Goldener Moment

Gestern waren wir ein wenig verzweifelt, weil das neue Rollstuhlkissen wieder falsch geliefert wurde und der neue Rolli noch immer nicht benutzbar ist. Heute habe ich den Garten eingewintert, oder besser, ein sehr lieber Freund hat Schwerstarbeit geleistet und ich bin ihm zur Hand gegangen. Im Schlamm gewühlt, Töpfe geschleppt, Berge von Unkraut gefunden, geschnippelt, gepflanzt, angebunden, Gartenmöbel geräumt, dies und jenes zugedeckt. Es war schon recht dunkel im Garten weil die Hecke und die Bäume ihn um diese Jahreszeit früh in tiefen Schatten tauchen.
Und dann kam die Sonne um die Ecke und ich sah hoch und dieser plötzlich goldene Baum ragte über mir in den herbstklaren Abendhimmel wie die Erleuchtung persönlich. Selbst das allerschönste Kirchenfenster wird von diesem Leuchten bei Weitem übertroffen. Es war einer der Momente in denen ich verstehe, warum man früher von göttlichen Erscheinungen sprach. Ich war zutiefst gerührt und beglückt und wußte wieder, wofür das Leben gedacht ist. Ein wenig wie vom Blitz getroffen stand ich da, es war, als kondensierten sich in diesem Leuchten Glück, Hoffnungen, Träume, Sehnsüchte, verlorene und gewonnene Liebe, Vergangenheit und Zukunft. Und zwischen den glühenden Ästen hing eine lautlose, grandiose und zärtliche Musik.
Nein, ich hatte nichts getrunken, es war nur ein Goldrausch.
Im Übrigen war auch sonst reichlich Gold im Garten, aber dieses Leuchten in dem Moment, das war etwas Großes, das war so unerwartet und so unbeschreiblich schön. Das ist das, was über Worte hinausgeht und das selbst der beste Schriftsteller nicht einfangen kann. Ein Maler, vielleicht, aber dann ist dieser Herbstabendduft nicht dabei…

Herbstleuchten

DSC06052

Es ärgert mich, dass die Kamera die tief-wehmütig-melancholisch-wunderschöne Herbststimmung über dem Moor auch nicht annähernd einfangen kann. Da muß ich wohl bald wieder auf Dichtung zurückgreifen 🙂

Herrenholzbecken im Oktober

Spiegelungen im Packereigraben

%d Bloggern gefällt das: