Aprilminiaturen (Frühlingsgedichte)

April 1

Wir drehen Sonnenrunden
seit Aberjahrmillionen
Ich merk inzwischen bloß:
es sind die kurzen Stunden
nur zwischen Anemonen
genau so wundergroß.

*****

April 2

Wache Erde
legt mir Sterne
auf den alten
Weg. Ich werde
wirklich gerne
aufgehalten.

*****

April 3

Man merkt es nicht im Stehn:
der Himmel ist zur Zeit
vom Boden aus gesehn
nur einen Stängel weit.

*****

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Erschwinglich (Frühlingsgedicht)

Erschwinglich
© Patricia Koelle

Auf jungen grünen Flügeln
erhebt sich Frühling hell
erstürmt auf allen Hügeln
den Himmel wolkenschnell

sieh Neugier, Mut, Gelingen
neu schimmern aus den Tagen
die uns nun wieder tragen
auf jungen grünen Schwingen

Am Graben (Frühlingsgedicht)

Am Graben

Wo unter Eis das Wasser schlief
zeigt junges Schilf auf neue Zeit.
Die wilden Gänse gründeln tief
und lange schon zu zweit.
Wie flüchtig schwingen Weiden weit
von warmer Zukunft leicht geweckt
im hoffend ostergrünen Kleid
vom Flüsterwind entdeckt.
Gleich wissend unsichtbarem Schimmer
als war dein Sterben Frostes Scherz
so küsst du heimlich mich noch immer
in jedem frischen März.

© Patricia Koelle

Berliner März (Frühlingsgedicht)

Berliner März

© Patricia Koelle

Wannsee, Havel, Fenn und Krumme Lanke
der Tegler See wie manches Luch und Becken:
die Wasser sprechen hell ein stummes Danke
weil erstmals sie den Rücken wieder strecken

seit jenem strengen ungekannten Frost
gelingt nunmehr das erste Schulterzucken
vor fremder Winde eisig harter Kost
muss bald Berlin sich fluchend nicht mehr ducken

Und käme Wetter noch mal aus dem Norden
so wollte schon das Volk ganz eigenhändig
als Mob den Winter laut und lüstern morden
so sprach man auf den bröselnd Straßen ständig

Recht brüchig war man innerlich schon lange
Gemüter bald papierdünn festgetreten
man sah es an dem schleichend grauen Gange
bis Wärmegrade uns erstaunt bewegten

auf einmal spiegelt Himmel sich erneut
ermutigt holen wir uns nasse Füße
wo kürzlich man noch ollen Splitt gestreut
aus schwarzem Schlamm steigt junge Modersüße

Nun fluten wieder Gänse frech aus Süden
die kahlen Ufer auf der Jagd nach Beute
und eh von neuem Schnattern sie ermüden
nährt eifrig sie die Frühlingskindermeute

Lesestoff (Frühlingsgedicht)

Lesestoff
(c) Patricia Koelle

Der Winter schreibt weiße Gedichte
verlangsamt die inneren Uhren
macht vertraute Formen zunichte
mein Schritt zeichnet zweifelnde Spuren

Dein Abschied schrieb weiße Gedichte
sie flüstern in Nebel und Meer
ich warte, dass Trauer sich lichte
vom tieferen Lesen her.

Die Erde hüllt sich in Gleißen
während Sonne brennt, jenes zu lesen
was Schatten erzählen auf Weißem
doch schneller ist Frühling gewesen

Die Wiesen schreiben weiße Gedichte
von Pusteblumen und wilder Möhre
Sonne ist Zeuge einer hellen Geschichte
in der ich die Stille höre.

Tauwetter (Vorfrühlingsgedicht)

Tauwetter
(c) Patricia Koelle

Noch kühlt der Schnee
das schnelle Leben,
es ruht die Spree
im Großstadtstreben.

Weiß stäubt Kinderübermut.
Die Schwäne frösteln still.
Alte suchen Glühweinglut,
doch junges Grünen will:

denn etwas sprießt
nebst eisig Litze –
wie Frühling liest
sich Grases Spitze.

Winterling ist schon befugt
damit es heller werde,
Schneeglöckchen freundlich lugt
aus aufgebrochner Erde.

Gegen Murren
hebt sich Ahnen
von Fliegensurren,
Wolkenfahnen.

Pusteblumengedichte

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Pusteblumengeschichte
(c) Patricia Koelle

Es wuchsen leichte Träume
aus sonnengelber Blüte.
Es waren mutig viele
von bester, zarter Güte.

Es steckten Samenfahnen
in einem weißen Kissen.
Sie harrten dort der Reife
in eignem heitren Wissen.

Es flogen helle Tage
dann war die Zeit gekommen.
Ein Lüftchen rief und lockte
das hat sie aufgenommen.

Es führt auf neue Wege
und trägt die Träume leise
und treibt sie in die Weite
auf neugierige Reise.

Es findet jeder seinen Ort.
Der Sommer wird bezeugen
wie kleine Träume sich erfüllen
und nicht dem Schicksal beugen.

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Evolution
(c) Patricia Koelle

Pusteblumen trieben durch Weiten
durch Länder und durch Zeiten
schon ehe die Menschen standen
und zu den Worten fanden.
Der Löwenzahn er blüht und blüht.
Der Mensch derweil ist stets bemüht
sein Dasein eifrig zu verwalten,
die Existenz ganz fest zu halten.
Doch wenn dieses nicht mehr geht
und unsere Spuren längst verweht
lassen lang noch unbeirrt,
von keiner Änderung verwirrt,
helle Samen sich vom Winde leiten
durch die Länder und die Zeiten.
Es wird sein leichter Zauber leben
und der Erde Farbe geben:
denn es übertrifft der Löwenzahn
mit Schlichtheit unseren Größenwahn.

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Noch ein schönes Pusteblumenbild gibt es hier.

Frühlingshimmelgedichte

April
(c) Patricia Koelle

Heut leichter Frühlingshimmel kündet
davon, dass Grau in Blau meist mündet,
sich stets erneut die Blumen winden
jetzt unverhofft wir Buntes finden.
Auf Eiseskälte folgt stets Mildes
und Schatten sind nur Teil des Bildes.
Ohne Dunkles wär das Helle nicht,
selbst die Wolken sind voll Licht.
Dass unter duftend Firmament
man Lebenswert schnell neu erkennt,
junge Zuversicht die Schritte lenkt
man uns erfrischte Wege schenkt
weil die Gegebenheit der Welt
nun wieder in ein Aufwärts fällt.

Spaziergang
(c) Patricia Koelle

Ich saß gebeugt im Schatten
vergaß, ins Licht zu sehn
da berührte mich ein Aufwind
mahnte sanft, nun aufzustehn.

So folgt ich beschämt, und siehe
der dunkle Berg, vor dem ich stand
war doch nicht so bedrückend steil
wie ich vor Augenblicken fand.

Es war eine Einladung eher
eine sachte Treppe, die lohnte
weil oben als Antwort auf alles
glücksheimatblaue Weite wohnte.

Es erzählten dort Frühlingswolken
leise mir Weises über das Sein
und versprachen hell aus der Höhe:
hier und heut ist die Leichtigkeit dein.

Das wunderschöne Bild zu diesen Gedichten findet sich hier.

Der eine, weite Ton

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Der Ton
(c) Patricia Koelle

In der Erde kündet schon
ein Atmen, ein regloses Beben,
von der Ungeduld, Großes zu geben:
Ich hör den einen, weiten Ton.

Triumphierend ballt sich Wille,
wartet sämtlicher Farben Chor.
Drängende Spitzen wagen sich vor
in die kühle, verhaltene Stille.

Wenn frostige Strenge verrinnt,
der Wind sanfte Nachsicht nur kennt,
ist der beglückendste Moment
gerade dieser, bevor alles beginnt:

wenn Leben auf Wachsen brennt,
stolz in kleine Höhen sich reckt,
ein Sturm zart nur noch neckt
und der Bach Deinen Namen nennt

hab ich meine Aufgabe gefunden:
während Lieder den Morgen besitzen
und die Zaunkönige eilig nisten
sammel ich mit Dir helle Sekunden.

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Osterlimericks 2

Osterlimericks
(c) Patricia Koelle

Ein braves Hühnervolk aus Dudweiler
erschrank einst furchtbar vor einem Keiler
man glaubt es kaum
seither legen sie braun
für die Eier fand sich niemals ein Heiler

Ein hungriger Mann aus Saarbrücken
wollt nach Ostereiern sich bücken
sie waren schön bunt
so appetitlich rund
da schlüpften sehr hastig draus Küken

Ein erschöpfter Hahn aus Lüttensiel
bat kürzlich am Nordpol um Asyl
ich bin so gestresst
Ostern gibt mir den Rest
die Karrierehennen wollen einfach zu viel

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Ein junger Hase aus Berlin
sprang im Frühling her und hin
traf ein Huhn
da gab’s zu tun
das war von Ostern der Beginn

Der Meister Lampe aus Kirchbrase
sprach: ich bin zwar Osterhase
doch die Malerei
ist mir einerlei
ich hab jetzt meine braunweiße Phase

Übrigens: Wer auf die Schnelle noch ein schönes, lang anhaltendes, kalorienfreies Geschenk zu Ostern sucht, was sich leicht verstecken läßt, findet es mit einem Klickk hier und hat es morgen, spätestens übermorgen im Briefkasten:

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Ein Osterlamm aus Fritzenbach
floh auf den Damm mit Ach und Krach
wollte nicht raten
ob sie es braten
doch dafür es heftig der Hafer stach

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