Freilandadvent

Wir frühstücken wie im letzten Jahr immer draußen, mit Decke, versteht sich. Da wird man richtig schön munter. Und weil es so schön ist, zünden wir dabei die Kerzen auf dem Adventskranz an, die sich im Schutz der Hauswand tapfer gegen den Nordwind behaupten. Dazu klingen oft noch die Kirchenglocken herüber. Eine gute Art, den Tag zu beginnen und ihn als nicht selbstverständliches Geschenk zu feiern.

Der Schneemann freut sich dabei mit.

Peters Fußball-Fan-Zwerge auch. So verkleidet finde ich sie direkt erträglich, auch wenn es sich um Gartenzwerge handelt.

Viel eleganter aber ist das Liebespaar unter der Birke, das jetzt wärmenden (und ganz unschädlichen) Pelz trägt. Fast könnte man neidisch werden, so kuschlig und ungestört stehen sie da, umfangen von ihrer stillen weißen Welt.

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Frühstücksperspektiven

Dieser Tage packen wir morgens vor der Arbeit, wenn Peter keinen Krankengymnastiktermin hat, oft das Frühstück in den Rollstuhl und nehmen es mit zum See, zum Moor, zum Fließ oder zur Wiese. Gestern allerdings hatten wir es nach dem letzten Bissen Ei dann doch recht eilig, weil dieses Gewitter über der Heuwiese der Jugendfarm Lübars stand.
Dieser recht kühle Sommer hat den Vorteil, dass ich wenig gießen muss, also etwas mehr Schreibtischzeit habe. So ist es mir bisher trotz allerhand anderer zeiträuberischen Widrigkeiten gelungen, meinen Plan einzuhalten und jede Woche ein Romankapitel zu schreiben. Das wird nicht immer so bleiben, aber immerhin.
Wer hinein schnuppern mag, findet die ersten vier Kapitel HIER.
Und übrigens, so ein Frühstückspicknick ist ein guter Weg, einen Tag mal mit einer frischen Perspektive zu beginnen. Da lohnt es sich auch, mal früher aufzustehen, an diesen langen hellen Tagen. Und auch wenn es kühl ist – das geht auch mit Jacke!

Schnee-eier

Gestern waren Peter und ich möglicherweise die einzigen Berliner, die mitten im Schneesturm auf der Terrasse gefrühstückt haben. Auf dem überdachten Teil, wohlgemerkt, und mit einer Stadiondecke. Die Luft war herrlich, der Anblick auch. Bei jeder Sturmbö wirbelte der Wind Wolken feinen Schnees von der alten Zeder unter die Dachkante und genau neben das Salz auf unserem Frühstücksei, von dem er sich optisch nicht unterschied. Uns hat noch nie ein Ei so gut geschmeckt. Es hatte was von echtem Hüttenzauber, zumal wir gerade noch ein paar Tage Urlaub genießen.
Am Freitag bekommt Peter wieder Akten, und ich habe mir ein ehrgeiziges Projekt vorgenommen, an dem ich extrem intensiv werde arbeiten müssen, um es rechtzeitig fertigzustellen – aber ich freue mich darauf, zumal es mir schon lange auf der Seele liegt. Ein klares Ziel und Unterstützung gibt es nun auch. Ich bin zuversichtlich. Jetzt oder nie!
Wie ich allerdings nachher den Weg zur Haustür freigeschippt bekomme, weiß ich noch nicht. Das wird auch ein Stück Arbeit. Die Schneeschippe ist ja größer als ich. – Alle die, die zuwenig von den dekorativen Himmelskonfetti abbekommen haben, mögen sich damit trösten, dass bei ihnen wahrscheinlich der Frühling etwa einen Monat früher kommen wird.

Bananenromantik

Ach ja, die Zeitumstellung! Ich finde die Sommerzeit eine prima Sache; ich mag die langen hellen Abende. Da ich sieben Tage die Woche früh aufstehen muß, habe ich mich aber gestern auch über die geschenkte Stunde gefreut. Meine innere Uhr dachte hingegen anders und warf mich zur gewohnten Zeit aus dem Bett. Ich hatte nicht wirklich etwas dagegen, denn ich liebe diese Stunde vor dem Tag, allein mit mir und meiner Riesentasse Tee und der Dämmerung, die vor dem Fenster aus dem Dunkel schleicht. Ich fische Ruhe und Ideen für Geschichten, Spuren von Gedichten oder Limericks aus dieser Dämmerung. Der allererste Lichtschein läßt die Zitronen und Mandarinen vor dem Fenster aufleuchten. Bald muß ich sie in den Schuppen mit dem durchsichtigen Dach bringen, in dem sie überwintern. Aber noch sind sie ein Echo von Tropenträumen.

Da wir in der Stadt wohnen, gibt es keinen wirklichen Horizont, über den der Tag heraufsteigen könnte. Aber im freundlichen Schutz der Dämmerung leihe ich mir einen aus, das Garagendach von Gegenüber zum Beispiel, und stelle mir vor, er sähe so aus:

Oder so:

und dann würde ich, wenn der Tee alle ist, das hier machen:

Aber da ich in Berlin bin, rufen die ersten Pflichten und ich lasse den Morgen erst mal allein. Aber ein wenig später mache ich uns ein Tablett, und dann gehen wir draußen frühstücken, Peter und ich, auch jetzt noch, bei sechs Grad, auch wenn uns die Nachbarn für „beklopft“ halten, wie meine Oma zu sagen pflegte. Peter bekommt eine Decke, damit er und auch der Motor vom Rollstuhl nicht frieren, und ich einen kuscheligen Pullover, und dann essen wir Toast und Ei unter dem Bananenbaum.

Das ist eine Freilandbanane. Beim ersten Frost ist sie Matsch. Dann schneidet man sie auf einen halben Meter herunter und deckt den unansehnlichen Stumpf mit einem Haufen Laub und einem Sack zu. Wenn ich sie im Frühling davon befreie, ist eigentlich nur braunes, glitschiges Zeugs übrig. Doch im Mai, wenn ich nicht mehr daran glaube, dann schießen die Blätter Richtung Himmel, jedes größer als das andere. Von Juni bis August braucht sie für jedes Riesenblatt ungefähr eine Woche. Für mich ist sie wie ein Beweis, dass immer dann etwas Tolles entsteht, wenn man nicht mehr daran glaubt. Und dafür, dass man seine Tropenträume zur Not auch in einen Berliner Oktober versetzen kann.
Aus diesen Blättern könnte man auch ein prima Halloween Kostüm machen. Die sind groß genug um ein Kind damit zu bekleiden, auf jeden Fall groß genug um einen Blattrock zu gestalten, und sie halten auch ohne Wasser lange.
Wenn wir an diesem Platz frühstücken können, fängt der Tag gut an. Und wir tun es auch wie heute bei Regen, denn da gibt es neben der Banane noch ein Dach, unter dem wir sitzen können. Die Tropfen machen Musik auf den Bananenblättern und wir sind glücklich, denn wir haben uns, und den Garten.

Heute hat der Tag nicht nur gut angefangen sondern hört auch gut auf. Ich habe die erste unabhängige Meinung zu meinem Buch „Die Füße der Sterne“ bekommen. Eine Leserin von BookCrossing schrieb: „Kurzgeschichten, wie ich sie mir schöner nicht wünschen kann.“
Nachzulesen hier. Ich bin gerührt. Sie vergab 10 von 10 möglichen Sternen. Das macht mir Mut, auch wenn es schwer ist und bleiben wird, Bücher zu verkaufen. Die Geschichten haben jemandem Freude gemacht. So soll es sein.

Wenn die Banane übrigens schließlich Winterschlaf macht und der erste Schnee kommt, werde ich meinen Wunschzettel für Weihnachten schon mal rauslegen. Damit alles so bleibt und wir nächstes Jahr wieder unter dem Bananenbaum frühstücken können. Zusammen.

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