Blumengruß aus der Vergangenheit/Ancient Flowers

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Solche Zeichnungen machte meine Urgroßmutter (Margarethe Johanne Martha, * Rastenburg 29.04.1877 , + Stuttgart12.07.1967, verh.: Rastenburg  10.10.1898  Egon) Sie hatte sogar ein Atelier auf ihrem Gut in Ostpreußen. Viele davon sind nicht erhalten. Um so mehr freue ich mich, dass mir diese jetzt beim Aufräumen des Dachbodens in meinem Elternhaus entgegenflatterte. – Meine Urgroßmutter vergaß über ihrer Kunst ihre Kinder – die wurden von der Erzieherin großgezogen und kannten ihre Mutter kaum, nur als eine „Ferne Dame“.  Die Auswirkungen reichten bis in unser Verhältnis zu unserem Vater. Aber wenn ich heute die feinen Blumen betrachte, die so sommerfrisch wirken wie eben gepflückt, und so leicht und liebevoll zusammengestellt, dann hätte ich die „Ferne Dame“ doch gern kennengelernt und hätte ausgiebig  in ihrem Atelier gestöbert – und ihr etwas von ihrer „Ferne“ genommen. Zu der sie übrigens, wenn auch nur die Hälfte der Geschichten über ihren Gatten stimmt, den Herrn von „Schloß Boyden“, wahrscheinlich allerhand Grund hatte…

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In the attic I found this little drawing by my Great-Grandmother. I never knew her, but her flowers seem so fresh I feel as if I could walk into her studio any moment and have a chat with her.

Kreatives Schneckenhaus

Ich möchte hier einen Ausschnitt von einem Bild vorstellen, das mein Freund Thomas Hentschel einst gemalt hat und das im Moment meine kreative Stimmung gut wiedergibt.


(c) Thomas Hentschel

In jenem Schneckenhaus am Ende einer lichtbeschienenen Treppe fühle ich mich oft wohl, zumal man in einem kreativen Rausch auch mal fröhlich auf dem Hosenboden herausrutschen kann. Die Pinsel, die im Herbst aus Frühlingserde heraus aufstreben, die Bleistift-anspitz-abfälle, die zu Schmetterlingsflügeln mutieren und sich in einen Himmel aufmachen dürfen, der mal dunkel und wolkenzerrissen, mal voller Licht und Geheimnisse ist – so fühlen sich meine Gedanken und Phantasien allemal, und die überdimensionalen verschlungenen Gänseblümchen als Anker am Fuße des Ganzen, auf die mag ich in meiner Welt nie verzichten.
Ja, Thomi-thomas, das passt alles, immer noch, auch mehr oder weniger auf den Tag genau dreizehn Jahre nach deinem Tod. Es passt auf mich, wie es auf dich, auf uns gepaßt hat, heute wie damals.
Du schleichst dich in so viele meiner Texte und färbst sie, manchmal melancholisch, immer mit einem unerwarteten Traum.
Dein Vater hat mir heute die schriftliche Genehmigung erteilt, die wenigen Zeichnungen und vielen Texte die ich von dir habe nach Belieben Veröffentlichen zu dürfen, er meinte, es sei ganz in deinem Sinne, und das denke ich auch.
Das Internet gab es damals nicht, Computer lagen dir nicht, du hantiertest lieber mit Pinsel, Farben, Füller, Tinte… und schreibst dich immer noch in mein Leben. Unter deine täglichen Briefe hast du jedes Mal geschrieben: „To be continued!“
To be continued, daran hat dich der Tod nicht hindern können. Daran liegt es wohl auch, dass du in meinem Roman erheblich mehr Platz einnimmst als geplant.

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