Sternenmusik

Gestern nacht war es sternenklar und sogar dunkel, für Berliner Verhältnisse, also viele Sterne und Sternbilder zu sehen, nicht nur der Große Wagen. Eine schmale Mondsichel schwamm hinter der frühlingsgrünen Buchenhecke und lieh ihr ein Schimmern. Es duftete dicht nach Flieder, Maiglöchchen und sommerwarmer Erde. Und dann fingen von unten am Fließ her die Nachtigallen an zu singen, rundum. Es war schon ein bißchen, als ob die Musik und die Sterne zusammengehörten. Und ich als Mensch kam mir recht überflüssig vor. Aber glücklich, lauschen und staunen zu dürfen.

Eine große Nachtmusik

Gestern gab es ein schweres Frühlingsgewitter, mit stundenlangem Donnergrollen und Blitztheater.
Nachts trat ich nochmal vor die Tür und fand mich in einem Märchenmoment. Alles war still und frisch, nur ein leises silbernes Tröpfeln klang im Hintergrund. Der Wind hatte Apfelblüten auf den Weg gestreut, die weiß durch die Nachtschwärze leuchteten. Ebenso waren die Magnolien- und Anemomenblüten ungeniert grandiose Echos der Sterne. Fliederduft lag greifbar dick über dem Garten.
Und dann fingen die Nachtigallen an zu singen. Sie hatten schon tagsüber kaum eine Pause eingelegt, doch jetzt, im Dunkeln und der Stille, war erst Magie in ihren unverwechselbaren fließenden, perlenden, treibenden Flötentönen. Erinnerung und Hoffnung, Tod und Leben, Trauer und Jubel, Abschied und Willkommen, alles gleichzeitig und noch mehr lag darin. Alles zusammen, der Gesang und der nächtliche Garten wurden zu einer einzigen großartigen Musik, dem Geschenk eines unvergesslichen Moments. Eine wortlose und für einen Augenblick glasklare Antwort auf die alte Frage nach dem Sinn des Lebens.

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