Am Graben (Frühlingsgedicht)

Am Graben

Wo unter Eis das Wasser schlief
zeigt junges Schilf auf neue Zeit.
Die wilden Gänse gründeln tief
und lange schon zu zweit.
Wie flüchtig schwingen Weiden weit
von warmer Zukunft leicht geweckt
im hoffend ostergrünen Kleid
vom Flüsterwind entdeckt.
Gleich wissend unsichtbarem Schimmer
als war dein Sterben Frostes Scherz
so küsst du heimlich mich noch immer
in jedem frischen März.

© Patricia Koelle

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Herbststurm (Gedicht)

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Herbststurm
© Patricia Koelle

Der Wind trägt schwer heut an Erinnerungen
von lichter Zeit mit dir, die ich geliehen
noch nie ist mir so endlos schlecht gelungen
mich deinem Zauber wieder zu entziehen

Aus Wiesen hebt er erdigen Geruch
der seltsam schweigend tief zu dir gehört
im Himmel schreibt er einen hellen Bruch
seit ständig etwas dich heraufbeschwört

Er wagt, die Bäume einsam tief zu neigen
flüstert mir nur deine Stimme übers Land
malt mit lebendig sturmverwehten Zweigen
die lang vertrauten Gesten deiner Hand

Der Sturm ist ewig Schatz und fröstelnd Flucht
treibt herbstlich dunkle Wolken auf die Reise
voll allzu neuer, allzu junger Sehnsucht
auf allzu alte, zärtlich leise Weise

Dein Augenzwinkern blitzt in kühlen Seen
gleich unserem Denken in derselben Spur
als Echo Gegenwart, kann nicht verwehn
ist Glück, auch wenn geheimes Klingen nur

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Von Träumen (Gedicht)

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Für alle, die auf diesem Blog so oft nach Gedichten über Träume suchen:

Von Träumen
© Patricia Koelle

Träume läuten lautlos Glocken
Träume sind geheimes Lied
das leicht uns in die Ferne zieht
um wieder nur nach Haus zu locken

Träume zart wie Blumensamen
treiben leise auf dem Wind
ankern hier wie dort geschwind
flüstern eines Liebsten Namen

Träume fallen sanft wie Regen
lassen Hoffnung frisch erblühn
so fließen Ziele neu und kühn
sind uns Fluch, genauso Segen

Träume schleichen durch die Nacht
übernehmen frech das Steuer
reißen uns in Abenteuer
haben morgens nichts gebracht

Träume gaukeln vieles vor
rufen uns auf falsche Fährten
wenn wir uns so gar nicht wehrten
machen sie uns auch zum Tor

Träume sind beweglich Brücken
wenn die Welt uns nicht versteht
für uns gerade gar nichts geht
heilen erst mal sie die Lücken

In Träumen grenzenlos und frei
suchen wir uns selbst zu fassen
was wir mit ihnen tun und lassen
bleibt den Träumen einerlei

Manch Träume leuchten ewig mir
duften Jubelfarben um uns hin
schmecken plötzlich tief nach Sinn
teil glücklich ich ein Stück mit Dir

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Scherenschnitt: (c) Hilde Bergmann

Mehr Gedichte gibt es hier

Gewissheit (Gedicht)

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Gewissheit

© Patricia Koelle

Tiefe Sonntagsstille
vertrauter Sommerduft
Warmgoldne Fülle
treibt die Luft.

Meine Zweifel, viele Fragen
blühten gestern allerorten
doch wie es scheint, so lagen
im Morgen schon Antworten:

Noch Deine Gestik stets entfacht
der Lebensrätsel Funkeln neu
aus meinem Denken weicht die Nacht
und helle Neugier bleibt sich treu.

Dein Lächeln stahl
mir einst das Nein
und längst die Wahl
mal feig zu sein.

Mein Schicksal bist Du nicht
doch einziger Gelehrte
des Zaubers mir und Licht
und ewiger Gefährte.

Unterwegs (Gedicht)

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Unterwegs im Fließ
© Patricia Koelle

Schon schimmert Ruf von Grillen und Zikaden.
Die Tage leuchten kürzer auf den Mooren
wo wispernd Blüten zum Gedenken laden
trägt Erdgeruch verstummter Worte Sporen.

Dein Echo flattert kühl auf tiefen Pfaden.
Im Sumpf irrn grün Ideen, halb geboren.
Dein bleibend Schatten wirft mir silbern Faden,
im Wind malt Schilf gleich Pinseln lang verloren.

Die Sommersehnsucht lässt sich jetzt noch stillen,
doch flutend Wehmut spielt den Unterton.
Ich geh den Weg wohl längst um deinetwillen.

Durch diesen Grund leis deine Bilder hallen
wenn hoher Klang von Herbst weht mahnend schon
und nichts lässt gültig je den Vorhang fallen.

zpfau

Flaschenpost. Gedicht (Sonett)

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Flaschenpost
(c) Patricia Koelle

Mit dir nur konnte Tage ich bemalen
für uns war große Dichtung jede Stunde
als wir noch von der Zukunft Reichtum stahlen
leicht lasen wir der Sterne helle Kunde

Es lockte Wind die Träume zu Spiralen
du jagtest Zweifel gnadenlos zugrunde
wir suchten Glück in zarten Muschelschalen
mit Neugierfunkeln atemlos im Bunde

Auf meine Fragen kamst du wie gerufen
Wir lebten auch in jedem Abgrund hoch
Dein Lachen trug mich über alle Stufen

Selbst auf Vergänglichkeit lag Lied und Glanz
als Tod schon stumm in deinem Schatten kroch
sprach noch dein Schritt von einem stillen Tanz

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Sommergedicht 8 – Frohe Ernte

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Frohe Ernte
(c) Patricia Koelle

Samen treiben hell in Lüften
Pfirsich schimmert rote Wangen
Wind erzählt von Brombeerdüften
Nächte sind zu kurz zum Bangen

Wir haben lang nicht mehr gefroren
Erdbeeren ballen Sonnensüße
Kirschen zieren Kinderohren
Gras streicht kühl um nackte Füße

An Mauern Rosenranken winken
Fruchtsaft heiter uns befleckt
Schmetterlinge Farben trinken
Juliluft nach Kindheit schmeckt

Am Zweig sind Nüsse noch Versprechen
An Ranken lasten Trauben schwer
Der Apfelbaum droht fast zu brechen
Drumherum sind Felder Meer

Reich ernten kann wer Glück begreift
Und in der Leichtigkeit der Tage
In mir erneut Gewissheit reift
Dass ich mit Dir die Zukunft wage

Sommergedicht 7 – Sommernacht

mond

Sommernacht
© Patricia Koelle

Vollmond wandert Wolkenbahnen
schweres Dunkel schweigt voll Ahnen
reife Felder wispern Schatten
Hitze ließ den Wind ermatten

Ferne raunt Gewitterdonner
wie ein Echo alter Sommer
Freunde gingen, andre kamen
Reihen unvergessner Namen

Durch den Sand huscht kleines Wesen
heimlich meine Spur zu lesen
Träume gingen, Träume kamen
tausend Blüten streuten Samen

Mitternachts treibt Duft von Regen
stille Hoffnung mir entgegen
Liebe ging und Liebe kam
Anfang, der kein Ende nahm

Denken, das der Tag nicht kennt
irrt als Kauz zum Firmament
Fragen kamen, Fragen blieben
flinke Zweifel, stets zu sieben

Zeit schlingt seltsam wirre Bänder
um der Jahre welke Ränder
Mond weilt bis zum Morgen nicht
tausend Sterne bleiben Licht.

mondblumen

Sommergedicht 6 – Sommerliebe

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Sommerliebe
© Patricia Koelle

Mir ist als ob dein Name klingt
aus der Blüte, die im Winde schwingt,
als könnt ich alle Wege wagen
wenn sie nur deine Spuren tragen.

Die Sehnsucht spielt im Meeresrauschen.
Ich möchte meinen Traum nicht tauschen
mich wie der Sommer selbst zu fühlen
mit dir, dort wo die Wellen kühlen,

alle Schätze bergen aus den Tagen
und einfach niemals danach fragen
was die Zukunft wohl verspricht:
was nicht heut ist, zählt noch nicht,

denn heut ist jetzt und ewig gilt
mir dieser Zeit Erinnerungsbild –
dein Kuss, dein Blick, dein Tanz ,dein Wort,
uns wird Glücksheimat dieser Ort.

Der Himmel schickt uns ein Gedicht
aus rosarotem Wolkenlicht,
warmer Sand liegt uns zu Füßen
als wollte uns die Erde grüßen.

drachen

Sommergedicht 5 – Gewitter

gewitter

Gewitter
(c) Patricia Koelle

Wenn Blitzes Schwert und Donnergrollen
den bleiern Abend überrollen,
wenn Amsel schweigt und Eiche zittert
Kaninchen in die Wolken wittert –

wenn Stadtstaub und die Schwüle fliehen,
Sturmwirbel freche Kreise ziehen,
Schauer streng die Blätter beugen
und uralten Kreislauf zeugen –

wenn müde Erde warm befeuchtet
duftend voller Tropfen leuchtet,
von Himmelsgaben neu begründet
erfrischte Lebensfreude zündet –

wenn was man denkt und was man fühlt
vom Firmament mal durchgespült,
so ist das oft der Weisheit Dünger
macht im Geiste manchen jünger:

und ist lichter Morgen hier
geht es der Welt und dir und mir
nachdem es sich so ausgeregnet
als wärn wir uns ganz neu begegnet

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