Samenbank

Auf dieser Bank hatte eine Pusteblume Platz genommen. Ich setzte mich neben sie und wir unterhielten uns über Wachsen, ungewöhnliche Wege und besondere Plätze, über Leichtigkeit, Träume und Reisen auf dem Wind. Bei dreißig windstillen Grad lagen uns dichter Flieder- und Maiglöckchenduft zu Füßen. Hinter der blühenden Kastanie über uns schlich sich ein Gewitter an. Mein Gesprächspartner war bereit. Mit der ersten Böe wirbelten die reifen Samen auf, stiegen als helle Funken in den erwartungsvollen Himmel. Ich sah ihnen nach auf ihrem hoffnungsvollen Weg Richtung der Feuchtwiesen am Fließ, wo die Nachtigallen auch am Tag singen und wo ein Paradies für Löwenzahn ist.
Ich bleibe; ich habe mein Paradies gefunden.
Von hier schicke meine Geschichten hinaus, vielleicht wurzelt die eine oder andere in den Gedanken eines Lesers, die wahre Freude aber liegt darin, sie fliegen zu lassen.

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Frühstücksperspektiven

Dieser Tage packen wir morgens vor der Arbeit, wenn Peter keinen Krankengymnastiktermin hat, oft das Frühstück in den Rollstuhl und nehmen es mit zum See, zum Moor, zum Fließ oder zur Wiese. Gestern allerdings hatten wir es nach dem letzten Bissen Ei dann doch recht eilig, weil dieses Gewitter über der Heuwiese der Jugendfarm Lübars stand.
Dieser recht kühle Sommer hat den Vorteil, dass ich wenig gießen muss, also etwas mehr Schreibtischzeit habe. So ist es mir bisher trotz allerhand anderer zeiträuberischen Widrigkeiten gelungen, meinen Plan einzuhalten und jede Woche ein Romankapitel zu schreiben. Das wird nicht immer so bleiben, aber immerhin.
Wer hinein schnuppern mag, findet die ersten vier Kapitel HIER.
Und übrigens, so ein Frühstückspicknick ist ein guter Weg, einen Tag mal mit einer frischen Perspektive zu beginnen. Da lohnt es sich auch, mal früher aufzustehen, an diesen langen hellen Tagen. Und auch wenn es kühl ist – das geht auch mit Jacke!

Sommergedicht 5 – Gewitter

gewitter

Gewitter
(c) Patricia Koelle

Wenn Blitzes Schwert und Donnergrollen
den bleiern Abend überrollen,
wenn Amsel schweigt und Eiche zittert
Kaninchen in die Wolken wittert –

wenn Stadtstaub und die Schwüle fliehen,
Sturmwirbel freche Kreise ziehen,
Schauer streng die Blätter beugen
und uralten Kreislauf zeugen –

wenn müde Erde warm befeuchtet
duftend voller Tropfen leuchtet,
von Himmelsgaben neu begründet
erfrischte Lebensfreude zündet –

wenn was man denkt und was man fühlt
vom Firmament mal durchgespült,
so ist das oft der Weisheit Dünger
macht im Geiste manchen jünger:

und ist lichter Morgen hier
geht es der Welt und dir und mir
nachdem es sich so ausgeregnet
als wärn wir uns ganz neu begegnet

Glücklicher Duft

Ein wenig früher als sonst ist das Geißblatt aufgeblüht, auch bekannt als Jelängerjelieber. Ich mag den Duft sehr – ein wenig zu süß für manche, aber er hat etwas von Ewigkeit, Glück und unerschütterlichem Sommer.
Er wuchert bei uns im Vorgarten am Zaun und steckt dem Briefträger und anderen Passanten seine Blüten ungeniert direkt in die Nase, egal wie sehr ich ihn beschneide oder anbinde.

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Und das Gewitter gestern schenkte uns einen Regenbogen, der direkt vor unserer Haustür stand – ein kleiner, schlichter, aber ein Regenbogen.

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Hummel (wirklich!)

Auf diesem Bild ist eine gut getarnte Hummel zu sehen.

DSC07372

Und das ist die Wiege bzw. die Fabrik für viele viele neue Mohnblumen im nächsten Jahr. In jedem winzigen Samenkörnchen ist die gesamte genetische Information für dieses Wunderwerk enthalten. Ich werde nie aufhören, ehrfürchtig darüber zu staunen.

mohnkapsel

Leider gedeihen in meinem Garten nur rosa Mohnblumen, obwohl ich Rosa gar nicht leiden kann. Aber besser als nix. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass hier auch mal ein ganz normaler Klatschmohn vorbeischaut. Der macht ja schließlich auch viele, kleine Samen.

Und aus aktuellem Wetteranlass hier noch eine Sonnenblume – mit Spinnwebe – im Gewitter:

soblu

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