Sprache wiedergefunden

Englisch war die Geheimsprache meiner Berliner Kindheit. Ich redete Englisch mit meinen Schwestern, die in Amerika aufgewachsen waren. Ich redete Englisch mit meinen Freunden bei den amerikanischen Pfadfindern, den Girl Scouts, und ich redete Englisch mit den amerikanischen Nachbarskindern. Später sprach ich Englisch mit den amerikanischen Kindern, bei denen ich Babysitter war. Ich las fast nur englische Bücher, weil ich die Sprache einfach schöner fand. Lebendiger, bunter, vielseitiger, melodischer. Doch nach dem Mauerfall verließen die meisten Amerikaner Berlin. Ich lese bis heute gerne Englisch, aber ich lebe deutsch und in Deutschland, und als es daran ging, meinen Traum zu verwirklichen, Bücher zu schreiben, war es realistischer, auf Deutsch zu schreiben und zu veröffentlichen.
Nun bieten die ebooks eine unproblematische Möglichkeit, auch englische Geschichten zu veröffentlichen. Und ich freue mich riesig, das es nun ein englisches ebook von mir gibt. Ich weiß nicht, ob es jemals jemand kauft, aber ich habe dadurch ein Stück von mir selbst wiedergefunden, und das fühlt sich sehr gut an.
Natürlich gibt es diese Geschichte für Kinder und Erwachsene auch auf Deutsch – als ebook und bald auch als Buch.

Kleine Freuden

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Ich habe mir einen kleinen Wunsch erfüllt, bescheiden wie die von mir geliebten Gänseblümchen. Ich habe zum ersten Mal seit etwa einem Vierteljahrhundert eine Geschichte auf Englisch geschrieben. Ich kann es zu meiner Überraschung noch – ich bin sogar zufrieden damit und werde sie bei einem Wettbewerb einreichen. Sie wird keine Chance haben, aber darum geht es gar nicht, ich freu mich trotzdem.
Englisch war in meiner Kinder- und Jugendzeit „meine“ Sprache für Persönliches, für gute Gespräche, Tagebuch, Geschichten, Träume, und gelesen habe ich auch fast nur Englisch. Als dann die Mauer fiel, verließen die Amerikaner, deren Kinder ich betreut hatte, die Stadt, und ich hatte kaum noch Gelegenheit mit jemandem Englisch zu sprechen. Zum Lesen kam ich kaum noch. Ich fing an, die Worte zu vergessen und es war, als ginge ein Teil von mir verloren. Jetzt hab ich ihn wieder und fühle mich befreit.

Dafür habe ich Pflichten liegenlassen, zum beispiel den Rasen nicht gemäht – er dankt es mir mit netten Blumen.

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Diese Saxifrage ist aus dem Beet entwischt – ich mag sie sehr, weil die einzelne Blüte so klein ist, kaum größer als die gelbe Mitte eines Gänseblümchens:

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