Spätsommer (Gedicht)

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Spätsommer
© Patricia Koelle

Trockene Blätter schweben, fallen
brüchig braun wie alte Briefe
als ob Erinnerung uns riefe
verstummte Stimmen hallen.

Wenn sich die langen Tage neigen
und abends fremde Winde kühlen
wir plötzlich Dämmerungen fühlen
sollen bunte Drachen steigen.

Die Schwalben sind auf Reisen
Wildgänse rufen in der Nacht
und schnelle Fledermäuse sacht
wie Sehnsucht uns umkreisen.

Frösteln streicht um Häuserecken
aus meinem Denken flüchtet Staub
an Bordsteinkanten flüstert Laub
herbe Düfte Ahnung wecken.

Hoch auf apfelschweren Ästen
spielen feine Nebelschleier
nach der langen Sonnenfeier
kosten wir noch lang von Resten.

In der Blätter bunter Runde
dass sie mit dem Grün nicht fliehe
noch eilig mit dem Kranich ziehe
halt fest mit Dir ich jede Stunde.
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Dieses und andere Gedichte gibt es in diesem Verschenkbuch:
jahreszeitencover

Erntedank

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Erntedank
© Patricia Koelle

Wenn Wolken eilig Bilder malen
die sie einst dem Frühling stahlen
wenn goldne Felder jäh sich leeren
und sich die satten Körbe mehren
sammeln wir noch Sommerstunden
dafür hat sich der Mensch erfunden
um auf möglichst weise Weise
zu schmecken diese Wunder leise
denn zu ernten gibt es mehr
als was geeignet zum Verzehr

Wenn aller Früchte Süße reift
der Apfel nach den Sternen greift
junge Schwalbe frei nach Mücken hascht
der Käfer von den Beeren nascht
Libellen hell durch Hitze flirren
und Träume flugs mit ihnen schwirren
wenn schräges Licht zeigt neue Orte
alte Wege locken ohne Worte
wenn sich tausend Samen runden
haben wir zu uns gefunden

Wenn die Fledermaus den Abend stürmt
das Eichhörnchen schon Vorrat türmt
der Wind auf einmal reife Nüsse
streut vor deine nackten Füße
die Rose in den Himmel wächst
die Spinne zärtlich ihn vernetzt
ihr Silber findet in dein Haar
und alles seltsam richtig war
fühlst du dich ganz von ihrer Art
schmeckst unvergesslich Gegenwart

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Unterwegs (Gedicht)

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Unterwegs im Fließ
© Patricia Koelle

Schon schimmert Ruf von Grillen und Zikaden.
Die Tage leuchten kürzer auf den Mooren
wo wispernd Blüten zum Gedenken laden
trägt Erdgeruch verstummter Worte Sporen.

Dein Echo flattert kühl auf tiefen Pfaden.
Im Sumpf irrn grün Ideen, halb geboren.
Dein bleibend Schatten wirft mir silbern Faden,
im Wind malt Schilf gleich Pinseln lang verloren.

Die Sommersehnsucht lässt sich jetzt noch stillen,
doch flutend Wehmut spielt den Unterton.
Ich geh den Weg wohl längst um deinetwillen.

Durch diesen Grund leis deine Bilder hallen
wenn hoher Klang von Herbst weht mahnend schon
und nichts lässt gültig je den Vorhang fallen.

zpfau

Eisblumen

EISBLUMEN
(c) Patricia Koelle (1986)

Was dieser erste Nachtfrost
Alles berührt hat
Erschreckt mich

Nur gut
Dass du zu beschäftigt bist
Um das zu spüren

Nie wirklich wissen können
Um den anderen
Schreckliche Gewissheit

Komm laß uns
Den Raureif anstunen gehen
Auf den Wiesen
Und ganz vorsichtig anrühren
Bis er schmilzt

Und die Eisblumen langsam wegatmen
Vom Fenster

Und ausnahmsweise
Nicht tiefer forschen

Den Winter würde ich dir
So gerne ersparen
Aber gut dass du da bist

Wenn du mich heute noch festhieltest
Gegen diese kristallene kälte im innersten Sein

Sag dass wir jetzt nicht anhalten wollen
Und zurückschauen
nur auf den nächsten Frühling

Halloween-Limericks

Das Leben ist ernst genug. Da darf ein Gedicht auch mal kurz und lustig sein, mit anderen Worten, Limericks. Die kann man auch nach zuviel Bonbons noch flüssig vortragen:

Halloween-Limerick 1
(c) Patricia Koelle

Ein dicker Kürbis in Berlin
sah im Leben tiefen Sinn
doch war er wohl
am Ende hohl
allerspätestens an Halloween

Halloween-Limerick 2
(c) Patricia Koelle

Ein Gruselgespenst von der Waterkant
verfolgte die Kinder im Walle-Gewand
doch war es der Gipfel
da zog eins am Zipfel
in Jeans stand der Geist nun im Sand

Limerick 3(c) Patricia Koelle

Eine noch kleine Hexe aus Dortmund
fand an der Tür zum Schimpfen Grund:
„Du meine Güte
kommt nicht in die Tüte
Mohrrüben sind doch viel zu gesund!“

Limerick 4(c) Patricia Koelle

An Halloween einmal in Köln am Rhein
suchte Naschwerk an Türen ein Teufelein
doch statt Praline
fand er Teufeline
die war noch süßer – nun sind sie zu zwein!

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