Wortwuseln

Alliterationsanfall II

© Patricia Koelle

Worte fließen wassergleich
weisen Wege, wähnen Wissen
wecken, wagen, wuchern reich
walten wendig und beflissen
wutentbrannt wohl auch im Leben
wohnen wirr auf Schreiberkissen.
Worte wählen, werben, weben.

Worte wuseln, Worte krabbeln
Worte wurmen, wieseln fort
Worte wärmen, wehren, babbeln
weihen wundersamen Ort.
Worte wirbeln Hirne wolkig
wimmern würgen wünschen dort
Worte sind womöglich ulkig.

Worte weilen windverweht
wenn sie winken aus den Wellen
wo es wild ums Wollen geht.
Worte wandern aus dem Hellen
wiegen was im Dunkeln wem
würfeln, ehe sie wahrhaft fällen
wechseln, ehe sie würzig stehn.

Worte werkeln wohlig Welten
welche wachsen wohl am Traum
weil sie welkend weiter gelten.
Worte warten wogend kaum
wenn sie willig wabernd säumen
den Dichterraum
wo Dichter räumen.

Berliner Frühherbst (Gedicht)

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Berliner Frühherbst
(c) Patricia Koelle

Schwüle Schönheiten schwirren durch staubige Straßen
spaßige Sperlinge spitzeln spottend vom Dach.
Schwatzende Spießbürger speisen spontan Spritzkuchen
die schwitzende Stadt spielt schurkig mit sich selber Schach.

Stolze Schornsteine speien ewig schwarze Streifen
anderes schlucken schaurig schmutzige Schächte.
Spekulanten spuken in schmierigen Spelunken
spinnen spät noch schamlos manches Ungerechte.

Scharlachrotes Schlauchboot sorglos auf dem Schlachtensee
schaukelt selig schlafend schief über seichtem Abgrund.
Die Sommersonne ist solchen Sonntags schon im Soll
sachte Sehnsucht ist des Herbstes so schwieriger Fund.

Silberne Samen schweben als sinkende Schätze
salzige Senfgurken schmecken nach schutzlosen Tränen.
Wir schreiben schrankenlos schwerwiegende Schwüre
folgen schweigenden Spuren von schmutzgrauen Schwänen.