Himmlisches Badevergnügen

Dieses Bildchen ist für Claudi:

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Engelchens Packstation

Packstation beleuchtet

Gerade ist der diesjährige Adventskalender für meine Eltern fertig geworden (Man kann den natürlich genausogut für Kinder basteln).
Diesmal heißt das Motto:

Die Werkstatt und Packstation

Weihnachtliche Packstatio

Der Weihnachtsmann hat natürlich überall fleißige Helfer. Er ist wie kein anderer auf funktionierende Logistik angewiesen. Überall gibt es Stationen, wo Engel und Wichtel Päckchen packen und Schlitten beladen.
Dafür braucht man zunächst den guten alten Pappkarton. Er kann wie hier mit Bastelkarton ausgekleidet werden, den es z.B. mit Holz- und Schneemuster gibt. Man kann natürlich auch Tapeten- oder Klebefolienreste nutzen oder ihn einfach anmalen.
Die Klappen an den schmalen Seiten werden nach außen geklappt und ein wenig beschnitten, so dass sie zu offen stehenden Flügeltüren werden. Die eine lange Klappe wird nach oben geklappt und kann zum Dach oder Himmel werden, die untere ist Terrasse bzw. Vorplatz.
Der Boden kann mit einem „Teppich“ belegt werden (in den 1-Euro-Kramfächern gibt es kleine Weihnachtsdeckchen, die dafür toll sind) oder nur mit Watte bzw. Kunstschnee.
Eine Minilichterkette (wer nicht mit Strom hantieren will, kann die mit Batterien nehmen) wird rings um die Decke und an den Türen entlang mit Tesafilm befestigt (es geht natürlich auch ohne Lichterkette).
Der Tisch in der Mitte der Werkstatt besteht aus einer umgedrehten Kerze, die dann gleich für den 24. als kleines Präsent genommen werden kann (Ich habe hier noch ein kleines Holzbrett obendrauf gelegt, muss aber nicht sein). Die zwei Hocker für die Engel bestehen ebenfalls aus zwei kleinen Kerzen.
Die schwebenden Engel bestehen aus Weinkorken mit einem Hemd aus einem alten Lappen. Mit Stecknadeln wird eine Wattekugel als Kopf und die Flügel am Korken befestigt. Die Flügel gibt es billig im Bastelladen, wenn man echte Federn wünscht, man kann sie natürlich auch aus Papier ausschneiden. Mit einem Nylonfaden werden sie an der Decke befestigt.
Die stehenden Engel sind aus Knetmasse (die Sorte die in 20 Minuten in der Mikrowelle härtet) mit Haar aus Engelshaar oder Wollresten und großen Flügeln, die mit Bändern befestigt oder angeklebt werden. Man kann natürlich auch Schokoengel oder Dekoengel kaufen.
Der Schlitten ist eine Pflanzschale, die ich zum letzten Weihnachten bekam, kann aber auch problemlos aus Pappe gefertigt werden. Das Rentier bekommt man überall, wo es Dekoartikel gibt – oder es wird auch aus Karton geschnitten.
Im Bastelladen gibt es auch ganz billig kleine Sets mit Minibottichen, Körben, Kuchenrollen, Schubkarren und dergleichen aus Holz, die sich prima zur Deko für eine Werkstatt eignen, aber sie sind auch verzichtbar. Das gleiche gilt für Strohballen, Zäune etc.
Jetzt muss nur noch befüllt werden. Soll es ein Adventskalender für Erwachsene werden, sollte man zu guten Pralinen greifen, aber nicht die teuer verpackten sondern die, die es billiger in Tüten gibt. Sie werden in Alufolie und dann noch mal in buntes Weihnachtspapier eingewickelt; wenn der Kalender für zwei Leute ist, kommen immer zwei Pralinen in ein Päckchen. Man kann nach Belieben auch noch einen Spruch, ein Gedicht , eine Nachricht oder ein Rätsel mit einwickeln. Außerdem kann man natürlich auch eingepackte Nikolausstiefel, Schokokringel, Schokobäume etc. verwenden und damit gleich noch dekorieren. Die Päckchen kommen in den Schlitten, auf den Tisch, auf einen Stapel an der Wand – überall, wo es passt. Hauptsache, es sind 24. Auf Nummerierung habe ich verzichtet, man darf sich jeden Tag ein Päckchen aussuchen. Nur auf den Tisch (die Kerze) klebt man eine 24.
Fertig – der Weihnachtsmann ist vorbereitet, der erste Advent kann kommen!

Der Schlitten

Wer die Adventskalender der letzten Jahre sehen möchte, findet sie hier.

Wie man der Liebe und einem Wünschwas begegnet

Tegeler Fließ

Sind Sie schon einmal einem Wünschwas begegnet?

„…Verwirrt schaute Udo sich um. Im ersten Moment glaubte er, dass jemand einen Schneeball nach ihm geworfen hatte, aber nein, dafür war dieses Etwas viel zu schnell gewesen und zu hart gelandet.
Vorsichtig ging er näher und sah ein Männlein aus einem Einschlagkrater kriechen. Es rappelte sich auf, hustete und klopfte sorgfältig den Schnee von seinem blauen Mantel. Danach strahlte es Udo an. „Hallo!“…
Vor Weihnachten ein Wünschwas zu treffen, macht das Leben leichter. Oder etwa doch nicht?
Diese humorvolle, überraschende und weise Geschichte von Sabine Ludwigs ist auch dann ein Geschenk, wenn einem eine solche Begegnung nicht vergönnt ist.
In dem Buch „Weihnachtsgeschichten Band 3“ gibt es noch zwei weitere bezaubernde Geschichten von ihr sowie Geschichten von weiteren Autoren.

Auch von mir sind drei Geschichten enthalten. Eine erzählt von dem Beginn einer Liebe, die es ohne Weihnachten nie gegeben hätte:

Weihnachtliche Schatzsuche
Patricia Koelle

„Jana Dessin konnte sich nicht vom Fenster losreißen. Eigentlich war es kein Tag, an dem man freiwillig hinaus schaut. Es war Mitte Januar, kalt, windig und traurig grau, denn es lag kein Schnee. Auf der Straße war nur unterwegs, wer es nicht vermeiden konnte. Bis auf den Mann, den Jana nun schon eine Weile beobachtete. Er hatte einen dunklen Haarkranz mit eleganten weißen Schläfen, und einen Bart, in dem sich das Weiß mit dem Dunkel mischte. Schlank und aufrecht war er, aber sie vermutete, dass er genau wie sie auf die Sechzig zuging. Sie beobachtete ihn jedoch nicht, weil sie ihn attraktiv fand, sondern weil sie zu gern gewusst hätte, was er da nur trieb. Es sah aus, als ginge er Gassi mit einem Hund, der an jedem Baum stehen blieb, nur: sie konnte keinen Hund entdecken. Gestern schon war ihr dieses seltsame Verhalten aufgefallen. Kurz entschlossen zog sie ihre Jacke an und ging hinunter. Eigentlich hatte sie sowieso einen Spaziergang machen wollen, sie hatte sich nur nicht aufraffen können. Als sie aus der Haustür kam, stand er gebückt über einem der weggeworfenen Weihnachtsbäume, die in Haufen an der Bordsteinkante lagen, und tastete darin herum…“

„Die Wunschkerzen“ erzählt davon, wie uns nahestehende Menschen, die nicht mehr da sind, auf geheimnisvolle Weise dennoch anwesend sein können:

„…Das Geschichtenerzählen begann nach der Bescherung. Sämtliche elektrischen Lichtquellen im Haus wurden ausgeschaltet, selbst das Aquarium und die Küchenlampe, die sonst durch den Flur geschimmert hätte. Dann suchte sich jeder von uns unter den über dreißig Kerzen eine aus, von der er glaubte, dass sie als letzte verlöschen wurde. Meine Eltern, Oma Rena, die eine oder andere anwesende Tante, mein Bruder, meine Schwestern, jeder traf seine Wahl mit Gründlichkeit und Bedacht. Ich hatte es da meist am Leichtesten; irgendeine bestimmte Kerze schien mich jedes Mal anzuzwinkern als sei eine Freundschaft zwischen uns. Allerdings habe ich nie Recht behalten.
Nach etwa zwei Stunden waren die ersten Kerzen aus, aber es dauerte stets noch eine weitere Stunde, bis auch die letzte Flamme das Wachs aufgebraucht hatte. Mit jeder, die das Dunkel verschluckte, mehrten sich die Schatten und die Geschichten wirkten geheimnisvoller, bis auch das Erzählen verlöschte und wir nur noch mit fast angehaltenem Atem auf die tapfersten Kerzen blickten.

Und in
„Wenn Weihnachten einen Haken hat“ wird das Geheimnis gelüftet, was jemand fangen kann, der mit einer Angel ohne Köder an einem zugefrorenen Fluß sitzt.

„…Fips formte einen Schneeball, warf ihn an den Stamm einer Kiefer und malte versonnen mit dem Finger ein Gesicht hinein. Die Weihnachtsbäume seiner Kindheit würde ohnehin niemand mehr hinbekommen. Nur zarte Strohsterne und weiße und durchsichtige Kugeln wie Seifenblasen, ein klein wenig Lametta und ein paar geschnitzte Holzfiguren. Echte Äpfel. Und der Duft, der in den Zweigen hing, fast als könne man ihn sehen, wie Spinnweben.
Als er weiterging, entdeckte er den Mann. Gebeugt saß der im Schnee auf der Böschung, in einen langen Mantel gehüllt, und starrte unbewegt auf den Kanal. Neben ihm steckte eine Angel in einem Schneehaufen. Fips wusste, dass es Angler gab, die ein Loch in das Eis bohrten und im Winter die besten Fische herausholten. Doch die saßen für gewöhnlich nicht an Heiligabend nachts um einundzwanzig Uhr am Wasser. Und vor allem nicht, wenn gar kein Loch im Eis war. Die helle Fläche war ungebrochen, und der Haken baumelte wurmlos wenige Zentimeter darüber.
Fips blieb stehen. „Frohe Weihnachten! Kann ich Ihnen helfen?“…

Und wer die letzte Geschichte in dem Buch nicht liest, bleibt ein klein wenig ärmer als nötig. Sie stammt aus der Feder Nicole Dallingers und erzählt von einem kleinen Jungen, der einen dringenden Brief an das Christkind schreibt und an Heiligabend eine Antwort bekommt, die jeder von uns schon einmal gesucht hat. Eine Leseprobe dieser Geschichte findet man hier.

Wer noch mehr über das Buch erfahren möchte, findet eine ausführliche Zusammenfassung hier.

Ein merkwürdiger Engel

Winterabende eignen sich hervorragend zum Vorlesen...

Noch viel schöner als Geschenke fand ich es früher, wenn mir in der Vorweihnachtszeit jemand Geschichten vorlas. Der ganze Zauber von Weihnachten entfaltete sich dadurch erst in meiner Phantasie. Das gehört zu meinen schönsten Erinnerungen, und ich würde diese Freude von damals, dieses helle Stück Kindheit, gern an Kinder von Heute weitergeben.
In meinem Buch „Der Weihnachtswind“ gibt es mehrere Weihnachtsgeschichten, die sich zum Vorlesen für Kinder eignen. Zum Beispiel diese:

Der verkehrte Engel

Jedes Jahr freute sich Sanni darauf, dass am ersten Advent das Engelsglockenspiel aufgestellt wurde.
Schon die Schachtel klapperte so aufregend, wenn Oma sie aus dem großen Karton holte. Oma kam jedes Jahr zum ersten Advent zu Besuch und blieb, bis das neue Jahr anfing. Weil Mama mit dem Backen soviel zu tun hatte, waren es Oma und Sanni, die für den Adventsschmuck zuständig waren. Es gab große Strohsterne, die mit spitzen Reißzwecken an die Wände geheftet wurden, und Lichterfiguren für die Fenster.
Aber am liebsten mochte Sanni das Engelsglockenspiel.
Es schimmerte golden. Unten war ein Teller mit vier Kerzenhaltern, in die Sanni rote Kerzen stellen durfte. In der Mitte steckte ein Stiel, und an diesem Stiel hingen drei Glocken. Ganz oben drauf kam ein Flügelrad, das sich drehte, wenn die Kerzen an waren.
Und an dieses Rad hängte Oma ganz zum Schluss das Allerwichtigste: fünf goldene Engel. Die Engel hielten jeder eine zarte Stange, mit der sie gegen die Glocken schlugen, wenn das Rad sich drehte. So ertönte eine feine, silberhelle Musik. Sanni spürte jedes Mal ein glückliches Kribbeln im Bauch, wenn das Klingeln anfing.
Oma und Vater konnten die Musik nicht mehr hören, weil ihre Ohren schon so alt waren. Das machte die Musik noch aufregender, weil sie fast nur für Sannis Ohren war, so als teile sie mit den Engeln ein Geheimnis.
Diesmal aber blickte der Vater streng auf das Glockenspiel, als sie beim Kaffee saßen und die erste Kerze auf dem Adventskranz leuchtete. „Da stimmt was nicht“, sagte er vorwurfsvoll. „Der eine Engel ist verkehrt!“
Tatsächlich hatte Oma den Engel falsch herum aufgehängt. Alle Engel flogen ordentlich vorwärts, nur dieser eine, der flog rückwärts. Sanni staunte, wie gut er das konnte.
Oma strich sich eine widerspenstige weiße Haarsträhne aus der Stirn und aß seelenruhig ihren Marzipanstollen. „Das macht gar nichts, wenn sich einer mal anders benimmt als alle anderen“, sagte sie. „Auch bei Engeln nicht.“
Mama versuchte, den Engel richtig herum zu hängen, doch der Engel war heiß von den Kerzenflammen, und sie konnte ihn nicht anfassen. Also flog er weiter rückwärts.
Am nächsten Tag, als die Kerzen aus waren, sah Sanni, wie der Vater den Engel sorgfältig richtig herum drehte.
Doch seltsam, als sie am zweiten Advent neue Kerzen anzündeten, flog der Engel wieder rückwärts. Vater schüttelte den Kopf. Oma aß Marzipanstollen. Und Sanni bewunderte den Engel. Sie fand ihn mutig.
„Oma“, fragte sie, „Engel, die rückwärts fliegen, laufen die auch rückwärts?“
„Ganz bestimmt laufen die rückwärts“, sagte Oma.
Vater pustete laut in seinen Kaffee.
Am Montag in der Schule schüttelte die Lehrerin den Kopf über Sanni. „Du sollst doch mit der rechten Hand schreiben, nicht mit der linken“, sagte sie. „Die anderen Kinder machen das auch alle so.“
„Das ist doch nicht schlimm“, sagte Sanni. „Es gibt sogar Engel, die sich anders benehmen als alle anderen.“
„Soso“, sagte die Lehrerin. “Ich dachte, gerade Engel sind besonders brav.“
Am Mittwochmorgen zeigte Jörg mit dem Finger auf Sanni und lachte sie aus. „Guckt mal, die Sanni kann sich noch nicht mal richtig anziehen!“
Sanni sah an sich herunter und merkte, dass sie ihre Jacke in der Eile verkehrt herum angezogen hatte.
„Na und“, sagte sie. „Es gibt schließlich sogar Engel, die verkehrt herum fliegen!“ Jörg lachte noch mehr, aber Sanni ließ sein Lachen einfach nicht in ihre Ohren, sondern stellte sich vor, es wäre das helle Klingeln der Engelsglocken.
Am Freitag sah sie, wie Rolf und Jörg auf dem Pausenhof mit harten Schneebällen nach dem kleinen Hajo warfen. „Seht mal, wie der Esel rennt!“ riefen sie. Hajos rechtes Bein war kürzer als das linke und auch nicht so kräftig. Wenn er rannte, sah es ein wenig aus wie ein Galopp.
Sanni nahm Hajo bei der Hand. „Lasst ihn in Ruhe!“ schrie sie. „Es macht nichts, dass er anders ist. Es gibt auch Engel, die anders laufen als alle anderen! Das sind ganz besondere Engel!“
„Die spinnt mit ihren Engeln“, sagte Jörg zu Rolf. „Hast Du schon mal ´nen Engel gesehen, der verkehrt herum fliegt?“
„Ich hab überhaupt noch keinen Engel gesehen“, sagte Rolf. „Die Sanni hat’n Knall.“
Als Oma Sanni ins Bett brachte, erzählte sie der Oma alles.
„Hmmm“, sagte Oma nur.
An diesem Sonntag brannten drei Kerzen auf dem Adventskranz, und der eine Engel flog immer noch rückwärts. Draußen schneite es zum ersten Mal in diesem Jahr.
Am Montag schneite es immer noch, und weil die Wolken so schwer und dunkel waren, wurde es gar nicht richtig hell. Mitten in der Mathestunde sprang Jörg, der am Fenster saß, plötzlich auf und zeigte aufgeregt nach draußen. „Da, seht mal!“ Die anderen rannten auch zum Fenster. „Kinder!“ rief die Lehrerin und schüttelte den Kopf. Niemand hörte ihr zu, also wurde auch sie neugierig und sah hinaus.
Draußen lief eine Gestalt über den Hof…

Wer wissen möchte, wie die Geschichte weitergeht, findet sie hier

Und damit niemand die Katze im Sack oder vielmehr die Wörter zwischen den Deckeln kaufen muß, stelle ich hier noch zwei weitere Geschichten aus dem Buch vor:

Der Weihnachtsspatz
Der Weihnachtsbaum war beinahe so groß wie die kleine Kirche, neben der die Menschen ihn aufgestellt hatten. Ganz auf der Spitze saß aufrecht ein Engel und breitete seine goldenen Flügel aus.
Auf dem Kirchturm saß ein kleiner Spatz und betrachtete den Engel. Der Spatz sah aus, wie alle Spatzen in allen Städten. Er war braun und fiel nicht weiter auf. Er hatte nicht einmal einen Namen. Jeden Tag flog er mit seinen Geschwistern und Freunden von Dach zu Dach und auf dem Marktplatz herum, und niemand beachtete ihn. Nur selten warf ihm ein Kind einen Krümel zu.
Der kleine Spatz wäre sehr gern ein Engel gewesen, ein Engel mit goldenen Flügeln, auch wenn der nur aus Plastik war.
„Möchtest Du mich für eine Weile vertreten, kleiner Spatz?“ fragte der Engel. „Ich habe nämlich etwas Wichtiges zu erledigen.“
Der kleine Spatz fiel vor Schreck fast von der Kirchturmspitze. Der Engel war ja gar nicht aus Plastik. Er war lebendig!
Der kleine Spatz konnte ja nicht wissen, dass die Engel auf den Weihnachtsbäumen, die neben Kirchen stehen, oft wirkliche Engel sind. Das ist deshalb praktisch, weil die Menschen ihre Sorgen meistens in der Kirche erzählen. So wissen die Engel gleich Bescheid, um wen sie sich kümmern müssen. Engel sind schließlich dazu da, den Menschen zu helfen, besonders an Weihnachten. Und zum Glück haben sie sehr gute Ohren.
„Du könntest für mich heute Nachmittag hier oben sitzen“, sagte der Engel. „Dann könnte ich zu einem kleinen Mädchen fliegen, das getröstet werden muss. Sie heißt Katja und ist im Herbst von einer Schaukel gefallen. Beide Beine hat sie sich gebrochen und muss nun schon so lange im Bett liegen, dass sie vor Langeweile sehr traurig ist.“
„Aber ich bin doch nur ein Spatz“, sagte der kleine Spatz verwundert. Es stimmte ja, dass er sich gerade goldene Flügel gewünscht hatte. Aber einen wirklichen Engel vertreten, das war doch was anderes. Er wusste nicht, ob er das konnte.
„Du brauchst bloß hier oben zu sitzen und die Flügel ausbreiten. Es wird niemandem auffallen“, sagte der Engel. „Die Menschen sehen, was sie sehen wollen. Niemand erwartet einen Spatz, wo ein Engel sein sollte. Außerdem können wir ein bisschen nachhelfen.“
Der Engel rückte also zur Seite und der kleine Spatz flog auf die Spitze des Weihnachtsbaums. Er musste sich gut festhalten, denn der Baum schwankte im Wind. Auf der Kirchturmspitze hatte sich der kleine Spatz sicherer gefühlt.
„Ein wenig aufrechter, bitte“, sagte der Engel. Der kleine Spatz streckte sich und plusterte sich auf, bis er größer aussah. „Und jetzt die Flügel ausbreiten“, sagte der Engel.
Der kleine Spatz breitete die Flügel aus.
„Gut“, sagte der Engel. Er griff in seine Hemdtasche und streute etwas über den kleinen Spatz. „Sternenstaub“, sagte der Engel. Der kleine Spatz sah an sich herunter. Seine Flügel glitzerten jetzt wunderschön golden. Vor Stolz machte er sich noch ein wenig größer.
„Das ist zwar geschummelt“, lachte der Engel, „aber die Menschen machen sowas auch. Sie nennen es schminken“. …

Als Johanna am Christkind zweifelte

…Dieses Jahr schien es noch länger zu dauern als sonst. Die Plätzchen waren schon alle und Onkel Richard hatte bereits fünf Kugeln fertig. Plötzlich ließ Johanna vor Schreck den Ring fallen, den sie gerade erst zusammengeklebt hatte. Ganz deutlich hatte sie gehört, wie auf der anderen Seite der Tür jemand die Leiter gerückt hatte! Sie kannte das Geräusch, denn Mutter brauchte diese Leiter ja immer zum Fenster putzen und Gardinen aufhängen. Die Gummifüße schrammten auf dem Parkett entlang und die Aluminiumsprossen klapperten. Dieses Geräusch konnte man nicht verwechseln.
Da konnte etwas nicht stimmen. Bis jetzt war es immer leise im Wohnzimmer gewesen. Man hatte höchstens ein wenig Papierrascheln und Flüstern gehört. „Onkel Richard“, sagte Johanna, „das Christkind braucht doch keine Leiter, oder? Das Christkind kann doch fliegen!“
„Na klar kann das Christkind fliegen.“
„Aber ich hab die Leiter gehört“, sagte Johanna.
„Also ich habe überhaupt nichts gehört“, sagte Onkel Richard. „Kannst du mal diesen Faden festknoten?“
Johanna knotete und dachte nach. Ob es am Ende gar kein Christkind gab? Vielleicht veräppelten die Erwachsenen sie nur und hingen die Lichterketten alleine auf. Klar, dass sie dann die Leiter brauchten.
„Und jetzt halt diese Kugel fest“, sagte Onkel Richard. „Nicht bewegen, sonst verrutschen die Klebestellen. Ich hole uns solange neue Plätzchen und einen Kakao.“
Er schlüpfte so geschickt durch die Tür, dass Johanna nicht an seinem Bauch vorbeigucken konnte. Sie hielt also die Kugel fest und dachte nach, und je länger sie nachdachte, desto sicherer wurde sie, dass nie ein Christkind das Wohnzimmer geschmückt hatte, sondern stattdessen jedes Jahr ihre Eltern und Tante Lina auf der Leiter herumturnten.
Onkel Richard war etwas länger weg, und als er wiederkam, brachte er einen ganzen Teller von Johannas Lieblingszimtsternen mit. „Das Christkind ist fast fertig“, sagte er etwas atemlos, so als wäre er die Treppe hinaufgerannt. Er roch sogar ein wenig nach Winterwind. „Stell dir vor, was passiert ist! Ich weiß jetzt, warum das Christkind dieses Jahr eine Leiter braucht.“ Herzhaft biss er in einen Zimtstern.
Johanna pustete in ihren Kakao und wartete ungeduldig, bis Onkel Richard heruntergeschluckt hatte.
„Das Christkind hatte nämlich einen Unfall!“ sagte er…

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