
hell dekoriert und sanft verhüllt – und kühlt.

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  1. Gerade noch mit ein paar Mückenstichen
    im güldnen Abendsonnenlicht gesessen,
    den letzten Sommertag noch nicht vergessen,
    und dennoch ist das Gold dem Grau gewichen.

    Sehr schön, Dein Gedicht, es gefällt mir gut.
    LG Wolfgang

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