Der Weihnachtshafen – Adventskalender selbstgemacht

Der diesjährige Adventkalender für meine Mutter ist, inspiriert von unserem Urlaub in Kühlungsborn, ein Weihnachtshafen geworden. Ist doch klar, dass der Weihnachtsmann beim Beladen seines Schlittens einer ungeheuren Logistik bedarf, was ohne Hafen gar nicht geht.- Hier sieht man den Kalender noch unbefüllt. Grundlage ist wie immer ein halber Pappkarton, mit blauer Pappe verkleidet bzw. bemalt. Die verschneite Insel besteht aus Styropor (Verpackungsresten), der Leuchtturm ist ein Souvenir-Windlicht aus Keramik. Der Steg ist aus bedruckter Pappe gefaltet, hätte man auch aus Zahnstochern oder Holzresten machen können. Kostet alles fast gar nichts! Eine batteriebetriebene Mini-Lichterkette ist um den Leuchtturm gewickelt und eine längs des Stegs geklebt.  Die drei durchsichtigen Häuschen sind im Bastelladen erworben, könnten aber leicht auch aus alten Papierschachteln gemacht werden.  Die Wolken sind aus Watteresten, die Schneeflocken und Rentiere Aufkleber und die Möwen aus Papierschnipseln geschnitten. Die Papierschiffchen haben hilfreiche Kinder für mich gefaltet.

Hier sieht man ihn befüllt. Mein Vater ist vor zwei Jahren gestorben, aber ich befülle den Kalender immer noch doppelt – ich kann einfach nicht anders, und so kann meine Mutter allen Besuchern, dem Postboten oder hilfreichen Handwerkern anbieten, aus dem Kalender zu naschen, was gern in Anspruch genommen wird.

Auf dem Steg liegen bunte Zahlen. Jedesmal, wenn man eine Praline genascht hat, nimmt man eine Zahl weg. Am 24. darf man das Teelicht im Leuchtturm anzünden (Vorher sollte man ihn der Landschaft entnehmen, damit die Pappe nicht anbrennt! 🙂 )

Kennt Ihr Kalle?

Leseprobe aus „Die eine, große Geschichte“.

….
Der Himmel berührte tatsächlich an den Rändern nicht mehr die Erde. Er schwebte auf einem Ring aus Licht. „Horizont, Kalle, das ist der Horizont“, mahnte er sich. Auch wenn er nie am Meer gewesen war, gehört hatte er einiges, da kam man nicht drum herum als Sohn eines Pädagogen, der auch nach dem Zähneputzen und vor dem Frühstück Lehrer war.
Der Ring aus Licht war unten aprikosenfarben, darauf lag schmales Grün, und dann kam Blau bis zum Rand der tiefhängenden Wolken. Aber nicht nur ein Blau. Kalle senkte den Blick vor diesem gewaltigen Chor aus Blau und schrieb das Wort in sein Notizbuch. „Blau!“ Er würde dann schon wissen, was er gemeint hatte. Das Ausrufezeichen würde seine Erinnerung bewachen. Blau gehörte auf jeden Fall in die eine, große Geschichte, die er in diesem Moment ganz um sich herum spürte. Das klang nicht nach viel, aber es war ein neues, großes Blau, das nicht das Geringste mit dem Blau der Trikots von seinem Verein Hertha BSC zu tun hatte oder Annelieses engen Jeanswesten.
Er war froh über das vertraute Wolkengrau, das einen Deckel auf das Blau legte und dessen Regen den Staub der zurückgelassenen Stadt zusammen mit dem kleinen Erschrecken von seinem Gesicht wischte.
Erst zaghaft, dann mutiger lief er die Mole bis zum Ende. Niemand außer ihm war mehr hier, die anderen Touristen waren umgekehrt oder gleich zwischen Cappuccino und Torte in den Cafés hängengeblieben.
Am Ende stand ein Leuchtturm, grün, und in der Ferne entdeckte er einen zweiten, roten. Zwillingswächter an einem Tor zur Welt, zur Ferne, zum Blau. Dazwischen fuhren Schiffe, riesige Fähren, kleine Segelschiffe, ein Motorboot der Polizei auf Schaumkronen. Kalle lehnte sich an den Leuchtturm, ihm war schwindelig von dieser bewegten Weite. Sie löschte für den Augenblick die Straßen der Stadt, die Menschenmengen, den Benzingeruch, alles Vertraute aus ihm und den Boden unter seinen Füßen.
Er vergaß die Zeit; hier war sie überflüssig. Als er müde wurde, setzte er sich auf den äußersten der Felsen, die um das Ende der Mole aufgeschüttet waren, um die Gewalt der Wellen zu brechen.
Ein weißes, klobiges Schiff fuhr aus dem Hafen, so dicht an der Mole und an Kalle vorbei, dass er es fast hätte berühren können. Menschen lehnten an der Reling, manche sahen nach vorn, andere zurück, einige winkten. Kalles Blick traf einen anderen, einen aus grauen Augen unter entschiedenen Brauen. Dazu gehörte ein Lächeln, dessen Mundwinkel sich leicht nach unten bogen und das dadurch umso heller wirkte. Der Blick einer Frau mit schulterlangen dunklen Haaren, in denen der Fahrtwind eine Extraschleife drehte, einer zierlichen Frau in taubenblauer Jacke und weißen Hosen. Sie gehörte nicht zu denen, die winkten. Sie warf ihren Blick wie ein Tau über die Armlänge Meer, und er machte sich mit einem doppelten Knoten in Kalles Erinnerung fest….

Sommergedicht 6 – Sommerliebe

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Sommerliebe
© Patricia Koelle

Mir ist als ob dein Name klingt
aus der Blüte, die im Winde schwingt,
als könnt ich alle Wege wagen
wenn sie nur deine Spuren tragen.

Die Sehnsucht spielt im Meeresrauschen.
Ich möchte meinen Traum nicht tauschen
mich wie der Sommer selbst zu fühlen
mit dir, dort wo die Wellen kühlen,

alle Schätze bergen aus den Tagen
und einfach niemals danach fragen
was die Zukunft wohl verspricht:
was nicht heut ist, zählt noch nicht,

denn heut ist jetzt und ewig gilt
mir dieser Zeit Erinnerungsbild –
dein Kuss, dein Blick, dein Tanz ,dein Wort,
uns wird Glücksheimat dieser Ort.

Der Himmel schickt uns ein Gedicht
aus rosarotem Wolkenlicht,
warmer Sand liegt uns zu Füßen
als wollte uns die Erde grüßen.

drachen

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