Ein Meer aus Licht

Angeregt von einem wunderschönen Foto eines Schmetterlings im Licht und von dem schrägen Sonnenlicht vor dem Fenster ließ ich vorhin meine Übersetzung für die Uni einfach mal liegen und machte mich mit einem bestellten Mauerbuch auf den Weg zum Briefkasten. Ich nahm den langen Weg am fast ausgetrockneten Packereigraben entlang, um das Licht zu suchen. Vielleicht ist es der letzte Sommertag; es sind zweiunddreißig windlose Grad und die Hitze liegt auf dem Herrenholzbecken wie ein Deckel. Ich fand dort so gut wie keine Schmetterlinge – aber ein Meer aus Licht.

Das Licht beeindruckte in den Details und ließ Dinge auch mal von hinten interessant werden
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verwandelte die Wege in ein Märchenland voller wispernder Schatten und leuchtender Versprechen
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glorifizierte noch einmal die Blätter wie zum Abschied
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machte aus der tödlichen Falle, die dieses Spinnennetz eigentlich ist, eine Krone aus feinem Silber
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Hier hatte ich umdrehen wollen, doch das Licht zog mich an als wäre ich die sprichwörtliche Motte auf dem Weg zur Laterne
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Das Fließ führt viel zuwenig Wasser, aber in den nächsten Tagen soll es endlich regnen. Dennoch war es kühl und romantisch am Ufer.
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und dann öffnet sich der Blick in die stille Weite des Herrenholzbeckens.
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Das Gras und Schilf schlägt hier sanfte, glänzende Wellen und die Rohrkolben überragen mich bei weitem (na gut, ist keine Kunst).
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Dieses Gras hat es mir besonders angetan im Gegenlicht
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Die Landschaft ist auf kleinem Raum recht vielfältig da unten. Hier sind verwilderte Stauden sehr hoch geworden vor einem Hintergrund märkischer Kiefern.
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und die von mir so geliebte Goldrute darf auch nicht fehlen. Sie ist übrigens die „State Flower“ meines Geburtsstaates Alabama.
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Einen Schmetterling gab es dann doch noch, im Blutweiderich, aber nur aus der Ferne, auf der anderen Grabenseite.
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Und am Ende des Weges grüßte mich die uralte Weide, mit der ich schon lange befreundet bin, und die im Licht einen Abschiedstanz mit dem aufkommenden abendlichen Sommerwind träumte.
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Glücksmomente

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Heute sind mir beim Gießen im Garten mal wieder viele kleine Wunder begegnet, die mich beglückt haben und vor denen ich mit Ehrfurcht stand.

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Manche haben mir auch ein Lächeln geschenkt. Zum Beispiel ist mir versehentlich dieses extrem indiskrete Foto gelungen:

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Von vorn wurde er zum Alien.

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Diese kleinen Fühler des verblühten Fingerhuts haben es mir auch angetan.

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Und dieser „Sonnenuntergang“

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Diese Malve, die ungeniert der Welt ihre Schönheit unter die Nase hält

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und diese kleine Laus, die hier den Regen von der Mohnblume trinkt:

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Die Kugeldistelknospe gefiel mir auch:

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Und im Haus fand ich dann noch diese kleine Vision einer Fee – oder ist es ein Engel? – in der Orchidee. Natürlich ist sie nicht scharf – Feen bekommt man nicht ohne weiteres scharf.

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Schneeweiche Welt

Heute habe ich getan, was vermutlich sämtliche Berliner gemacht haben, und nicht nur die: Fotografiert. Wahrscheinlich haben alle dieselben Fotos gemacht, aber ich konnte dennoch nicht widerstehen…
Allerdings hat es mal wieder verdammt wehgetan, dass ich diesen Spaziergang nicht mit Peter erleben durfte. Einmal Hand in Hand mit ihm durch so ein Wintermärchen stapfen, wie schön wäre das…aber der Rollstuhl verträgt die Temperaturen nicht und wäre auch sofort stecken geblieben. So muss Peter sich mit den Bildern begnügen.

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Diese weiße, weiche, blitzsaubere Welt tut mir gerade besonders gut, weil ich einen Text zur Berliner Mauer schreibe, und das war ja eine schmutzige Geschichte. Der Todesstreifen im Winter sah damals übrigens so aus (Foto Elisabeth Koelle):

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Mehr Mauerfotos gibt es hier.

Aber zurück zum Traumwinter – was diese Zwerge wohl heute nacht so getrieben haben?

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Überraschung unterwegs

Heute ging mir der Wintermatsch doch mal auf die Nerven, außerdem will gerade anscheinend niemand „Die Füße der Sterne“ kaufen, und dann flatterte noch diese katastrophale Heizkostennachzahlung ins Haus. Beim Einkaufen – was ich hasse, aber von irgendwas will mein Lieblingsmann ja leben – war es gespenstisch leer, so als hätten alle anderen auch ihre Gasrechnung bekommen. Zu allem Überfluß mußte ich danach nochmal raus, einen Blumenstrauß für eine Beerdigung morgen holen. Und da passierte es: Der olle Winter hatte wieder eine Überraschung für mich! lauter kleine Geschenke, so wie neulich schon an dem Eisnebeltag. Heute war kein Nebel, aber irgendwoher glänzende Eisklümpchen. An den dünnen Birkenzweigen sahen sie zum Teil aus, als hätte jemand sie direkt am Himmel aufgehängt. Und im Hintergrund ein Sonnenuntergang über dem Fließ, so dass alles schimmerte wie ein Echo des letzten Tageslichts…

dekoeisk

eisknospebk

eisschwalbek

eisgrunk

eistropfenak

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