Afrika liegt in Berlin. Oder umgekehrt?

38 Grad. Bilder aus der Berlin-Wittenauer Savanne.

An diesem Sommer ist ungewöhnlich:
– die Frühstückseier lassen sich nicht schälen, weil das Wasser so warm aus der Leitung kommt, dass man sie nicht abschrecken kann
– ich werde kaum munter, weil das Wasser so warm aus der Leitung kommt, dass ich mich auch nicht abschrecken kann
– ich muss weniger waschen, weil man kaum Kleidungsstücke braucht und sehr schnell angezogen ist.
– die Wespen und die Vögel teilen sich einträchtig unser Vogelbad. Da kommen Vögel, die ich hier noch nie gesehen habe, z.B. wunderschöne Stieglitze.
– die Goldfische bekommen einen Sonnenbrand, wenn sie zu lange unter den Seerosenblättern hervorkommen
– die Konzentration läßt ziemlich nach, was ungünstig ist, wenn man 24 Stunden einen schwerstbehinderten Beatmungspatienten zu pflegen hat
– ich hatte noch nie einen solchen Heißhunger auf frische Luft und Regen
– ich habe Mitleid mit der Pizza im Backofen, weil ich jetzt weiß, wie sie sich fühlt
– ich brauche kein Unkraut jäten, denn wenn man darum herumgießt, stirbt es von allein.

Reichtum neben der Straße

Wenn es nicht bald regnet, sieht es schlecht aus für dieses große, dicke Sommergrün, das überschwänglich und schwer und zufrieden auf der Erde liegt als ein kaum begreifbarer Reichtum, nach dem wir uns im November schon wieder sehnen werden. Aber noch hält es jeden Winkel am Rand dieser lärmenden, stinkenden Stadt glücklich besetzt. Auf manchen Flächen verbrennt es bereits in ihrer Gnadenlosigkeit, und sogar das Unkraut welkt, aber ich sehe geflissentlich daran vorbei.
Noch ist Zeit für sommertief grüne Begegnungen.

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