Der erste Krokus!/The first crocus!

image

Der erste Krokus ist für mich der eigentliche Jahresbeginn. Alles fängt an zu wachsen – die Tage, die Energie, die Hoffnung, die Träume, bei manchen die Gesundheit. Vor allem ist er immer ein Wunder, jedes Mal neu, jedes Mal noch größer. Das erste Schneeglöckchen ist charmant, aber der erste Krokus ist der Triumph, das „Hurra!“, die Befreiung, das Startsignal für die Wiedergeburt der Farbe. Dass er schon heute, am 1. Februar kommt, finde ich besonders nett von ihm…

The first crocus is thr true beginning of the year for me. With it everything begins to grow – the days, the light, the energy, the hopes and dreams, for some health. And the brave, fragile flower is such a wonder, every time, greater every year.
The first snowdrop is full of charme, but the first crocus is the triumph, the breaking free, the Hurrah! the starting signal for color reborn.

Jeder Tag ist Erntedank

Diese letzten warmen Tage sind so rund und reif, samtig weich und leuchtend wie die sonnenwarmen Pfirsiche aus unserem Garten, die tief und süß nach allem schmecken, was uns im Sommer begegnete. Ebenso schnell wie die Pfirsiche zerfallen wenn man sie nicht hier und jetzt ißt werden diese Tage vorbei sein. Wir kosten sie aus bis zur Neige, mit Frühstück am See und Grillen im Kreise lieber Freunde, mit Gesprächen und mit Schweigen, mit einer bewussten Zärtlichkeit: wie groß und wunderbar ist es, dass wir diesen langen Sommer hindurch atmen, schmecken, sehen, berühren, hören konnten. Nichts davon ist selbstverständlich. Regenluft, Walderdbeeren, Schwalben, warme Erde, Nachtigallen. Und das in glücklicher Zweisamkeit oder mit den erwähnten Freunden.
Abends fahre ich noch mit dem Fahrrad zum Briefkasten. Grillduft schwebt von den Balkonen und mischt sich mit dem Geruch nach Herbstblättern und Sommergras über dem Seggeluchbecken. Früh werden die Blätter gelb dieses Jahr. In einer Geschichte habe ich mal von einem „septembergelben Eimer“ erzählt und jemand fragte mich: Was meinst du mit Septembergelb? Für mich ist das glasklar: Dieses erste Gelb in den Blättern an den Astspitzen, dieses leuchtende, strahlende Goldgelb, in dem unterschwellig noch das Grün des Sommers, ja sogar des Frühlings wie ein Echo schimmert, das stolz und überschwänglich alles feiert, was gewesen ist um dann wie ein Segen auf die Erde zu schweben und in sie zu sinken, die es geboren hat – das ist Septembergelb. Und es ist ein Versprechen, dass es im Frühling Löwenzahn, Primeln und Osterglocken geben wird – aber das ist ein anderes Gelb.

– Zu meinem Erstaunen sind die Schwalben noch da – müssten sie nicht längst weg sein? Sonst haben sie sich hier schon Mitte August verabschiedet.
Die Schatten sind lang geworden im Seggeluchbecken,

die Kontraste im Fließ schärfer

und im Wald spielen Lichtreflexe weil die tiefliegende Sonne in geheime Winkel dringt.

Die Wiese wird zum grünleuchtenden Märchen, gemahnt daran, genau hinzusehen, jetzt, denn bald wird es hier anders aussehen.

Ich genieße die tiefen Schatten und die grandiosen Lichtpunkte dazwischen und freue mich ganz insgeheim auf ein wenig mehr Biss in der Luft und ein wenig mehr Einsamkeit hier unten am Fließ, auf Sturm und Blätterrascheln und den ersten Frost.
Zuhause zähle ich an der Engelstrompete 57 Blüten. Ich habe sie vor Jahren als angefaulten handgroßen Sprössling aus einem gammeligen Supermarkt gerettet, in dem ich sonst nie einkaufe. Sie hat bewiesen dass es sich auch lohnen kann, für etwas Kleines, Schimmeliges, hoffnungslos Wirkendes Geld auszugeben.

Kreislauf (Herbstgedicht)

DSC05814

Kreislauf
© Patricia Koelle

Silbern spült der Regen Träume
an die Wurzeln müder Bäume.
Gleich des Windes kleine Drachen
schweben wie ein stilles Lachen
kaum fürchtend die Vergänglichkeit
noch die Schwere einer Zeit
deren wundergoldne Blätter
auf des Lebens Bühnenbretter,
leuchten unter unsren Schritten
wie der Zukunft helle Bitten.
Was Erde dichtet nun zur Krume
strebt zum Himmel bald als Blume
entfaltet sich im weiten Raum
zu einem frischen bunten Traum.

DSC08228
Scherenschnitt: (c) Hilde Bergmann

Weitere Scherenschnitte von Hilde Bergmann in dem Buch:
coverWeih2

Sommergedicht 7 – Sommernacht

mond

Sommernacht
© Patricia Koelle

Vollmond wandert Wolkenbahnen
schweres Dunkel schweigt voll Ahnen
reife Felder wispern Schatten
Hitze ließ den Wind ermatten

Ferne raunt Gewitterdonner
wie ein Echo alter Sommer
Freunde gingen, andre kamen
Reihen unvergessner Namen

Durch den Sand huscht kleines Wesen
heimlich meine Spur zu lesen
Träume gingen, Träume kamen
tausend Blüten streuten Samen

Mitternachts treibt Duft von Regen
stille Hoffnung mir entgegen
Liebe ging und Liebe kam
Anfang, der kein Ende nahm

Denken, das der Tag nicht kennt
irrt als Kauz zum Firmament
Fragen kamen, Fragen blieben
flinke Zweifel, stets zu sieben

Zeit schlingt seltsam wirre Bänder
um der Jahre welke Ränder
Mond weilt bis zum Morgen nicht
tausend Sterne bleiben Licht.

mondblumen

Sommergedicht 4 – Blütenflut

kleinrose

Blütenflut
(c) Patricia Koelle

Es knospen Rosen in die Helle
füllen Junilandschaft ganz
mit Lebenslust an jeder Stelle
ranken wie in leisem Tanz

erklettern Himmel, hoffen Licht
tragen Dornen nebenbei
dass niemand ihre Stärke bricht
ihrem Sinnen überlegen sei

Sie tosen dichten Farbenchor
in Wellen rollt ein Rausch aus Duft
sie drängen sich recht gerne vor
fordern Hoheit in der Sommerluft

egal ob zartere Gefährten
Kornblumenblau und roter Mohn
auch von der Erde was begehrten
für Tage ist der Sieg ihr Lohn

Doch bald schon streut uns eine Brise
die Blütenblätter wild zu Füßen
während Andere auf der Wiese
noch wochenlang das Sein versüßen

Ich mach es wie die Ackerwinde
und warte still mit meinem Traum
bis ich dafür Ruhe finde
und die Welt für Kleines Raum

Frühlingshimmelgedichte

April
(c) Patricia Koelle

Heut leichter Frühlingshimmel kündet
davon, dass Grau in Blau meist mündet,
sich stets erneut die Blumen winden
jetzt unverhofft wir Buntes finden.
Auf Eiseskälte folgt stets Mildes
und Schatten sind nur Teil des Bildes.
Ohne Dunkles wär das Helle nicht,
selbst die Wolken sind voll Licht.
Dass unter duftend Firmament
man Lebenswert schnell neu erkennt,
junge Zuversicht die Schritte lenkt
man uns erfrischte Wege schenkt
weil die Gegebenheit der Welt
nun wieder in ein Aufwärts fällt.

Spaziergang
(c) Patricia Koelle

Ich saß gebeugt im Schatten
vergaß, ins Licht zu sehn
da berührte mich ein Aufwind
mahnte sanft, nun aufzustehn.

So folgt ich beschämt, und siehe
der dunkle Berg, vor dem ich stand
war doch nicht so bedrückend steil
wie ich vor Augenblicken fand.

Es war eine Einladung eher
eine sachte Treppe, die lohnte
weil oben als Antwort auf alles
glücksheimatblaue Weite wohnte.

Es erzählten dort Frühlingswolken
leise mir Weises über das Sein
und versprachen hell aus der Höhe:
hier und heut ist die Leichtigkeit dein.

Das wunderschöne Bild zu diesen Gedichten findet sich hier.

Frühlingsaufschwung

dsc04370

Der Himmel ist heut sehr manierlich
wie sichs gehört ganz himmelblau
den Winter mit dem Grau in Grau
schob fort er despektierlich

Der Wind erzählt von Leichtigkeit
der Sturm nahm seinen Hut
die Sonne wärmt den jungen Mut
schenkt Morgen, füllbereit

Frische Wurzeln sich jetzt geben
neue Richtung eifrig vor
es öffnet Allem sich ein Tor
zum Rausch, zum Licht, zum Leben

Ein Kranich segelt wieder hier
der Storch läßt sich schon nieder
der Lerche Töne kehren wieder
und ich zurück zu mir.

fuessecover4

Unbeirrbarer Frühlingsbeweis

schneeglk

Gestern war das Schneeglöckchen noch nicht zu sehen. Heute morgen begegnete es mir im Garten als erstes. Offenbar läßt es sich von so ein bißchen Winter nicht aufhalten!
Das mach ich jetzt auch so.

Weihnachtsträumerei

Wenn ich jetzt die weihnachtlichen Lichter auf den Straßen sehe und an dem Café vorbeigehe, in dem meine Geschichte „Cafékalender“ spielt, glaube ich manchmal, Paul Kiewitz dort sitzen zu sehen. Ob er immer noch mit der Kellnerin Christina als Komplizin heimlich den traurigsten Gästen eine Adventsüberraschung zukommen lässt?
Ich wünsche mir dann, ich könnte mich wirklich mit den Menschen aus meinen Geschichten dort an einem Tisch treffen und hören, wie es ihnen geht. Herausfinden, wie sie miteinander auskommen – schließlich leben sie alle in einem Buch („Die Füße der Sterne“) zusammen. (Naja, fast alle, denn Paul und Christina sind aus „Der Weihnachtswind„). Irgendwie vermisse ich sie, schließlich habe ich sie erfunden. Aber ihre Geschichten sind längst fertig, und ich muss mich am Ende jeder Geschichte von ihnen verabschieden.
Wie es wohl Viktor geht – ob er inzwischen ein Zuhause gefunden hat? Ist die junge Journalistin Karla März befördert worden, nachdem ihr trotz des störrischen Forschers mit dem unmöglichen Benehmen dieser tolle Artikel gelungen ist? Und was ist mit Theo Knoll, diesem Pedanten, der sich so verändert hat – ist er jetzt mit der Biologielehrerin zusammen? Ich sehe ihn vor mir, wie er ihr einen dampfenden Tee eingießt. Karla trinkt natürlich lieber Cappuccino. Paul tuschelt da drüben mit Christina, die hecken ganz sicher schon wieder etwas aus.
Frank kann ich hier nicht treffen, der ist ja leider verstorben, nachdem er sich seinen verrückten Traum erfüllt hat. Ja, aber die resolute Frau da drüben, das könnte Regina sein, die für die Kollegen vom Flughafen ein mehr oder weniger verdächtiges Weihnachtsgeschenk sucht. Und im Gemüseladen, die Frau, die die Äpfel in die Tüte packt – ist das Reni, und spielt sie immer noch morgens im Park mit der dreiundneunzigjährigen Lene verstecken?
Das Pärchen dort, das Hand in Hand an dem Stand mit den Kerzen stehen bleibt, so habe ich mir Rainer und Viktoria vorgestellt, für die Robin damals die Sterne durcheinander gebracht hat. Ob er wohl doch noch dafür gefeuert wurde?
Gern würde ich sie alle auf ein Crépe einladen oder eine Bratwurst. Aber stattdessen werde ich wohl nie erfahren, was aus ihnen geworden ist. Und ob Menschen das Buch kaufen und Karla, Theo und die anderen auf diese Weise für einen Lesemoment in ihr eigenes Leben einladen. Das wünsche ich mir – denn jedes Mal, wenn eine der Geschichten gelesen wird, werden Karla, Theo, Reni und die anderen ein klein wenig wahr und lebendig. Das wäre schön, denn sie alle zeigen, wie es ist, ein ganz normaler Mensch zu sein und doch immer Hoffnung in sich zu tragen oder wiederzufinden. Sie passen, obwohl es sich um Geschichten für das ganze Jahr handelt, in diese dunkle und doch helle Zeit, in die Weihnachtstage, denn sie haben erfahren, warum sich das Leben lohnt, und wissen davon zu erzählen, ganz einfach indem sie sind, wie sie sind.

Bei Amazon bestellen:
Verschenkgeschichten

oder direkt beim Verlag bestellen:

verlag

Bus-und-Bahn-Bücher

Wie oft sitzt man in der Bahn oder wartet auf den Bus. Und hat das Buch vergessen, das man sonst dabei hat, oder gerade ausgelesen. Man könnte sich am Kiosk eine Zeitschrift kaufen. Aber braucht man wirklich den vierundsiebzigsten Frisurentipp, der bei den eigenen Haaren sowieso beim besten Willen nicht umzusetzen ist? Oder die hundertneunundneunzigste Diät, die sowieso nicht funktioniert, weil man eigentlich nur die Gummibärchen weglassen müßte? Will man wirklich wissen, was in irgendeinem Fürstenhaus passiert?
Man könnte statt dessen spannende Geschichten über „echte“ Menschen lesen, wie zum Beispiel die Frau gegenüber auf der Bank, die mit den traurigen Augen. Dazu braucht man nur auf seinem Handy ein „Mobilebook“ herunterzuladen. Es kostet 2.99, aber für die Zeitschrift hätte man ja auch ein paar Münzen ausgegeben. Man braucht nur eine SMS abschicken, das funktioniert so einfach, als ob man einen Klingelton herunterlädt. Das Buch unter „Anwendungen“ speichern, und schon kann man schmökern. Die Schrift läßt sich kinderleicht in beliebiger Größe einstellen, und es merkt sich sogar, wo man mit dem Lesen aufgehört hat, als der Bus kam.
Ja, und wenn einem die Geschichte wirklich gefällt, kann man sich immer noch das richtige Buch kaufen, aus dem sie stammt und in dem es noch viele solcher Geschichten gibt, nur weiß man dann schon, dass einem das Buch gefallen wird.

Von mir gibt es drei Mobilebooks:

VIKTORS GRÖSSE

Viktors Grösse

Zum Text:
Der Student Ralf leistet während eines Ferienjobs schweißtreibende Arbeit. Dabei spricht ihn ein furchterregend wirkender Hüne an, der ihm noch zweimal begegnen wird. Der Gedanke an ihn lässt Ralf nicht mehr los. Irgendwie erscheint ihm seine Welt seitdem bunter, leuchtender und zerbrechlicher…

«Hastig drehte ich mich um, während ein Schatten auf mich fiel. Ich bin mit meinen einsachtzig kein Zwerg, aber um dem Mann, der vor mir stand, ins Gesicht sehen zu können, musste ich den Kopf in den Nacken legen. Hinter meinem Rücken griff ich instinktiv nach dem Griff meines Spatens, obwohl mein unerwartetes Gegenüber diesen wahrscheinlich mit einer Hand würde zerbrechen können.»

HIMMEL AUF ABWEGEN

Himmel auf Abwegen

Zum Text:
Viktorias Ehe hat sich festgefahren und steht kurz vor dem Aus. Bis sie in einer Frühlingsnacht Robin begegnet. Erst bittet er sie um Hilfe, dann stellt er für sie den ganzen Himmel auf den Kopf und plötzlich scheint alles möglich…

«In der ersten Zeit hörte sie aufmerksam zu, war voller Begeisterung, selbst wenn es um Pulsare, Quasare und Veränderliche ging und zwei Drittel des Publikums schon weggedöst war. Ihre Augen waren voller Licht, wenn sie zur Kuppel aufblickten und die Wege der Kometen oder Sternennebel verfolgten, die der Projektor so täuschend echt vorgaukelte.»

EINE FRAGE DER ZEIT

Eine Frage der Zeit

Zum Text:
Die junge Journalistin Karla März soll einen Mann interviewen, der niemals Interviews gibt. Gelingt ihr dies nicht, wird sie wahrscheinlich den Job verlieren, auf den sie angewiesen ist. Doch dieser Mann weist alle Besucher mit einer ungewöhnlichen Methode ab, und das, obwohl er ein überraschend vielversprechendes Lächeln besitzt.
Gut, dass es die Rumpelkammer ihrer Schwester gibt, in der man seltsame Dinge und vielleicht die Lösung zu Karlas Problem findet…

«Der war Arktisforscher, und dann hat er diese Bücher geschrieben, die die Leute verzaubert haben, bevor sie sie wieder vergaßen. Über erschreckend kurze Tage und ewige Nächte, über Nordlichter, die ihn mit ihrer Schönheit zum Heulen brachten, über großartige Begegnungen mit Eisbären, leuchtenden Algen, Eiswürmern, und dem Alleinsein mit sich selbst und seiner Angst in einer ungeheuren Weite. Er hat siebzehn verschiedene Blautöne in einem einzigen Eisberg gefunden.»

Wer all diese Geschichten und noch mehr lieber in einem gedruckten Buch lesen möchte, findet sie hier:

Geschichten von Himmel und Meer

Sie haben alle eine Länge, die gut während einer Fahrt zu schaffen ist. Natürlich auch vor dem Einschlafen. Oder in der Mittagspause. Oder im Wartezimmer. Oder wo und wann auch immer ein wenig Zeit zum Träumen und Erholen ist.

%d Bloggern gefällt das: