Kinderfreude – Autorenfreude

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Ich freue mich so. Mein Drachenkalender hat in diesem Jahr auf einmal lauter wirklich nette Rezensionen bekommen. Die Kinder lieben die Geschichten, steht da, und warten abends schon darauf. So etwas mal zu hören motiviert ungemein zum Weiterschreiben! Zu wissen, dass die Geschichten gelesen werden und Freude machen, auch wenn es nur wenige lesen, das ist ein unglaublich schönes Gefühl. Das das fiktive Wesen aus meiner Phantasie den Weg in die Zimmer unbekannter Kinder findet und sie zum Lachen und Träumen bringt. Was für ein Weihnachtsgeschenk für mich!
Man kann das Buch übrigens auch als Ganzes lesen: man kann, muss es aber nicht als Adventskalender gebrauchen.

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Der Weihnachtshafen – Adventskalender selbstgemacht

Der diesjährige Adventkalender für meine Mutter ist, inspiriert von unserem Urlaub in Kühlungsborn, ein Weihnachtshafen geworden. Ist doch klar, dass der Weihnachtsmann beim Beladen seines Schlittens einer ungeheuren Logistik bedarf, was ohne Hafen gar nicht geht.- Hier sieht man den Kalender noch unbefüllt. Grundlage ist wie immer ein halber Pappkarton, mit blauer Pappe verkleidet bzw. bemalt. Die verschneite Insel besteht aus Styropor (Verpackungsresten), der Leuchtturm ist ein Souvenir-Windlicht aus Keramik. Der Steg ist aus bedruckter Pappe gefaltet, hätte man auch aus Zahnstochern oder Holzresten machen können. Kostet alles fast gar nichts! Eine batteriebetriebene Mini-Lichterkette ist um den Leuchtturm gewickelt und eine längs des Stegs geklebt.  Die drei durchsichtigen Häuschen sind im Bastelladen erworben, könnten aber leicht auch aus alten Papierschachteln gemacht werden.  Die Wolken sind aus Watteresten, die Schneeflocken und Rentiere Aufkleber und die Möwen aus Papierschnipseln geschnitten. Die Papierschiffchen haben hilfreiche Kinder für mich gefaltet.

Hier sieht man ihn befüllt. Mein Vater ist vor zwei Jahren gestorben, aber ich befülle den Kalender immer noch doppelt – ich kann einfach nicht anders, und so kann meine Mutter allen Besuchern, dem Postboten oder hilfreichen Handwerkern anbieten, aus dem Kalender zu naschen, was gern in Anspruch genommen wird.

Auf dem Steg liegen bunte Zahlen. Jedesmal, wenn man eine Praline genascht hat, nimmt man eine Zahl weg. Am 24. darf man das Teelicht im Leuchtturm anzünden (Vorher sollte man ihn der Landschaft entnehmen, damit die Pappe nicht anbrennt! 🙂 )

Adventskalender zum Basteln – Die Wolke

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Der diesjährige selbstgemachte Adventskalender für meine Eltern ist eine Wolke. Denn der Weihnachtsmann kann ja nicht ALLE Päckchen auf dem Schlitten unterbringen. Ab und zu muss er auf seinem Flug an einer der Wolken anhalten, die als Zwischenlager und Verteilerstation benutzt werden, so wie unser Briefträger immer an den grauen Kisten auf der Straße Nachschub lädt. Die Engel sorgen dafür, dass auf diesen Wolken mit den Päckchen alles seine Ordnung hat.
Man braucht dafür einen alten Karton, von dem man den Deckel abschneidet und das meiste der Vorderseite. Den kleidet man dann mit Watte aus – ich hatte z. B: noch eine Packung Filterwatte von meinem abgeschafften Aquarium. Damit es von außen auch schön aussieht, kann man das auch außen machen, oder man streicht ihn weiß an, bekleben geht auch. Die Watte hält mit Kleber oder Tesafilm oder was man sonst so zur Hand hat. Die Wolken, die ich auf die Rück-und Vorderwand geklebt habe, sind nicht unbedingt erforderlich. Man kann sie im Bastelgeschäft erwerben oder auch z.B. aus einem Dunstabzugshaubenfilter ausschneiden. Oder auch aus schönem Papier.
Zwischen die Watte habe ich an der Rückwand eine batteriebetriebene Minilichterkette eingearbeitet, es gibt sie mit Schneeflocken oder wie hier mit Federn.

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Zusätzlich kann mit Sternen dekoriert werden, Wattekugeln und vor allem Schneeflocken, denn die sind ja in einer anständigen Winterwolke auf jeden Fall enthalten. Natürlich sind auch ein oder mehrere Engel anwesend. Oder wie hier ein kleiner beleuchteter Schneemann, der für zusätzliches Licht im Inneren sorgt.

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Die 24 Schokoladenpäckchen oder kleinen Geschenke werden dann teils an den Wänden befestigt, teils in Wattebergen im Inneren versteckt. Wenn der Kalender für zwei Leute ist, sind es eben 48 – hier ist jede Menge Platz. Ja, man kann sogar unter der Watte für den 24. ein richtiges Geschenk wie zum Beispiel ein Buch verstecken.
Dies ist einer der einfachsten, aber dekorativsten Adventskalender, die ich bisher gemacht habe.

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Mehr Adventskalender gibt es hier zu sehen.

Vorlese-Adventskalender

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Da der erste Advent näher rückt, möchte ich auf meinen kostenfreien Vorlese-Adventskalender für kleinere Kinder hinweisen. Es handelt sich um Vorweihnachtsgeschichten über einen kleinen Drachen und zwei Kinder. Er beginnt am 1. Advent, also dem 29, November, mit folgender Vorgeschichte:

„Großvater“, sagte Fissinor an einem grauen Tag im November, „ich möchte so gerne wissen, wie es ist, ein Menschenkind zu sein!“
„Hast du nicht genug damit zu tun, ein Drache zu sein?“ brummelte Kumulor. Er hatte gut reden, schließlich war er uralt und konnte sich bestimmt nicht mehr daran erinnern, wie es ist, wenn man das Fliegen und Feuerspucken erst noch richtig lernen muss.
„Trotzdem!“ sagte Fissinor. Trotzdem war sein Lieblingswort. Der kleine Drache konnte sehr hartnäckig sein. Das muss man auch als junger Drache, denn die alten Drachen haben schon soviel erlebt, dass man sie nicht so leicht dazu bekommt, zuzuhören. Sie sind immerzu am Nachdenken. Vielleicht ist das ja bei Menschenkindern anders, dachte Fissinor.
„Menschenkinder spielen manchmal“, sagte er. „So ähnlich wie wir. Ich hab das am Strand gesehen, und in der Stadt. Sie machen dabei so ein schönes Geräusch. Und Menschen sind spannend. Sie haben eine Art Drachen gebaut, in den sie einsteigen und fliegen können. Sie bauen Städte, die wie spitze Gebirge aussehen. Und die Städte spucken Rauch, genau wie wir. Ich wüsste einfach gern, wie Menschen sind.“
„Menschen sind sehr seltsam“, sagte Kumulor und sah aus als wollte er ein Nickerchen machen. Und wenn ein alter Drache ein Nickerchen macht, dauert es sehr, sehr lange.
„Großvater!“
„Also gut. Aber du solltest warten, bis die magische Zeit beginnt. Die Menschen haben ein ähnliches Fest wie unser Feuerfest. Sie nennen es Weihnachten. Es fängt nicht wie bei uns zur Sonnenwende an, sondern drei Tage später. Aber schon vier Wochen davor beginnen sie daran zu denken und zünden Kerzen an, das sind ganz kleine Feuer. In dieser Zeit sind die Menschen offener für das, was sie Wunder oder Märchen nennen. Und sie sind auch ein bisschen friedlicher gestimmt. Dann suchst du dir ein Menschenkind, mit dem du reden kannst. Zum Glück gibt es Drachen schon seit so viel Millionen Jahren, dass wir die Sprachen der meisten Lebewesen beherrschen. Ich werde dir Bescheid geben, wenn es soweit ist. Und nun lass mich in Ruhe!“ Brummend steckte er den gewaltigen Kopf unter seinen Flügel.
Fissinor war zufrieden, denn wenn Kumulor endlich etwas versprochen hatte, dann hielt er es auch. Jetzt musste er nur noch Geduld haben. Das würde schwer werden, denn die Geduld von kleinen Drachen ist noch genauso klein wie sie selbst. Aber sooo lange war es ja gar nicht mehr bis zum Feuerfest.

Alle Geschichten finden sich hier.

Engelchens Packstation

Packstation beleuchtet

Gerade ist der diesjährige Adventskalender für meine Eltern fertig geworden (Man kann den natürlich genausogut für Kinder basteln).
Diesmal heißt das Motto:

Die Werkstatt und Packstation

Weihnachtliche Packstatio

Der Weihnachtsmann hat natürlich überall fleißige Helfer. Er ist wie kein anderer auf funktionierende Logistik angewiesen. Überall gibt es Stationen, wo Engel und Wichtel Päckchen packen und Schlitten beladen.
Dafür braucht man zunächst den guten alten Pappkarton. Er kann wie hier mit Bastelkarton ausgekleidet werden, den es z.B. mit Holz- und Schneemuster gibt. Man kann natürlich auch Tapeten- oder Klebefolienreste nutzen oder ihn einfach anmalen.
Die Klappen an den schmalen Seiten werden nach außen geklappt und ein wenig beschnitten, so dass sie zu offen stehenden Flügeltüren werden. Die eine lange Klappe wird nach oben geklappt und kann zum Dach oder Himmel werden, die untere ist Terrasse bzw. Vorplatz.
Der Boden kann mit einem „Teppich“ belegt werden (in den 1-Euro-Kramfächern gibt es kleine Weihnachtsdeckchen, die dafür toll sind) oder nur mit Watte bzw. Kunstschnee.
Eine Minilichterkette (wer nicht mit Strom hantieren will, kann die mit Batterien nehmen) wird rings um die Decke und an den Türen entlang mit Tesafilm befestigt (es geht natürlich auch ohne Lichterkette).
Der Tisch in der Mitte der Werkstatt besteht aus einer umgedrehten Kerze, die dann gleich für den 24. als kleines Präsent genommen werden kann (Ich habe hier noch ein kleines Holzbrett obendrauf gelegt, muss aber nicht sein). Die zwei Hocker für die Engel bestehen ebenfalls aus zwei kleinen Kerzen.
Die schwebenden Engel bestehen aus Weinkorken mit einem Hemd aus einem alten Lappen. Mit Stecknadeln wird eine Wattekugel als Kopf und die Flügel am Korken befestigt. Die Flügel gibt es billig im Bastelladen, wenn man echte Federn wünscht, man kann sie natürlich auch aus Papier ausschneiden. Mit einem Nylonfaden werden sie an der Decke befestigt.
Die stehenden Engel sind aus Knetmasse (die Sorte die in 20 Minuten in der Mikrowelle härtet) mit Haar aus Engelshaar oder Wollresten und großen Flügeln, die mit Bändern befestigt oder angeklebt werden. Man kann natürlich auch Schokoengel oder Dekoengel kaufen.
Der Schlitten ist eine Pflanzschale, die ich zum letzten Weihnachten bekam, kann aber auch problemlos aus Pappe gefertigt werden. Das Rentier bekommt man überall, wo es Dekoartikel gibt – oder es wird auch aus Karton geschnitten.
Im Bastelladen gibt es auch ganz billig kleine Sets mit Minibottichen, Körben, Kuchenrollen, Schubkarren und dergleichen aus Holz, die sich prima zur Deko für eine Werkstatt eignen, aber sie sind auch verzichtbar. Das gleiche gilt für Strohballen, Zäune etc.
Jetzt muss nur noch befüllt werden. Soll es ein Adventskalender für Erwachsene werden, sollte man zu guten Pralinen greifen, aber nicht die teuer verpackten sondern die, die es billiger in Tüten gibt. Sie werden in Alufolie und dann noch mal in buntes Weihnachtspapier eingewickelt; wenn der Kalender für zwei Leute ist, kommen immer zwei Pralinen in ein Päckchen. Man kann nach Belieben auch noch einen Spruch, ein Gedicht , eine Nachricht oder ein Rätsel mit einwickeln. Außerdem kann man natürlich auch eingepackte Nikolausstiefel, Schokokringel, Schokobäume etc. verwenden und damit gleich noch dekorieren. Die Päckchen kommen in den Schlitten, auf den Tisch, auf einen Stapel an der Wand – überall, wo es passt. Hauptsache, es sind 24. Auf Nummerierung habe ich verzichtet, man darf sich jeden Tag ein Päckchen aussuchen. Nur auf den Tisch (die Kerze) klebt man eine 24.
Fertig – der Weihnachtsmann ist vorbereitet, der erste Advent kann kommen!

Der Schlitten

Wer die Adventskalender der letzten Jahre sehen möchte, findet sie hier.

Geschenke für Eltern

November. Höchste Zeit zum Adventskalender-Basteln! Im Moment mache ich das nicht für Kinder, sondern für meine Eltern.
Meine Eltern sind alt. Jedenfalls so alt, dass sie nichts mehr zu Weihnachen geschenkt bekommen wollen, „was herumsteht, sondern nur noch, was man verbrauchen kann!“
Verbrauchen? Kerzen, Kekse, Papierservietten. Das reicht mir nicht. Nun bekommen sie jedes Jahr einen selbstgemachten Adventskalender, am besten mit Beleuchtung. Dann haben sie nämlich gleichzeitig eine Weihnachtsdekoration, denn es ist ihnen zu beschwerlich geworden, die alten Dekorationen vom Dachboden zu holen und aufzuhängen.
Mir macht das außerdem einen Riesenspaß, jedes Jahr etwas Neues zu bauen. Ich sammle dazu den Sommer über Käseschachteln, Joghurtbecher, Pralinenpackungen, Kartons – alles was man brauchen kann aber nichts kostet. Und dann baue ich. Damit fange ich jetzt schon an, damit ich mir Zeit lassen kann.
Vorletztes Jahr war es eine Burg aus Käseschachteln:

Letztes Jahr eine Eisenbahn aus Quarkbechern und Weinkorken:

Mehr Bilder von Adventskalendern mit Bastelanleitungen gibt es hier.

Das zweite Weihnachtsgeschenk für meine Eltern ist auch ein Kalender. Aber der hält das ganze Jahr. Es ist auch ein selbstgemachter Kalender: für jede Woche ein Blatt. Gleichzeitig ist es eine Art Fotoalbum mit Familienbildern, Gartenbildern, Ausflugsbildern vom letzten Jahr. Die Felder für die Tage sind nicht einfach Kästchen, sondern Blumen, Blätter oder Ähnliches, aber so, dass man seine Termine gut eintragen kann. Dazu kommt noch ein kleines Gedicht oder ein Spruch. Man kann das mit einem Grafikprogramm machen oder auch mit Schere und Kleber auf die altmodische Art.
Eine Seite sieht dann zum Beispiel so aus:

oder so:

Das ist dann ein ganz praktisches Fotoalbum, das man benutzen und danach aufheben kann oder auch nicht. (Wenn man sie aufhebt, entsteht durch die eingetragenen Ereignisse gleich eine Familienchronik). Fest steht, dass meine Eltern sich jeden einzelnen Tag im Jahr darüber freuen. Es macht ein bißchen Arbeit, da man über 50 Seiten braucht, aber es lohnt sich. Und man kann ja auch ein Familienprojekt daraus machen. Jeder steuert ein paar Seiten bei. Dann kommt das Ganze in ein hübsches Ringbuch, wird phantasievoll eingepackt, und fertig. Beim Auspacken sorgt es dann gleich für Beschäftigung und Gesprächsstoff.

Wer aber keine Zeit zum Basteln hat, sondern nur für einen Klick, der braucht kein schlechtes Gewissen haben, wenn er seinen Eltern „Die Füße der Sterne“ schenkt. Oder einen Gutschein dafür, ihnen ab und zu eine Geschichte daraus vorzulesen, falls ihnen das Lesen aus gesundheitlichen Gründen schwer fallen sollte. Sie werden nicht enttäuscht sein – versprochen! Es ist ein unterhaltsames Buch voller Lebensfreude. Die Geschichten haben eine angenehme Länge für eine Pause oder vor dem Einschlafen. Viele davon sind besonders auch für ältere Menschen gut geeignet. Es gibt Mutmachgeschichten, Gesundwerdgeschichten und fröhliche Geschichten.
Verschenkgeschichten

Kinder schreiben Wunschzettel, aber die Wünsche der Erwachsenen herauszufinden, ist gar nicht so leicht. Ich habe mal eine Geschichte darüber geschrieben, eine Weihnachtsgeschichte für Kinder und Erwachsene:

Patricia Koelle
Was der Weihnachtself suchte
Der Winter war kälter als alle, an die sich irgendjemand erinnern konnte. Durch die alten Fensterrahmen pfiff der frostige Wind, und die Sonne wollte morgens gar nicht aufstehen. Kurz vor Weihnachten verlor Tanja auch noch ihre Arbeit. Sie hatte in einem Laden Kleider verkauft, lange Kleider aus Samt und Brokat für ganz besondere Gelegenheiten. Doch nun hatten die Menschen kein Geld mehr für feine Kleider. Viele hatten keine Arbeit, und dabei kostete es immer mehr, die Wohnungen warm zu halten.
„Was machen wir denn jetzt, Mama?“ fragte Kerstin. Sie war gerade acht Jahre alt geworden, und weil es in ihrer Familie keinen Papa mehr gab, waren Tanja und sie es gewöhnt, auf Probleme zusammen eine Antwort zu finden.
„Ich habe eine Idee“, sagte Tanja und sah hinaus in den Schnee, der sich wie ein Pelzkragen um das Fenster setzte. „Im Laden habe ich gesehen, das viele Frauen sich teure Handtaschen ansehen. Sie drehen sie hin und her, fassen hinein, streicheln sie und wünschen sich, dass sie einmal mit einer so wunderschönen Handtasche ausgehen können. Aber ihr Geld reicht meistens nur für ein Kleid, wenn überhaupt. Nicht auch noch für eine Handtasche. Sie legen sie traurig wieder hin und gehen nach Hause.“
Kerstin stellte sich das vor. „Das ist aber schade, Mama.“
Tanja ging zu ihrem Schrank und zog eine Schublade auf. Kerstin sah hinein und entdeckte grünes Seidenpapier. Sie schnupperte.
„Was so gut riecht, ist feines Leder“, erklärte Tanja und nahm das Seidenpapier vorsichtig weg. Darunter lag eine Tasche aus weichem blauem Leder mit silbernen Knöpfen daran und einem kleinen, funkelnden Stein an einem Reißverschluss. „Die habe ich vor sehr langer Zeit zu Weihnachten bekommen.“
Kerstin strich vorsichtig über die Tasche. „Wie von einer Prinzessin.“
„Siehst du, und es gibt viele Frauen, die sich für einen Abend gern wie eine Prinzessin fühlen würden“, sagte Tanja.
„Wie Aschenputtel?“
„Ja, so ähnlich. Und deshalb werde ich jetzt eine Annonce für die Zeitung schreiben und fragen, ob nicht jemand meine Tasche mieten möchte. Das ist viel billiger als kaufen.“
Tanja hatte oft verrückte Ideen und sehr oft wurde nichts daraus. Darum waren sie und Kerstin überrascht, wie viele Menschen sich meldeten, nachdem sie die Zeitung gelesen hatten. Da gab es Frauen, die für einen Weihnachtsball ein wunderschönes blaues Kleid gekauft hatten, und nun noch eine Tasche dazu brauchten. Andere konnten sich kein neues Kleid leisten und dachten, sie würden sich in dem alten besser fühlen, wenn sie wenigstens eine schöne Tasche dazu hätten. Auch Männer riefen an, für die ein richtiges Geschenk zu teuer war, die ihrer Frau aber wenigstens für einen Abend eine Freude machen wollten.
Also wickelte Tanja die Tasche in das Seidenpapier, packte sie vorsichtig in einen schönen Karton, und schickte sie immer wieder auf die Reise. Nach ein oder zwei Tagen kam die Tasche in demselben Karton wieder zurück. Oft lag eine Karte dabei, auf der stand: „Danke, ich hatte einen wundervollen Abend.“
„Wieso wundervoll?“ wollte Kerstin wissen.
„Weil für sie der Abend voller Wunder war, denn sie haben sich gefühlt, als hätten sie Glück“, sagte Tanja. „Sie fühlten sich schön und so, als wäre alles möglich, weil sie eine Tasche trugen, wie sie sie sonst nie haben. Sie haben ihre Sachen darin aufbewahrt, ihr Taschentuch, ihren Kamm, ihren Schlüssel, und da war es ein bisschen so, als ob sie ihr Leben ganz neu verpackt hätten. Und weil sie wussten, dass sie die Tasche nicht behalten konnten, war es etwas ganz Besonderes für sie.“
Dafür, dass sie Tanjas Tasche leihen durften, zahlten die Menschen Miete. Es war nicht viel, aber die Tasche wurde so oft ausgeliehen, dass Tanja von dem Geld eine zweite, rote Tasche kaufen konnte, und dann eine weiße und schließlich eine schwarze mit goldenen Streifen. Sie kaufte große Taschen und kleine Taschen und sogar Taschen für Männer, und alle wurden sie immer wieder ausgeliehen, so dass Kerstin jeden Tag half, mit dem Fahrrad die Pakete zur Post zu bringen. Das ging prima, weil leere Taschen ja ziemlich leicht sind.
Als das Jahr um und schon beinahe wieder Weihnachten war, konnten sie inzwischen von all dem Geld die Miete bezahlen und die Heizung und das Licht und das Telefon und was man sonst so alles braucht. Es ging ihnen richtig gut. Nur eines wunderte sie.
Jedes Mal, wenn die Taschen zurückkamen, waren sie ein bisschen schwerer als vorher, obwohl sie leer waren und auch nicht schmutziger als beim Wegschicken, denn die Leute gingen sehr vorsichtig damit um. Tanja fasste immer verblüfft in jedes kleine Seitenfach, weil sie dachte, der Benutzer müsste etwas Schweres darin vergessen haben. Aber da war nichts. Tanja wog die Taschen schließlich auf der Küchenwaage, die sie sonst für das Mehl brauchte, wenn Kerstin und sie Plätzchen machen wollten. Sie dachte, sie bilde sich das Gewicht nur ein. Aber die Taschen waren tatsächlich jedes Mal ungefähr neunundzwanzig Gramm schwerer. Kerstin war das richtig unheimlich.
Am vierten Advent holte Tanja wieder eine Tasche aus einem Paket. Sie war besonders schwer. Tanja drehte sie um und schüttelte sie heftig, aber es war nichts darin. „Der Himmel weiß, woher das kommt!“ rief sie.
Das Fenster stand ein wenig offen. Plötzlich hörte Kerstin draußen auf dem Fensterbrett ein Rascheln. Sie schob die Gardine beiseite, und wutsch, schwirrte etwas an ihr vorbei und landete auf dem Regal. „Der Himmel weiß es wirklich“, sagte eine Stimme, die hell und klar war wie die Winterluft…

Wer wissen möchte, wie die Geschichte weitergeht, findet sie hier:

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