Frische Blumen, frisches Buch

So ein sanfter Frühlingsregen mit dem Funkeln und dem Duft, den er weckt, ist etwas Wunderbares. Jedesmal wenn ich den Garten betrete ist eine neue Blüte aus dem Nichts auferstanden, getauft und gekrönt von Tropfenperlen.

Seltsam ist, dass die Amseln neuerdings um Mitternacht singen, bis um ein Uhr früh, die ganze Geisterstunde durch. Ich las aber irgendwo, dass Stadtamseln das nun so machen. Zur Nachtigall werden sie dadurch nicht. Aber ich mag es, ihnen zu lauschen, auch wenn sie meinen Rythmus stören. Es fühlt sich falsch an, klingt aber schön. Im Gegensatz zu Gedichten. Wenn die sich falsch anfühlen, klingen sie meist auch nicht schön.-
Die ersten Hummeln und Bienen habe ich nun auch gesichtet, aber da mir offenbar Ronalds Gabe zum Insektenflüsterer fehlt, waren sie kamerascheu. Gut, dass Blumen erst als Samen Flügel haben.

So frisch wie die Blüten ist das Romanmanuskript, das vor mir liegt. Fertig. So fertig, wie ein Manuskript eben ist, wenn man den Epilog gerade erst geschrieben hat. Da gibt es noch viel zu feilen und zu basteln, vom Korrigieren ganz zu schweigen. Aber es ist geschrieben und ausgedruckt, von Seite 1 bis 161, rechtzeitig für meinen Mann zum Geburtstag. Ich löse damit ein altes Versprechen ihm und mir gegenüber ein, das mir schon lange heftig auf der Seele lag. Man weiß nie, wann es zu spät ist. Lange habe ich es aufgeschoben, weil ich Angst davor hatte: es ist eine persönliche Geschichte, in die ich mich zurückversetzen musste, auch in die dunklen Stunden.
Nun ist es ein gutes, seltsames Gefühl. Um mich nicht zu verloren zu fühlen, habe ich mit dem nächsten Roman begonnen. Bei dem kann ich mir Zeit lassen. Aber ich freue mich darauf, und im Kopf ist die Geschichte auch schon fertig, die Menschen lebendig.
Der fertige Roman darf derweil ein wenig abkühlen, ehe ich mich ans Überarbeiten setze. Ich bin gespannt ob er eines Tages auch in den Köpfen einiger Leser ein paar schöne Blüten treibt…

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