Goldener Moment

Gestern waren wir ein wenig verzweifelt, weil das neue Rollstuhlkissen wieder falsch geliefert wurde und der neue Rolli noch immer nicht benutzbar ist. Heute habe ich den Garten eingewintert, oder besser, ein sehr lieber Freund hat Schwerstarbeit geleistet und ich bin ihm zur Hand gegangen. Im Schlamm gewühlt, Töpfe geschleppt, Berge von Unkraut gefunden, geschnippelt, gepflanzt, angebunden, Gartenmöbel geräumt, dies und jenes zugedeckt. Es war schon recht dunkel im Garten weil die Hecke und die Bäume ihn um diese Jahreszeit früh in tiefen Schatten tauchen.
Und dann kam die Sonne um die Ecke und ich sah hoch und dieser plötzlich goldene Baum ragte über mir in den herbstklaren Abendhimmel wie die Erleuchtung persönlich. Selbst das allerschönste Kirchenfenster wird von diesem Leuchten bei Weitem übertroffen. Es war einer der Momente in denen ich verstehe, warum man früher von göttlichen Erscheinungen sprach. Ich war zutiefst gerührt und beglückt und wußte wieder, wofür das Leben gedacht ist. Ein wenig wie vom Blitz getroffen stand ich da, es war, als kondensierten sich in diesem Leuchten Glück, Hoffnungen, Träume, Sehnsüchte, verlorene und gewonnene Liebe, Vergangenheit und Zukunft. Und zwischen den glühenden Ästen hing eine lautlose, grandiose und zärtliche Musik.
Nein, ich hatte nichts getrunken, es war nur ein Goldrausch.
Im Übrigen war auch sonst reichlich Gold im Garten, aber dieses Leuchten in dem Moment, das war etwas Großes, das war so unerwartet und so unbeschreiblich schön. Das ist das, was über Worte hinausgeht und das selbst der beste Schriftsteller nicht einfangen kann. Ein Maler, vielleicht, aber dann ist dieser Herbstabendduft nicht dabei…

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  1. Hier im Innenhof wird ab und an ein einzelner Baum von der Morgensonne angestrahlt. Es schaut aus, als wenn nur er leuchten soll. Jedesmal ein wunderschöner Hingucker für mich und lässt mich einmal tief seufzen.
    Deiner ist allerdings weitaus größer, liebe Patricia.
    Wenn meine Bilder etwas geworden sind, kommt er auch einmal auf die weBLOGgia.
    ..grüßt dich Monika herzlich

  2. Ja, solche Momente habe ich kürzlich auch erlebt. Wenn ich aus dem Stubenfenster zum Berg schaue und die Abendsonne fällt auf die Laubbäume, dann schaue ich auf eine goldene Wand. Ich bin immer wieder fasziniert von diesem Anblick und habe schon unzählige Male zur Kamera gegriffen.
    Ich wünsche Dir und euch ein schönes und hoffentlich sonniges Wochenende.
    Liebe Grüße von Kerstin.

  3. Auch ich habe heute den Garten eingewintert und das Laub bestaunt. Auf dem Heimweg traf ich zwei alte Damen, die mich auf einen besonders schön goldgelben Ahorn aufmerksam machten. Wir schwatzten ein bißchen, ich erzählte von meiner Gartenarbeit – und sie sagten, sie seien am Nikolassee gewesen, „auf Laubsafari“. Ich finde das Wort einfach hinreißend und die beiden Alten ebenso.

  4. …Und zwischen den glühenden Ästen hing eine lautlose, grandiose und zärtliche Musik…

    Liebe Patricia, Du schaffst es imme wieder mit Deinen Worten mir aus der Seele zu reden.
    Liebe Grüße
    Barbara

  5. Sehr stimmungsvoll beschrieben und dazu die wunderbaren Fotos! Wunderbar! Dazu habe ich hier noch ein, wie ich finde, sehr schönes Zitat:
    „Ich ziehe deshalb den Herbst dem Frühjahr vor, weil das Auge im Herbst den Himmel, im Frühjahr aber die Erde sucht.“
    Søren Aabye Kierkegaard, (1813 – 1855)
    LG von Rosie

  6. Es ist eine unbeschreiblich schöne, goldene Zeit im Moment. Genießen wir sie, denn bald werden zarte melancholische Nebelschleier und brausende Stürme das Wetter dominieren. ‚Eigentlich‘ finde ich das alles schön.
    Hoffentlich klärt sich die Sache mit dem Rolli bald.
    Liebe Grüße, Ingrid

  7. Danke liebe Patricia, wie wundervoll du das beschreiben und in Worte fassen kannst, was ich zur Zeit auch so oft sehe und fühle, wenn die Sonne und das Licht durch die herbstbunten Baumkronen scheint………..

    Schönes Wochenende und hoffentlich habt ihr bald das richtige Kissen für den Rollstuhl.

    Liebe Grüße, Birgit

  8. Wie zauberhaft schön! In Bild 1, diese wunderherrliche Baumkrone (die heute sicher bereits kahl ist) habe ich mich verliebt. Er macht dem Begriff „goldener Herbst“ alle Ehre, dieser Baum.
    Ach, ich vermisse sie schon jetzt, die Blätter.
    Hier im Südwesten sind die Blätter am Wochenende innerhalb einer Nacht quasi fast alle zu Boden gefegt worden. Ich winkte ihnen hinterher …
    Liebe Grüße
    Elana

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