Sommergedicht 4 – Blütenflut

kleinrose

Blütenflut
(c) Patricia Koelle

Es knospen Rosen in die Helle
füllen Junilandschaft ganz
mit Lebenslust an jeder Stelle
ranken wie in leisem Tanz

erklettern Himmel, hoffen Licht
tragen Dornen nebenbei
dass niemand ihre Stärke bricht
ihrem Sinnen überlegen sei

Sie tosen dichten Farbenchor
in Wellen rollt ein Rausch aus Duft
sie drängen sich recht gerne vor
fordern Hoheit in der Sommerluft

egal ob zartere Gefährten
Kornblumenblau und roter Mohn
auch von der Erde was begehrten
für Tage ist der Sieg ihr Lohn

Doch bald schon streut uns eine Brise
die Blütenblätter wild zu Füßen
während Andere auf der Wiese
noch wochenlang das Sein versüßen

Ich mach es wie die Ackerwinde
und warte still mit meinem Traum
bis ich dafür Ruhe finde
und die Welt für Kleines Raum

Sommergedicht 2 – Junitage

Kopie von FDSC03397

Junitage
© Patricia Koelle

Sonnwendewärts die Zeit verrinnt.
Wiesen wogen grüne Wellen,
zarte Glockenblumen stellen
hellblaue Fahnen in den Wind.

Die Nächte von den Tagen lernten
Sonnenwärme fest zu halten,
lange Träume zu verwalten.
Auf den Feldern ahnt man Ernten.

Im Gebüsch die Nachtigallen
letzte Liebeslieder streuen,
frühe Erdbeern uns erfreuen,
späte Fliederblüten fallen.

Tief kost ich jede Stunde hier
da ich weiß, die Gegenwart
ist einzig jetzt in ihrer Art.
Ich wünsch mir jeden Weg mit Dir.

Schau mit mir, ehe das Glück uns flieht
noch jeden Stern, den man uns schenkt
bevor der Herbst uns einmal lenkt,
in kühle Weiten Sehnsucht zieht.

sternsammler
Scherenschnitt: (c) Hilde Bergmann

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fuessecover

Frühlingshimmelgedichte

April
(c) Patricia Koelle

Heut leichter Frühlingshimmel kündet
davon, dass Grau in Blau meist mündet,
sich stets erneut die Blumen winden
jetzt unverhofft wir Buntes finden.
Auf Eiseskälte folgt stets Mildes
und Schatten sind nur Teil des Bildes.
Ohne Dunkles wär das Helle nicht,
selbst die Wolken sind voll Licht.
Dass unter duftend Firmament
man Lebenswert schnell neu erkennt,
junge Zuversicht die Schritte lenkt
man uns erfrischte Wege schenkt
weil die Gegebenheit der Welt
nun wieder in ein Aufwärts fällt.

Spaziergang
(c) Patricia Koelle

Ich saß gebeugt im Schatten
vergaß, ins Licht zu sehn
da berührte mich ein Aufwind
mahnte sanft, nun aufzustehn.

So folgt ich beschämt, und siehe
der dunkle Berg, vor dem ich stand
war doch nicht so bedrückend steil
wie ich vor Augenblicken fand.

Es war eine Einladung eher
eine sachte Treppe, die lohnte
weil oben als Antwort auf alles
glücksheimatblaue Weite wohnte.

Es erzählten dort Frühlingswolken
leise mir Weises über das Sein
und versprachen hell aus der Höhe:
hier und heut ist die Leichtigkeit dein.

Das wunderschöne Bild zu diesen Gedichten findet sich hier.

Der eine, weite Ton

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Der Ton
(c) Patricia Koelle

In der Erde kündet schon
ein Atmen, ein regloses Beben,
von der Ungeduld, Großes zu geben:
Ich hör den einen, weiten Ton.

Triumphierend ballt sich Wille,
wartet sämtlicher Farben Chor.
Drängende Spitzen wagen sich vor
in die kühle, verhaltene Stille.

Wenn frostige Strenge verrinnt,
der Wind sanfte Nachsicht nur kennt,
ist der beglückendste Moment
gerade dieser, bevor alles beginnt:

wenn Leben auf Wachsen brennt,
stolz in kleine Höhen sich reckt,
ein Sturm zart nur noch neckt
und der Bach Deinen Namen nennt

hab ich meine Aufgabe gefunden:
während Lieder den Morgen besitzen
und die Zaunkönige eilig nisten
sammel ich mit Dir helle Sekunden.

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Weihnachtliche Limericks (I)

Wer den Weihnachtsmann bei der Bescherung nicht enttäuschen will, sich aber keine Gedichte merken kann, könnte es ja mal mit einem Limerick versuchen:

Limerick 1
(c) Patricia Koelle

Ein sehr junger Engel aus Seesen
verflog sich auf Himmelsspesen
fand keine Tür
kann nix dafür
er konnte das Navi nicht lesen

Limerick 2
(c)Patricia Koelle

Aus Weihnachstmanns Schlitten über Nordmooren
ging im Sturm ein dickes Päckchen verloren
so war es das Beste
es freut über die Weste
sich ein Schaf, das nach der Schur arg gefroren

Limerick 3
(c)Patricia Koelle

Ein Englein sucht im Wiesengrund
niesend nach gutem Kräuterfund
weil’s im Kalten flog
und im Himmel zog
schien’s Engel-sein grad nicht gesund

Limerick 4
(c)Patricia Koelle

Ein Rentier übte in Himmelsthür
voll Fleiß an einer Weihnachtskür
kam zum Gebet
drum stets zu spät
und musste Buße tun dafür

Limerick 5
(c) Patricia Koelle

Der Weihnachtsmann kürzlich in Vaihingen
ganz inkognito war mal shopping(en)
er wollte sehen
was für Ideen
ihm am Nordpol womöglich entgingen
________________
Hier geht es zu den Weihnachtslimericks II

Übrigens: Man kann auch auf einer Betriebs- oder anderen Weihnachtsfeier ein Limerick-Wettdichten veranstalten.

Halloween-Limericks

Das Leben ist ernst genug. Da darf ein Gedicht auch mal kurz und lustig sein, mit anderen Worten, Limericks. Die kann man auch nach zuviel Bonbons noch flüssig vortragen:

Halloween-Limerick 1
(c) Patricia Koelle

Ein dicker Kürbis in Berlin
sah im Leben tiefen Sinn
doch war er wohl
am Ende hohl
allerspätestens an Halloween

Halloween-Limerick 2
(c) Patricia Koelle

Ein Gruselgespenst von der Waterkant
verfolgte die Kinder im Walle-Gewand
doch war es der Gipfel
da zog eins am Zipfel
in Jeans stand der Geist nun im Sand

Limerick 3(c) Patricia Koelle

Eine noch kleine Hexe aus Dortmund
fand an der Tür zum Schimpfen Grund:
„Du meine Güte
kommt nicht in die Tüte
Mohrrüben sind doch viel zu gesund!“

Limerick 4(c) Patricia Koelle

An Halloween einmal in Köln am Rhein
suchte Naschwerk an Türen ein Teufelein
doch statt Praline
fand er Teufeline
die war noch süßer – nun sind sie zu zwein!

Ostseegrüße

Heute zogen die Kraniche übers Haus, in ordentlicher Formation pfeilgerade Richtung Süden. Wir hören so gern ihre Rufe, sie sind für uns jedesmal ein Gruß von der See, unserer zweiten Heimat. Sie kommen aller Wahrscheinlichkeit nach von den Boddenwiesen, um Zingst herum, wo sie sich im Herbst sammeln zum großen Flug. Auch wir sind dort fast jedes Jahr. An der See finde ich die meisten Geschichten und die besten, an der See ist meine Seele zuhause und mein Denken, auch wenn ich mein Leben in Berlin verbringe.
Wenn die Kraniche nach Süden fliegen wecken sie keine Sehnsucht in mir, doch wenn sie zurückkehren, bekomme ich Heimweh und würde sie gerne begleiten.
Ich habe einmal ein Gedicht geschrieben, dort auf dem Fischland. Den Anfang habe ich jetzt als Titel für mein Blog entwendet:

Fischland-Darß

Alles voller Himmel
der Wind trägt Deine Töne
die Wellen fließen uns
kühl in die Morgen

Kiefern klammern Ausrufezeichen
schräg auf fallende Dünen
hissen weiße Möwenflaggen
bleiben zum Trotz aufrecht
Dünengras zeichnet helle Wege

Wurzeln treiben wie Flaschenpost
vom Leben gefüllt
Tang schlingt Schriftzeichen
auf den Rand der Welt

Ich steige barfuß
auf nasse Wortinseln
vielleicht sind sie bewohnbar
sobald ich sie lesen kann

Der still gewordene Horizont
schmeckt nach Algen
riecht nach Salz und oben
mit den Wolkenquallen ziehen
Flammfarben über die Schaumkronen

Verlorene Schemtterlinge am Flutsaum
Sanddornbeeren zwischen Muscheln
Kranichfedern schreiben Ahnung
neuer Tage und Versprechen

alles voller Himmel

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