Frischgeschlüpftes Licht

Ich bin jedes Jahr im Herbst wieder von dem schrägen, warmen Licht fasziniert, wenn die Sonne tief steht und alles voller Farben und Schatten zaubert.
In diesem Jahr fällt mir besonders auf, dass dieser Zauber auf undramatischere aber nicht minder großartige Weise auch im Frühling wirkt: Schattenzeichnungen und Leuchten auf allen Wegen.

Reichtum neben der Straße

Wenn es nicht bald regnet, sieht es schlecht aus für dieses große, dicke Sommergrün, das überschwänglich und schwer und zufrieden auf der Erde liegt als ein kaum begreifbarer Reichtum, nach dem wir uns im November schon wieder sehnen werden. Aber noch hält es jeden Winkel am Rand dieser lärmenden, stinkenden Stadt glücklich besetzt. Auf manchen Flächen verbrennt es bereits in ihrer Gnadenlosigkeit, und sogar das Unkraut welkt, aber ich sehe geflissentlich daran vorbei.
Noch ist Zeit für sommertief grüne Begegnungen.

Glückliche Sommerstunde

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Heute bin ich mal auf dem Rückweg vom Briefkasten den kleinen Umweg zum Herrenholzbecken gegangen. Es waren dreißig Grad, kein Wind ging, aber ein nahes Gewitter lag schwer über der Senke. Unten war kein Mensch, nur ein Grillen- und Bienenchor allerfeinsten Grades. Sie feierten eine Orgie im heißen Gras zwischen duftendem Mädesüß, Klee und Blutweiderich. Ich bin die Böschung hinuntergeklettert wo die Kinder im Winter Schlittenfahren, erstmal fast in den Sumpf gefallen und habe dabei nebst einem blechernen Osterei allerhand Schönes gefunden.

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Erstmal bin ich ins hohe Gras abgetaucht und habe die Perspektive genossen.

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Allein war ich da nicht. Diesen kleinen Weberknecht habe ich ein wenig beneidet um seine versteckte grüne Welt.

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Welcher Pflanze Samenstand das hier ist, weiß ich nicht, aber der umvermutete Stern, aus Sonne und Erde geboren, gefiel mir.

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Dieses Kerlchen habe ich eine Weile beobachtet, er tauchte immer wieder mit großem Eifer in die Blutweiderichblüte wie ein Kind in seine Eiswaffel.

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Na, wo isser jetzt?

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Und dann war der Himmel so dunkel, dass ich ihn noch mit dem Blitzlicht geärgert habe. Das fiel nicht weiter auf, denn geblitzt hat es sowieso. Den Appetit hat ihm das nicht verdorben.

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Das duftende Mädesüß wächst hier reichlich.

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Ebenso lockt natürlich der Klee die Insekten.

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Auf der westlichen Hälfte vom Herrnholzbecken überwiegt das helle Gras. Geht man weiter zur östlichen Seite, zeichnen Binsen dunkle schimmernde Flecken in das hellgrün. Diese leuchtenden Grünschattierungen sind ein beglückender Anblick.

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Der Boden federt unter den Füßen und verschluckt unten in der Senke allen Stadtlärm. Da ist nur Stille und Insektengesumm. Noch weiter zum Ostende hin wird es immer wilder. Das Gras verschwindet, statt dessen wuchern weiße Winden, schlingen sich um alles bis die über zwei Meter hohen Rohrkolben beginnen, in denen der Wind flüsternd Geschichten erzählt.

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Dann bin ich zwischen den Birken die Böschung wieder hochgeklettert, obwohl ich da unten Stunden hätte verbringen können in der stillen grünen Welt.

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Ich habe übrigens für diesen Ausflug meine acht Jahre alte 3 Megapixel Kamera rausgekramt. Sie macht bei Grüntönen und Nahaufnahmen immer noch die besten Bilder. Trotz ihres winzigen Displays und einer Auslösezeit von 7 Sekunden.

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