Nicht zu fassen

Wenn ich noch einmal diesen Spruch von jemandem höre, schreie ich wahrscheinlich:

„Wie schade, dass jetzt alles auf einmal blüht!

Fast jeder, dem ich begegne, gibt diesen Unsinn von sich!  Himmeldonnerwetter  noch mal! Jetzt ist es endlich warm und schön, überall ein Rausch von Bunt und Hellgrün, und nun haben sie wieder was zu meckern gefunden.  Herr, schmeiß Hirn!  Ja, ich weiß auch kaum, worüber ich mich zuerst freuen soll, aber für mich ist das ein Glückszustand und keine Katastrophe. Ich freue mich über jedes Blatt und jede Blüte und ja, über alle gleichzeitig! Und wenn sie verblüht sind, wovor alle soviel Angst zu haben scheinen dass sie gar nicht erst hinsehen, ja dann – stellt euch vor, dann blüht etwas anderes! Es blüht immer etwas bis zum ersten Schnee und darüber hinaus. Und wenn wo nix blüht, kann man etwas pflanzen! Bei mir blüht auch im Dezember und Januar etwas.

Ich frage mich, ob diese Leute alles essen, was auf ihrem Teller liegt, oder ob sie sich beschweren, dass da Kartoffeln UND Gemüse sind?

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Ich bin so reich…/I’m so rich…

…. denn ich habe einen ganzen Garten voller Gold! Und ich bin mir sicher, dass ein Banksafe voller Goldbarren mich nicht so glücklich machen würde. – Als Kind war ich  einen einsamen, traurigen Frühling lang eng mit einer Osterglocke befreundet. Sie hielt lange, denn es war ein kalter Frühling, und wir unterhielten uns jeden Tag. Sie war auch einsam, denn es gab nur eine. Meine Eltern mochten einen aufgeräumten Garten. Damals wünschte ich mir für später einen Garten voller Osterglocken. Im letzten Herbst kaufte mein Mann einen fünf-Kilo-Sack Osterglockenzwiebeln und jetzt ist unser Garten pures Glück. Ich könnte den ganzen Tag darin herumlaufen und sie leuchten sehen und mich mit jeder einzelnen unterhalten!

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… becuase I have a garden full of gold.

Frohe Ostern/Happy Easter

Ungewöhnliche Osterbilder, aber auch schön. Frohe und gesegnete Ostern, liebe Leser! Ob wir die Eier wohl finden werden?

It won’t be difficult to hide the eggs in Berlin, Germany this year. Happy Easter, dear Readers!

Gartenworte Februar/Garden Words February

Ein Garten ist voll stiller Worte. Im Augenblick erzählen die Pflanzen von Tod und Wiedergeburt, von Durchsetzungsvermögen und Ausdauer, von Evolution und Fortpflanzung, von Hoffnung und Versprechen, von Scheitern und Erfolg, Plan und Richtungen, Gehimnissen unter der Erde und Träumen unter einem kühlen, grauen Himmel.

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A garden is full oif silent words. Just now the plants are telling stories of death and birth and renewal, of strength and patience, of failure and success, plans and directions, secrets under the earth and dreams under a cold grey sky.

Winter-Garten

Noch nie haben im Dezember die Rosen so schön, ausdauernd und duftend geblüht. Dass mal eine Knospe vom Herbst übrigbleibt und verspätet aufblüht, das gab es wohl, aber dass sie ständig neue Knospen schieben – das nicht. Und dann dieser Duft. Er hat etwas ganz Besonderes, vielleicht nur im Kontrast zu der klaren Winterluft, die so wintrig eben nicht ist in diesem Jahr. Und die Rose ist nicht allein. Es gibt schon – fast – Schneeglöckchen, aber es blühen auch noch Ringelblumen – auch mit neuen Knospen. Die Kugeldistel hat ebenfalls eine neue Knospe, die Geranien auch. Alle diese Aufnahmen stammen vom 24. Dezember. Ich mag zwar weiße Weihnachten – aber die hatten wir im letzten Jahr. Dieses Jahr genieße ich das Weihnachten der Dezemberrosen.

Herbstgarten

Das Wetter schwenkt um. Das ist einerseits schade, denn das war der schönste September aller Zeiten. Andererseits steigen mit dem schlechten Wetter meist die ebook-Verkäufe, was wiederum erfreulich wäre. Und auch das Interesse an Weihnachtsgeschichten könnte bald steigen.
Einstweilen ein paar Herbstimpressionen aus dem Garten.

Der Mais blickt in den Herbsthimmel:

Die Dichterlaube und die Besucherbank schmücken sich mit Rot:

Die Dahlie zündet schon mal ein wärmendes Feuer an:

während der Kormoran die letzten Sonnenstrahlen nutzt.

Wachsen, Werden, Wenden…

Auf unseren Gartenspiegel waren zwischen die Regentropfen der Nacht drei späte Blüten des Winterjasmins gefallen. Mir gefiel die Art, wie sie sich scheinbar an den Himmel geheftet hatten, und wie sich Wirklichkeit kaum von Spiegelbild unterscheiden läßt.

Aus dem Holz der alten Zeder, die wir im Herbst gefällt haben, entsteht gerade eine neue Sitzecke. Noch ist alles provisorisch, aber ich ahne, dass dies einer meiner Lieblingsplätze sein wird.

Der Frühlingssturm wehte mir heute vom Moor her so viel Sand in die Augen, dass ich meinen Spaziergang abbrechen musste. Im Vorgarten fand ich Veilchen, die mich in ihrer bescheidenen Liebenswürdigkeit prompt an meinen Vater erinnerten. Sein Tod hat uns auf geheimnisvolle Weise sehr viel Kraft gekostet, aber um so kostbarer und heilender ist nun der Frühling. Peter hat heute an der Buchenhecke die allerersten grünen Blätter entdeckt, jedes Jahr ein Feiertag für uns.

Die letzten braunen Vorjahresblätter werden gleichzeitig heruntergeweht und breiten sich um die Frühjahrsblüten. Was für ein Gegensatz. Kurz vor dem Tod meines Vaters wurde der kleine Felix geboren, ein Großneffe Peters. Daran erinnern mich die neuen Blüten zwischen dem alten Braun. Schmerzlich und schön zugleich, so ist unser erstaunliches Leben, und beides muss in die Geschichten, in einem guten Gleichgewicht, sonst klingen sie nicht, treffen das Echte nicht. Diese scheinbar banale Tatsache muss ich mir beim Schreiben immer wieder mahnend in Erinnerung rufen.

Die schüchterne Fritillaria (Schachbrettblume) muß ich sanft anheben, um ihr ins bezaubernde Gesicht sehen zu können.

Die andere Gesellschaft im Garten ist da schon etwas vorwitziger und blinzelt mich direkt an.

So ein ungeniert lebensfroher, duftender Frühlingsgarten ist auch im entschlossen stinkenden Berlin immer wieder ein Triumph, ein Segen, eine Offenbarung, ein stiller Tanz unter einem neuen Himmel.

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