Frühlingshimmelgedichte

April
(c) Patricia Koelle

Heut leichter Frühlingshimmel kündet
davon, dass Grau in Blau meist mündet,
sich stets erneut die Blumen winden
jetzt unverhofft wir Buntes finden.
Auf Eiseskälte folgt stets Mildes
und Schatten sind nur Teil des Bildes.
Ohne Dunkles wär das Helle nicht,
selbst die Wolken sind voll Licht.
Dass unter duftend Firmament
man Lebenswert schnell neu erkennt,
junge Zuversicht die Schritte lenkt
man uns erfrischte Wege schenkt
weil die Gegebenheit der Welt
nun wieder in ein Aufwärts fällt.

Spaziergang
(c) Patricia Koelle

Ich saß gebeugt im Schatten
vergaß, ins Licht zu sehn
da berührte mich ein Aufwind
mahnte sanft, nun aufzustehn.

So folgt ich beschämt, und siehe
der dunkle Berg, vor dem ich stand
war doch nicht so bedrückend steil
wie ich vor Augenblicken fand.

Es war eine Einladung eher
eine sachte Treppe, die lohnte
weil oben als Antwort auf alles
glücksheimatblaue Weite wohnte.

Es erzählten dort Frühlingswolken
leise mir Weises über das Sein
und versprachen hell aus der Höhe:
hier und heut ist die Leichtigkeit dein.

Das wunderschöne Bild zu diesen Gedichten findet sich hier.

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Mauergeschichtenberg

Wir hatten ja einen Schreibwettbewerb zum 20. Jahrestag des Mauerfalls gestartet. Nun ist der Einsendeschluss abgelaufen und ich lese mich durch einen Berg von Geschichten. Ob ein Buch daraus wird, wird sich zeigen. Aber für mich hat es sich schon gelohnt. Es hilft mir selbst, die Zeit aufzuarbeiten. So ganz kann ich das alles noch immer nicht begreifen. Nicht, dass die Mauer fiel, sondern dass es sie überhaupt gab – und wie wir damit gelebt haben, dieser verrückte und doch normale Alltag, voller Absurditäten.

mauer2k
(Foto: (c) Elisabeth Koelle)

Es ist faszinierend, was der eine oder andere beschreibt. Eigentlich erzählen alle dieselbe Geschichte, und doch bedeutet sie für jeden etwas anderes. Mir steht alles plötzlich wieder ganz lebendig vor Augen. Nun sehen wir im Fernsehen auch gerade noch den Dreiteiler „Die Wölfe“.
Eine ganze Menge Mauer auf einmal, wahrscheinlich träume ich heute Nacht davon. Aber diese Geschichten müssen erzählt und gehört, dürfen nicht vergessen werden!
Ich hoffe sehr, dass wir ein Buch daraus machen und so dazu beitragen können. Ein Buch über die Menschen, die Giraffen und Reißverschlüsse an die Mauer malten und über die, die das nicht durften und sich darum schließlich friedlich selbst von ihr befreiten.
Heute früh war ich noch traurig, weil offenbar gerade niemand mehr mein Buch „Die Füße der Sterne“ kauft. Jetzt kommt mir das Problem nichtig vor, im Vergleich zu den Mauergeschichten. Im Übrigen, in mein Buch, in meine Geschichten habe ich meinen ganzen Glauben an die Menschheit gesteckt. Und solcher Glaube war es ja, der die Mauer zum Einsturz gebracht hat. Das ist die Hauptsache: Ob einer ein Buch kauft oder nicht, dieser mein Glaube an die Menschheit hat sich immer wieder bestätigt.

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