Frühlingsmanie/Springmania

Nun da sie endlich blühen, mit so viel Verspätung, zeigt jeder Krokusbilder. Man kann nicht anders. Ich auch nicht.
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The crocus are so late this year that now nobody can help gleefully showing crocus pictures. Neither can I.

Überlebende/Survivors

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Sie waren die letzten Wochen unter einer dicken eisverkrusteten Schneedecke begraben. Und jetzt sehen sie so aus – unverzagt, aufrecht und strahlend. Und die dazugehörigen Bienen haben zum Glück auch überlebt. Daran möchte ich mir ein Beispiel nehmen, wenn es mal wieder hart auf hart kommt.
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They were bruried under a thick blanket of ice and snow the past weeks. And here they are, upright, unfazed and beaming. When hard times happen to me, I want to remember them and try to be as strong.

Der erste Krokus!/The first crocus!

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Der erste Krokus ist für mich der eigentliche Jahresbeginn. Alles fängt an zu wachsen – die Tage, die Energie, die Hoffnung, die Träume, bei manchen die Gesundheit. Vor allem ist er immer ein Wunder, jedes Mal neu, jedes Mal noch größer. Das erste Schneeglöckchen ist charmant, aber der erste Krokus ist der Triumph, das „Hurra!“, die Befreiung, das Startsignal für die Wiedergeburt der Farbe. Dass er schon heute, am 1. Februar kommt, finde ich besonders nett von ihm…

The first crocus is thr true beginning of the year for me. With it everything begins to grow – the days, the light, the energy, the hopes and dreams, for some health. And the brave, fragile flower is such a wonder, every time, greater every year.
The first snowdrop is full of charme, but the first crocus is the triumph, the breaking free, the Hurrah! the starting signal for color reborn.

Frische Blumen, frisches Buch

So ein sanfter Frühlingsregen mit dem Funkeln und dem Duft, den er weckt, ist etwas Wunderbares. Jedesmal wenn ich den Garten betrete ist eine neue Blüte aus dem Nichts auferstanden, getauft und gekrönt von Tropfenperlen.

Seltsam ist, dass die Amseln neuerdings um Mitternacht singen, bis um ein Uhr früh, die ganze Geisterstunde durch. Ich las aber irgendwo, dass Stadtamseln das nun so machen. Zur Nachtigall werden sie dadurch nicht. Aber ich mag es, ihnen zu lauschen, auch wenn sie meinen Rythmus stören. Es fühlt sich falsch an, klingt aber schön. Im Gegensatz zu Gedichten. Wenn die sich falsch anfühlen, klingen sie meist auch nicht schön.-
Die ersten Hummeln und Bienen habe ich nun auch gesichtet, aber da mir offenbar Ronalds Gabe zum Insektenflüsterer fehlt, waren sie kamerascheu. Gut, dass Blumen erst als Samen Flügel haben.

So frisch wie die Blüten ist das Romanmanuskript, das vor mir liegt. Fertig. So fertig, wie ein Manuskript eben ist, wenn man den Epilog gerade erst geschrieben hat. Da gibt es noch viel zu feilen und zu basteln, vom Korrigieren ganz zu schweigen. Aber es ist geschrieben und ausgedruckt, von Seite 1 bis 161, rechtzeitig für meinen Mann zum Geburtstag. Ich löse damit ein altes Versprechen ihm und mir gegenüber ein, das mir schon lange heftig auf der Seele lag. Man weiß nie, wann es zu spät ist. Lange habe ich es aufgeschoben, weil ich Angst davor hatte: es ist eine persönliche Geschichte, in die ich mich zurückversetzen musste, auch in die dunklen Stunden.
Nun ist es ein gutes, seltsames Gefühl. Um mich nicht zu verloren zu fühlen, habe ich mit dem nächsten Roman begonnen. Bei dem kann ich mir Zeit lassen. Aber ich freue mich darauf, und im Kopf ist die Geschichte auch schon fertig, die Menschen lebendig.
Der fertige Roman darf derweil ein wenig abkühlen, ehe ich mich ans Überarbeiten setze. Ich bin gespannt ob er eines Tages auch in den Köpfen einiger Leser ein paar schöne Blüten treibt…

Sonnenschwips

Gartenerwachen
© Patricia Koelle

Auf einmal ist es nicht mehr schlimm
dass wir von langer Kälte rau
im Innern, denn der müde Grimm
ertrinkt im aufgesprungnen Blau.

Der Wind singt sanft nur noch im Ohr
schon duften Frühlingsschritte
Ich komme mir viel jünger vor
und ganz in einer Mitte

wo Farben neu geflossen
im halb vergessnen Beet,
aus meiner Hand gegossen
von meinem Wort gesät.

Und während sie sich weiten
wenn Biene unter Blüten wählt
hab ich auf frischen Seiten
von alter Hoffnung neu erzählt.

Das erste Mal Sonne auf der Haut spüren, in kurzen Ärmeln zwischen Krokussen Mittag essen. Vorgestern war noch keine Knospe zu sehen, heut sind sie überall offen. Ohne Bienen noch, die in anderen Jahren immer mit ihnen zusammen auftauchten. Ungewöhnlich auch, dass die Winterlinge statt im Januar auch heute erst offen sind. Wie ein Augenzwinkern der Erde leuchten sie an unerwarteten Orten hervor.
Bei diesen Krokussen hier muß ich einfach zurücklächeln:

aber die Blauen sind auch wunderschön. Gern wär ich mal Biene darin.

Das Schneeglöckchen könnte auch glatt als eine Art Schmetterling durchgehen.

Wunschlos glücklich

Dieses Schneeglöckchen kann es locker mit einer Orchidee aufnehmen. Ich mag es sogar viel lieber. Darum könnte ich auch nie in die Karibik auswandern: Mir würden die Schneeglöckchen fehlen. Sie sind der Anfang von allem, vom Jahr, vom Leben, von der Hoffnung, vom Traum.

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Die frühe Iris ist mir da schon fast zu extravagant. Sieht sie nicht aus wie ein Paradiesvogel, der falsch gelandet ist?

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Aber die Krokusse (Claudia, wie heißt der korrekte Plural von Krokus…?), die sind mir gute Freunde auf dem Weg zum Frühling. Viele Menschen wissen nicht, dass sie duften. Man muß natürlich bereit sein, sich der Erde zu nähern und dreckige Knie zu bekommen, wenn man daran schnuppern möchte.

krokus

Dann geben sie ihre Geheimnisse preis. Duft und Safran, Wassertropfen und kleine Gesichter.

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Ich habe in der Sonne gesessen, die plötzlich so warm war als trüge sie alle Erinnerungen an den letzten Sommer vollständig in sich, den Duft und die Farben der Blumen um mich, ein paar summende Bienen zur Gesellschaft und mit einer Schale Erdbeereis. Völliges Glück kann so einfach sein und so billig!

Auf die Sahne habe ich verzichtet, wer braucht die, wenn man in das Innenleben einer Narzisse blickt:

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Der Vorteil, dass es nun wieder regnet, ein sanfter Frühlingsregen, liegt darin dass die Krokusse so viel länger halten.

Und so sieht es im Garten meiner Eltern dieser Tage aus. Die Sonnenuhr haben wir ihnen zur Goldenen Hochzeit geschenkt; seitdem vermehren sich die Krokusse jedes Jahr drumherum als spiegelten sie irdisch den Sternenhimmel.

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Eine Geschichte zum Thema gibt es hier.

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