Junidenkduft

Nichts ist vergleichbar mit dem Geruch, der an diesen langen warmen Juniabenden in der Luft liegt. Rosen, Jasmin, Lavendel, Linden, Klee, warme Erde, feuchtes Gras und noch viel mehr webt ihn in die kostbaren Stunden. Dieser Duft schreibt Geschichten in den Wind. Er trägt alle Erinnerungen an barfüßige Kindheitssommer ewig lebendig in sich, ebenso die an alle Sommer, in denen man geliebt hat. Er birgt jede Menge Antworten auf Fragen, die man sich schon lange stellt oder auch auf die, die einem nicht einmal bewußt waren.

Rosenblütenblätter fallen haufenweise um mein Gartentor. Ich trockne sie auf der Fensterbank, zusammen mit Orangenbaumblättern, Fliederblüten, Waldmeister, Zimtpflanzenblättern, Zitronenmelisse, Zitronenschalen aus eigener Ernte und noch anderem. Mit ein wenig Iris- oder Veilchenwurzelpulver versetzt, das die ätherischen Öle festhält, kommen sie in eine Dose und wenn man im Winter daran schnuppert, ist ein leises Echo an diesen Sommer darin bewahrt, und mit ihm die Antworten und das Wissen um die Lebendigkeit der Erinnerungen.

So viel Juni

Der Juni ist jedes Mal ein wenig zu groß für mich. So viel Blühen, so viel Duft, so viel Überschwang. Die Wellen, die der Wind ins Gras flüstert. Goldene Froschaugen, die mich geheimnisvoll ansehen. Sternklare Nächte ohne Wind, mit der Milchstraße so weit und gleichzeitig seltsam nahe. Libellenflirren, Schmetterlingstanz. Barfuss auf taufeuchter Wiese. Blitz und Donnergrollen und Funkeln auf allen Blättern danach. Frischgepflückter Erdbeergeschmack. Über dem Moor wo die Schwertlilien blühen liegt goldgrün die Hitze und aus dem hohen Blau darüber fällt unsichtbar das Lied der Lerchen. Die Wunder sind so viel und so gewaltig, dass ich sie nicht fassen kann und sie nicht in meine Geschichten passen. Da hilft auch das Älterwerden nicht, im Gegenteil. Alle Prosa scheint mir unzulänglich. Aber jeder erlebte Tag ist ein Glücksfall.
Und diese Rose ist für alle, die hier reinlesen!

Sommergedicht 2 – Junitage

Kopie von FDSC03397

Junitage
© Patricia Koelle

Sonnwendewärts die Zeit verrinnt.
Wiesen wogen grüne Wellen,
zarte Glockenblumen stellen
hellblaue Fahnen in den Wind.

Die Nächte von den Tagen lernten
Sonnenwärme fest zu halten,
lange Träume zu verwalten.
Auf den Feldern ahnt man Ernten.

Im Gebüsch die Nachtigallen
letzte Liebeslieder streuen,
frühe Erdbeern uns erfreuen,
späte Fliederblüten fallen.

Tief kost ich jede Stunde hier
da ich weiß, die Gegenwart
ist einzig jetzt in ihrer Art.
Ich wünsch mir jeden Weg mit Dir.

Schau mit mir, ehe das Glück uns flieht
noch jeden Stern, den man uns schenkt
bevor der Herbst uns einmal lenkt,
in kühle Weiten Sehnsucht zieht.

sternsammler
Scherenschnitt: (c) Hilde Bergmann

Wem dieses Gedicht gefallen hat, dem gefällt vielleicht auch dieses Buch:

fuessecover

Sommergedicht

DSC09909

Sommerübermut
(c) Patricia Koelle

Frühlingsvogelsang verklingt
warme Sommerstille fällt
Rosenduft den Wind beschwingt
Junilicht die Nacht erhellt.

Zweifel bis zum Winter fliehen
Ruhe wohnt nun in den Tagen
Träume mit den Schwalben ziehen
lassen neue Wege wagen.

Ich flieg mit Pusteblumensamen
und seh den Wolken ins Gesicht
der Schmetterling kennt meinen Namen
wir teilen uns des Lebens Licht.

Ich feier Schritte, trinke Morgen
leih mir den Himmel ganz allein
möcht noch von jeder Zukunft borgen
fühl mich Welt und All und Sein.

DSC02963

Wem dieses Gedicht gefallen hat, dem gefällt vielleicht auch dieses Buch:

fuessecover

Eine Leseprobe gibt es hier.

%d Bloggern gefällt das: