Der Weihnachtsbaumsieg

Heute war der große Tag, an dem wir den Weihnachtsbaum gekauft haben. Für uns hat das jährlich eine ganz besondere Bedeutung: dass Peter es immer noch schafft, den Weihnachtsbaum nach Hause zu bringen.
Heute war eigentlich alles gegen uns. Der Elektrorollstuhl ist seit Wochen nicht in Ordnung. Etwas stimmt mit der Elektronik nicht, immer wieder fällt sie teilweise aus und dann geht gar nichts mehr. Aber da keine Werkstatt den Fehler findet, müssen wir damit leben. Außerdem sind unsere gewohnten Weihnachtsbaumhändler um die Ecke, die es gab seit ich denken kann, dieses Jahr nicht erschienen. Wir mussten also zum weiter weg gelegenen Baumarkt. Der aber hat eine sehr lange, extrem steile Einfahrt. Der Rolli kann das gerade noch bewältigen. Darum sind wir auch heute gefahren, trotz Regens und Kälte, denn wenn der angesagte Schneematsch erst kommt, geht das überhaupt nicht mehr. Der Regen ist allerdings auch nicht gut für den Rolli, und die Kälte nicht für Peter – die wenigen halb funktionstüchtigen Muskeln, die er noch hat, werden bei dieser Temperatur so steif, dass er kaum noch lenken kann.
Dort angekommen, stellten wir fest, dass in dem großen Baumarkt nur eine ganz kleine Ecke für den Tannenbaumverkauf gedacht war. Ohne die vom Weihnachtsbaumverkäufer gewohnte nette Bedienung und Beratung mit Zollstock. Die wenigen Bäume, die da lieblos hingeworfen waren, teils verpackt und sehr zerdrückt, sahen aus wie die Wirtschaftskrise persönlich – unten hungrig und oben herum sehr nackt.
Aber auf meinen persönlichen Weihnachts-Mann kann ich mich verlassen. Der fuhr ein paarmal im Kreis, nahm die armseligen Gewächse genau in Augenschein und sagte dann: „Der da hinten, der dritte von links unter den fünf krummen – der ist es!“
Ich zog ihn am Wipfel heraus – der ziemlich schief war, schüttelte, und wir stellten fest, dass das tatsächlich der einzig passable unter allen war. Nicht nur das, er hatte etwas ausgesprochen Individuelles und war sogar unten herum so schlank, dass er ins Wohnzimmer passt und Peter trotzdem noch vorbeifahren kann.
Wer braucht schon einen perfekten Baum – gerade wir doch nicht! Bei uns darf alles rein, was irgendwie ein bisschen schief, krumm oder anders ist. Mit diesem haben wir uns sofort verstanden.
Ich schob den Baum also durch den Trichter mit dem Netz – hatte ich auch noch nie gemacht, ging aber ganz leicht – und fand keine Schere, mit der man das Netzt hätte abschneiden können. Aber wozu waren wir in einem Baumarkt. Ich habe mir die teuerste Baumschere geschnappt und damit die Nylonfäden durchgesägt. Aber zurückgelegt habe ich sie nicht sondern für die anderen Kunden liegen lassen. Selber schuld, wenn weit und breit keine Bedienung da ist.
Nun brauchten wir nur noch Peters Hand wenigstens etwas aufwärmen und richtig an den Fahrhebel legen, den Baum hinten auf seinen Gepäckträger stellen, ich stützte die Spitze, und ab ging es, zur Kasse und dann die steile Einfahrt wieder rauf. Die Batterie vom Rolli ist auch nicht mehr so fit, schon gar nicht bei Kälte, aber sie hat es so gerade noch geschafft. Übrigens haben wir noch nie einen so billigen Baum bekommen. Da sie keiner ausgemessen hat, hatten sie einen Einheitspreis. „Der ist halt dies Jahr etwas kleiner, macht doch nichts“, meinte Peter. Nein – das macht wahrlich nichts! Hauptsache, meinem Schatz geht es so gut, dass solche Aktionen noch möglich sind. Alles andere ist mir sowas von egal – da kann der Baum meinetwegen auch dreißig Zentimeter hoch sein.

Wir sind auch bis nach Hause gekommen, zur Freude der Autofahrer über drei Ampeln hinweg. Es wirkt immer ein wenig wie eine Prozession.
Auf der Terrasse haben wir ihn wieder aus dem Netz befreit und erstmal an den Zaun gelehnt, wo wir ihn durchs Fenster sehen und uns jeden Tag daran freuen können bis wir ihn hereinholen.
Dann habe ich ihn ausgemessen. Und, was soll ich sagen? Wer meine Geschichte „Der Rollbaum“ kennt, wird nicht überrascht sein.
Der Baum ist ganz genau zwei Meter vierzig hoch. Wenn man sich die schiefe Spitze gerade denkt. Aber es gibt nichts, was wir besser können als das.
Auf der Terrasse, auf der er jetzt steht, blühen über dem Torbogen immer noch die Rosen unverzagt vor sich hin, obwohl wir wiederholt Frost und Schnee hatten. Ich werte das mal als ein sehr gutes Zeichen für unsere Liebe.

Aus meiner Geschichte „Der Rollbaum“ in „Der Weihnachtswind
(eine Geschichte, die sich wegen ihrer Kürze sehr gut zum Vorlesen eignet).

„Wenn im Dezember ein klarer Tag kommt, an dem die Welt winterhimmelblau leuchtet, dann sehen die Nachbarn in der Kranichstraße öfter aus dem Fenster als sonst. Sie wissen, dass an einem solchen Tag Johannes seine Weihnachtsmannmütze aufsetzt, seine Frau ruft und mit seinem Rollstuhl losfährt, um den Weihnachtsbaum zu holen.
Eine Krankheit hat Johannes die Schritte gestohlen, obwohl er noch jung ist. Aber zu seinem Weihnachtsbaum kommt er trotzdem. Dieser Baum soll mindestens so groß sein wie Johannes, wenn er aufrecht stünde. Und Johannes ist kein kleiner Mann. Innen ist er sogar noch größer. Vielleicht wird der Baum deswegen jedes Jahr ein Stückchen höher.
Der Elektromotor vom Rollstuhl brummt, als hätte sich eine Hummel aus dem Sommer verirrt, und unter den Reifen knirscht der Schnee. An den Bordsteinkanten muss Johannes vorsichtig sein und rückwärts fahren, sonst kippt der Stuhl um. Manchmal muss er auch Umwege fahren. Aber egal, wie lang es dauert, Johannes kommt an. Der Baumverkäufer freut sich schon, wenn er ihn von weitem sieht.
Johannes fährt auf den Platz voller Bäume und dreht sich ein paar Mal schweigend im Kreis. „Der da“, sagt er dann und zeigt auf einen, der ganz weit hinter den anderen am Zaun lehnt.
Der Verkäufer zieht den Baum heraus. „Stimmt“, sagt er anerkennend, „das ist der Schönste. Aber ist der nicht zu groß?“
„Der ist zwei Meter vierzig“, sagt Johannes, „der passt genau!“
„Der ist mindestens zwei achtzig“, sagt der Verkäufer und greift den Zollstock aus der Tasche. Dann schüttelt er den Kopf, denn der Baum ist auf den Zentimeter genau zwei Meter vierzig hoch. Johannes strahlt.
„Wie kommt der Baum jetzt nach Hause?“ fragt der Verkäufer, obwohl er die Antwort kennt. Er hört sie so gerne.
„Das macht mein Mann“, sagt Johannes’ Frau stolz.“

Wer wissen will, wie die Geschichte weitergeht, findet sie hier:

Weihnachtsgeschichten

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Adventskalender

Für alle Eltern mit kleineren Kindern, Omas mit Enkel, Tanten mit Nichten und Neffen etc. startet heute mein Adventskalender zum Vorlesen. Dazu gibt es ein Gewinnspiel.

Drachen

Es geht um einen kleinen Drachen und zwei Kinder. Wer will, kann heute schon mit der Vorgeschichte beginnen, und die Geschichte für den 1. Advent ist auch schon zu lesen. Jeden Tag wird eine Geschichte folgen.

Fissinor, Lukas, Lisa und ich freuen uns über jeden einzelnen Besuch. Wer Fissinor ist….? Nun, lest selbst…

Ein merkwürdiger Engel

Winterabende eignen sich hervorragend zum Vorlesen...

Noch viel schöner als Geschenke fand ich es früher, wenn mir in der Vorweihnachtszeit jemand Geschichten vorlas. Der ganze Zauber von Weihnachten entfaltete sich dadurch erst in meiner Phantasie. Das gehört zu meinen schönsten Erinnerungen, und ich würde diese Freude von damals, dieses helle Stück Kindheit, gern an Kinder von Heute weitergeben.
In meinem Buch „Der Weihnachtswind“ gibt es mehrere Weihnachtsgeschichten, die sich zum Vorlesen für Kinder eignen. Zum Beispiel diese:

Der verkehrte Engel

Jedes Jahr freute sich Sanni darauf, dass am ersten Advent das Engelsglockenspiel aufgestellt wurde.
Schon die Schachtel klapperte so aufregend, wenn Oma sie aus dem großen Karton holte. Oma kam jedes Jahr zum ersten Advent zu Besuch und blieb, bis das neue Jahr anfing. Weil Mama mit dem Backen soviel zu tun hatte, waren es Oma und Sanni, die für den Adventsschmuck zuständig waren. Es gab große Strohsterne, die mit spitzen Reißzwecken an die Wände geheftet wurden, und Lichterfiguren für die Fenster.
Aber am liebsten mochte Sanni das Engelsglockenspiel.
Es schimmerte golden. Unten war ein Teller mit vier Kerzenhaltern, in die Sanni rote Kerzen stellen durfte. In der Mitte steckte ein Stiel, und an diesem Stiel hingen drei Glocken. Ganz oben drauf kam ein Flügelrad, das sich drehte, wenn die Kerzen an waren.
Und an dieses Rad hängte Oma ganz zum Schluss das Allerwichtigste: fünf goldene Engel. Die Engel hielten jeder eine zarte Stange, mit der sie gegen die Glocken schlugen, wenn das Rad sich drehte. So ertönte eine feine, silberhelle Musik. Sanni spürte jedes Mal ein glückliches Kribbeln im Bauch, wenn das Klingeln anfing.
Oma und Vater konnten die Musik nicht mehr hören, weil ihre Ohren schon so alt waren. Das machte die Musik noch aufregender, weil sie fast nur für Sannis Ohren war, so als teile sie mit den Engeln ein Geheimnis.
Diesmal aber blickte der Vater streng auf das Glockenspiel, als sie beim Kaffee saßen und die erste Kerze auf dem Adventskranz leuchtete. „Da stimmt was nicht“, sagte er vorwurfsvoll. „Der eine Engel ist verkehrt!“
Tatsächlich hatte Oma den Engel falsch herum aufgehängt. Alle Engel flogen ordentlich vorwärts, nur dieser eine, der flog rückwärts. Sanni staunte, wie gut er das konnte.
Oma strich sich eine widerspenstige weiße Haarsträhne aus der Stirn und aß seelenruhig ihren Marzipanstollen. „Das macht gar nichts, wenn sich einer mal anders benimmt als alle anderen“, sagte sie. „Auch bei Engeln nicht.“
Mama versuchte, den Engel richtig herum zu hängen, doch der Engel war heiß von den Kerzenflammen, und sie konnte ihn nicht anfassen. Also flog er weiter rückwärts.
Am nächsten Tag, als die Kerzen aus waren, sah Sanni, wie der Vater den Engel sorgfältig richtig herum drehte.
Doch seltsam, als sie am zweiten Advent neue Kerzen anzündeten, flog der Engel wieder rückwärts. Vater schüttelte den Kopf. Oma aß Marzipanstollen. Und Sanni bewunderte den Engel. Sie fand ihn mutig.
„Oma“, fragte sie, „Engel, die rückwärts fliegen, laufen die auch rückwärts?“
„Ganz bestimmt laufen die rückwärts“, sagte Oma.
Vater pustete laut in seinen Kaffee.
Am Montag in der Schule schüttelte die Lehrerin den Kopf über Sanni. „Du sollst doch mit der rechten Hand schreiben, nicht mit der linken“, sagte sie. „Die anderen Kinder machen das auch alle so.“
„Das ist doch nicht schlimm“, sagte Sanni. „Es gibt sogar Engel, die sich anders benehmen als alle anderen.“
„Soso“, sagte die Lehrerin. “Ich dachte, gerade Engel sind besonders brav.“
Am Mittwochmorgen zeigte Jörg mit dem Finger auf Sanni und lachte sie aus. „Guckt mal, die Sanni kann sich noch nicht mal richtig anziehen!“
Sanni sah an sich herunter und merkte, dass sie ihre Jacke in der Eile verkehrt herum angezogen hatte.
„Na und“, sagte sie. „Es gibt schließlich sogar Engel, die verkehrt herum fliegen!“ Jörg lachte noch mehr, aber Sanni ließ sein Lachen einfach nicht in ihre Ohren, sondern stellte sich vor, es wäre das helle Klingeln der Engelsglocken.
Am Freitag sah sie, wie Rolf und Jörg auf dem Pausenhof mit harten Schneebällen nach dem kleinen Hajo warfen. „Seht mal, wie der Esel rennt!“ riefen sie. Hajos rechtes Bein war kürzer als das linke und auch nicht so kräftig. Wenn er rannte, sah es ein wenig aus wie ein Galopp.
Sanni nahm Hajo bei der Hand. „Lasst ihn in Ruhe!“ schrie sie. „Es macht nichts, dass er anders ist. Es gibt auch Engel, die anders laufen als alle anderen! Das sind ganz besondere Engel!“
„Die spinnt mit ihren Engeln“, sagte Jörg zu Rolf. „Hast Du schon mal ´nen Engel gesehen, der verkehrt herum fliegt?“
„Ich hab überhaupt noch keinen Engel gesehen“, sagte Rolf. „Die Sanni hat’n Knall.“
Als Oma Sanni ins Bett brachte, erzählte sie der Oma alles.
„Hmmm“, sagte Oma nur.
An diesem Sonntag brannten drei Kerzen auf dem Adventskranz, und der eine Engel flog immer noch rückwärts. Draußen schneite es zum ersten Mal in diesem Jahr.
Am Montag schneite es immer noch, und weil die Wolken so schwer und dunkel waren, wurde es gar nicht richtig hell. Mitten in der Mathestunde sprang Jörg, der am Fenster saß, plötzlich auf und zeigte aufgeregt nach draußen. „Da, seht mal!“ Die anderen rannten auch zum Fenster. „Kinder!“ rief die Lehrerin und schüttelte den Kopf. Niemand hörte ihr zu, also wurde auch sie neugierig und sah hinaus.
Draußen lief eine Gestalt über den Hof…

Wer wissen möchte, wie die Geschichte weitergeht, findet sie hier

Und damit niemand die Katze im Sack oder vielmehr die Wörter zwischen den Deckeln kaufen muß, stelle ich hier noch zwei weitere Geschichten aus dem Buch vor:

Der Weihnachtsspatz
Der Weihnachtsbaum war beinahe so groß wie die kleine Kirche, neben der die Menschen ihn aufgestellt hatten. Ganz auf der Spitze saß aufrecht ein Engel und breitete seine goldenen Flügel aus.
Auf dem Kirchturm saß ein kleiner Spatz und betrachtete den Engel. Der Spatz sah aus, wie alle Spatzen in allen Städten. Er war braun und fiel nicht weiter auf. Er hatte nicht einmal einen Namen. Jeden Tag flog er mit seinen Geschwistern und Freunden von Dach zu Dach und auf dem Marktplatz herum, und niemand beachtete ihn. Nur selten warf ihm ein Kind einen Krümel zu.
Der kleine Spatz wäre sehr gern ein Engel gewesen, ein Engel mit goldenen Flügeln, auch wenn der nur aus Plastik war.
„Möchtest Du mich für eine Weile vertreten, kleiner Spatz?“ fragte der Engel. „Ich habe nämlich etwas Wichtiges zu erledigen.“
Der kleine Spatz fiel vor Schreck fast von der Kirchturmspitze. Der Engel war ja gar nicht aus Plastik. Er war lebendig!
Der kleine Spatz konnte ja nicht wissen, dass die Engel auf den Weihnachtsbäumen, die neben Kirchen stehen, oft wirkliche Engel sind. Das ist deshalb praktisch, weil die Menschen ihre Sorgen meistens in der Kirche erzählen. So wissen die Engel gleich Bescheid, um wen sie sich kümmern müssen. Engel sind schließlich dazu da, den Menschen zu helfen, besonders an Weihnachten. Und zum Glück haben sie sehr gute Ohren.
„Du könntest für mich heute Nachmittag hier oben sitzen“, sagte der Engel. „Dann könnte ich zu einem kleinen Mädchen fliegen, das getröstet werden muss. Sie heißt Katja und ist im Herbst von einer Schaukel gefallen. Beide Beine hat sie sich gebrochen und muss nun schon so lange im Bett liegen, dass sie vor Langeweile sehr traurig ist.“
„Aber ich bin doch nur ein Spatz“, sagte der kleine Spatz verwundert. Es stimmte ja, dass er sich gerade goldene Flügel gewünscht hatte. Aber einen wirklichen Engel vertreten, das war doch was anderes. Er wusste nicht, ob er das konnte.
„Du brauchst bloß hier oben zu sitzen und die Flügel ausbreiten. Es wird niemandem auffallen“, sagte der Engel. „Die Menschen sehen, was sie sehen wollen. Niemand erwartet einen Spatz, wo ein Engel sein sollte. Außerdem können wir ein bisschen nachhelfen.“
Der Engel rückte also zur Seite und der kleine Spatz flog auf die Spitze des Weihnachtsbaums. Er musste sich gut festhalten, denn der Baum schwankte im Wind. Auf der Kirchturmspitze hatte sich der kleine Spatz sicherer gefühlt.
„Ein wenig aufrechter, bitte“, sagte der Engel. Der kleine Spatz streckte sich und plusterte sich auf, bis er größer aussah. „Und jetzt die Flügel ausbreiten“, sagte der Engel.
Der kleine Spatz breitete die Flügel aus.
„Gut“, sagte der Engel. Er griff in seine Hemdtasche und streute etwas über den kleinen Spatz. „Sternenstaub“, sagte der Engel. Der kleine Spatz sah an sich herunter. Seine Flügel glitzerten jetzt wunderschön golden. Vor Stolz machte er sich noch ein wenig größer.
„Das ist zwar geschummelt“, lachte der Engel, „aber die Menschen machen sowas auch. Sie nennen es schminken“. …

Als Johanna am Christkind zweifelte

…Dieses Jahr schien es noch länger zu dauern als sonst. Die Plätzchen waren schon alle und Onkel Richard hatte bereits fünf Kugeln fertig. Plötzlich ließ Johanna vor Schreck den Ring fallen, den sie gerade erst zusammengeklebt hatte. Ganz deutlich hatte sie gehört, wie auf der anderen Seite der Tür jemand die Leiter gerückt hatte! Sie kannte das Geräusch, denn Mutter brauchte diese Leiter ja immer zum Fenster putzen und Gardinen aufhängen. Die Gummifüße schrammten auf dem Parkett entlang und die Aluminiumsprossen klapperten. Dieses Geräusch konnte man nicht verwechseln.
Da konnte etwas nicht stimmen. Bis jetzt war es immer leise im Wohnzimmer gewesen. Man hatte höchstens ein wenig Papierrascheln und Flüstern gehört. „Onkel Richard“, sagte Johanna, „das Christkind braucht doch keine Leiter, oder? Das Christkind kann doch fliegen!“
„Na klar kann das Christkind fliegen.“
„Aber ich hab die Leiter gehört“, sagte Johanna.
„Also ich habe überhaupt nichts gehört“, sagte Onkel Richard. „Kannst du mal diesen Faden festknoten?“
Johanna knotete und dachte nach. Ob es am Ende gar kein Christkind gab? Vielleicht veräppelten die Erwachsenen sie nur und hingen die Lichterketten alleine auf. Klar, dass sie dann die Leiter brauchten.
„Und jetzt halt diese Kugel fest“, sagte Onkel Richard. „Nicht bewegen, sonst verrutschen die Klebestellen. Ich hole uns solange neue Plätzchen und einen Kakao.“
Er schlüpfte so geschickt durch die Tür, dass Johanna nicht an seinem Bauch vorbeigucken konnte. Sie hielt also die Kugel fest und dachte nach, und je länger sie nachdachte, desto sicherer wurde sie, dass nie ein Christkind das Wohnzimmer geschmückt hatte, sondern stattdessen jedes Jahr ihre Eltern und Tante Lina auf der Leiter herumturnten.
Onkel Richard war etwas länger weg, und als er wiederkam, brachte er einen ganzen Teller von Johannas Lieblingszimtsternen mit. „Das Christkind ist fast fertig“, sagte er etwas atemlos, so als wäre er die Treppe hinaufgerannt. Er roch sogar ein wenig nach Winterwind. „Stell dir vor, was passiert ist! Ich weiß jetzt, warum das Christkind dieses Jahr eine Leiter braucht.“ Herzhaft biss er in einen Zimtstern.
Johanna pustete in ihren Kakao und wartete ungeduldig, bis Onkel Richard heruntergeschluckt hatte.
„Das Christkind hatte nämlich einen Unfall!“ sagte er…

Gutenachtgeschichte für Kinder

Das Traumnest

© Patricia Koelle

„Du darfst noch mal zum Strand gehen, Daniel“, sagte Mama nach dem Abendessen. „Aber nur bis zu der schiefen Palme.“
Die schiefe Palme war Daniels Lieblingsplatz. Sie war so schief, dass man auf ihrem Stamm sitzen und mit den Beinen baumeln konnte wie auf einem Schaukelpferd.
Es waren Daniels erste Sommerferien. Danach würde er in die zweite Klasse kommen. Daniels Papa fand, dass die ersten Sommerferien etwas ganz Besonderes sind. Deswegen hatten sie in diesem Jahr eine weite Reise gemacht, in ein Land, in dem das Wasser im Meer so warm war wie in der Badewanne zuhause. Außerdem gab es da so viele Sterne am Himmel, dass es Daniel ganz schwindlig wurde, wenn er nach oben guckte.
Die Sonne fing gerade an, rot zu werden und unterzugehen, da sah Daniel von seinem Sitzplatz auf der Palme aus etwas sehr Großes, Dunkles aus den Wellen auftauchen. Es wurde immer größer. Ganz langsam krabbelte es an Land. Daniel vergaß vor Schreck beinahe zu atmen. Was, wenn es ein Seeungeheuer war?
Aber als es näher kam, fürchtete er sich nicht mehr. Oder höchstens ein bisschen. Das war ja eine Schildkröte! Er kannte Schildkröten, denn seine Tante hatte eine, die er manchmal mit Salat füttern durfte. Die war aber nur so groß wie seine Hand. Diese hier war so groß, dass Daniel darauf hätte reiten können. Ob sie doch gefährlich war?
Eigentlich sah sie nur sehr müde aus. Daniel sprang von der Palme und ging vorsichtig auf die Schildkröte zu.
„Hallo, ich bin Thea“, sagte diese leise.
Daniel staunte. „Warum kannst du sprechen?“, fragte er.
„Ich bin über hundert Jahre alt“, sagte sie, „ich habe schon sehr viele Menschen getroffen. Außerdem lernt man viel, wenn man so lange lebt.“
„Bist du deswegen so müde?“, wollte Daniel wissen.
„Ja, wahrscheinlich“, sagte Thea. „Bist du jemand, der ein Geheimnis bewahren kann?“
„Ich verpetze nie jemanden“, versicherte Daniel.
„Das ist gut“, meinte Thea. „Ich muss nämlich ein tiefes Loch graben, in das ich meine letzten Eier legen kann. Aber das ist sehr schwer, wenn man so alt und so langsam ist. Könntest du mir wohl helfen?“
Den Rest der Geschichte gibt es hier

Eine Weihnachtsgeschichte für Kinder

Das geheimnisvolle Geschenk
(c) Patricia Koelle

Kalli saß auf der Fensterbank und starrte in die grauen Wolken. Genauso schwer wie die aussahen fühlten sich auch seine Gedanken an. Seit Micha von nebenan weggezogen war, hatte er keinen Freund mehr gefunden, nicht nebenan und nicht in der Schule. Und dabei war das schon fast ein Jahr her! Ausgerechnet am Nikolaustag war es gewesen, dass der Umzugswagen um die Ecke bog und Micha endgültig fort war.
Der Winter war lang gewesen und der Sommer nicht so toll, und nun konnte er sich gar nicht auf Weihnachten freuen. Es machte keinen Spaß, alleine Ball zu spielen und Fahrrad zu fahren, und in der Schule stand er auf dem Pausenhof und schämte sich, weil ihn keiner fragte, ob er beim Einkriege mitmachen wollte. „Du musst einfach selber fragen, dann wird das schon“, sagte sein Vater. Aber so leicht war das eben nicht. Auch wenn Kalli allen Mut zusammen nahm und es versuchte, wollte einfach kein Wort herauskommen, wenn er den anderen gegenüberstand.
Es klopfte an seiner Zimmertür und Onkel Werner steckte den Kopf herein. „Ich wollte nur Tschüß sagen. Ich fahr doch morgen nach Island. In drei Wochen komm ich wieder, genau am Nikolaustag.“
„Tschüß“, brummelte Kalli.
„Nanu“, sagte Onkel Werner und kam nun doch herein. „Das klingt aber so gar nicht fröhlich. Was ist los? Freust du dich gar nicht, dass in kaum sieben Wochen Weihnachten ist?“
„Zu Weihnachten kriege ich doch auch keinen Freund“, sagte Kalli. Bei Onkel Werner kamen die Worte ganz leicht. Und das, obwohl der ziemlich groß war und eine tiefe Stimme und riesige Hände hatte. Onkel Werner war mutig. Er war schon in Australien tauchen gewesen und hatte Haifischzähne gefunden. Einen trug er jetzt an einer Kette um den Hals. Kalli durfte ihn manchmal anfassen. Wenn man mit dem Daumen darüber fuhr, war er ganz schön scharf. Manche von den Zähnen waren sogar zu Stein geworden, weil sie schon ewig im Meer gelegen hatten. Am liebsten hätte Kalli Onkel Werner und seine Haifischzähne mal mit in die Schule genommen. Das hätte die anderen Jungs bestimmt beeindruckt.
„Hmm. Island ist ja nicht weit weg vom Nordpol. Vielleicht kann ich ja mit dem Weihnachtsmann sprechen“, meinte Onkel Werner und zupfte sich nachdenklich am Bart, der dafür eigentlich zu kurz war. „Machs gut, Kalli.“ Weg war er. Aber die Wolken sahen auf einmal nicht mehr so dick aus.
Drei Wochen können ganz schön lang sein. Kalli konnte kaum abwarten, ob Onkel Werner tatsächlich den Weihnachtsmann treffen würde oder ihm wenigstens eine Nachricht schicken. Inzwischen schneite es nassen Matsch, und Kalli wurde auf dem Schulhof von den größeren Jungs eingeseift. Fast musste er weinen, denn in dem Matsch waren kleine Steinchen, die brennende Kratzer auf seiner Nase hinterließen. Die anderen lachten nur.
Am Nikolaustag saß Kalli wieder auf der Fensterbank neben dem großen Engel in dem weiten weißen Gewand, der in der Adventszeit hier stand seit Kalli denken konnte. Gedankenverloren aß einen Schokoladenschneemann, den er in seinem Stiefel gefunden hatte. Heute interessierten ihn die Wolken nicht. Er sah ungeduldig die Straße entlang. Nach und nach leuchteten an den Fenstern die Lichterketten und Sterne auf. Nun musste Onkel Werner doch kommen! Denn der hielt immer, was er versprach. Es war schon fast zu dunkel, um ihn zu sehen, als er endlich auftauchte. In der Dämmerung sah er noch größer aus, beinahe selbst wie der Weihnachtsmann. Tatsächlich hatte er auch seinen Bart wachsen lassen.
Kalli lief rasch hinunter und hüpfte ungeduldig von einem Bein auf das andere, während Onkel Werner sich mit seiner Mutter unterhielt. Während sie das Päckchen auspackte, dass sie mitgebracht bekommen hatte, zog er Onkel Werner am Ärmel. „Warst du beim Weihnachtsmann?“
„Pssst“, sagte Onkel Werner und zog ihn die Treppe hinauf. In Kallis Zimmer winkte er Kalli auf einen Stuhl und schloss sorgfältig die Tür. „Märchenhafte Geschenke müssen ihr Geheimnis behalten. Wenn jeder davon weiß, verlieren sie ihren Magie.“
„Was für ein Geschenk denn? Ich will doch einen Freund!“
„Immer mit der Ruhe. Noch ist ja nicht Weihnachten. Aber der Weihnachtsmann hat mir verraten, wie ich dir helfen kann. Und dann musste ich ganz schön lange suchen, um den Gegenstand zu finden, den er mir empfohlen hat. Island ist groß, und es liegen sehr viele Steine herum. Dazwischen einen ganz bestimmten zu entdecken ist gar nicht so leicht, wie du dir denken kannst. Oder hast du noch nie ein ganz bestimmtes Puzzlestück zwischen vielen anderen gesucht?“
„Doch, aber wozu brauchen wir denn einen Stein?“
„Das ist natürlich ein ganz besonderer Stein. Genau genommen ist es gar kein Stein.“ Das wurde ja immer geheimnisvoller. Onkel Werner legte ein kleines Päckchen in Kallis Hand. Es roch nach Onkel Werners Tabak und darin war etwas Schweres. Vorsichtig wickelte Kalli das blaue Seidenpapier ab.
Zum Vorschein kam tatsächlich ein flacher Stein. Er hatte genau dieselbe Farbe wie Kallis Hand. Und die Form – auf der einen Seite waren seltsame Löcher darin – und die Größe – nein, das konnte wirklich kein Stein sein. Es war …es war …. „Ein Ohr!“ rief Kalli und ließ es vor Schreck auf den Teppich fallen.
„Na, na“, sagte Onkel Werner und bückte sich danach. „Ein Ohr ist kein Haifischzahn. Das beißt nicht.“
„Aber Onkel Werner … wem gehört es denn? Man kann doch nicht einfach ein Ohr finden!“
„Auf Island schon!“ sagte Onkel Werner triumphierend. „Das ist ja das Tolle. Erinnerst du dich an die versteinerten Haifischzähne und an das, was ich dir von den Haifischen erzählt habe? Dass sie ihr Leben lang neue Zähne bekommen, wenn sie welche verlieren?“
„Klar, aber ….“
„Nix aber. Das ist bei manch anderen Lebewesen ähnlich. Bloß für die sind es nicht die Zähne, die am Wichtigsten sind. Sondern zum Beispiel die Ohren.“ Onkel Werner machte eine bedeutungsvolle Pause und gab Kalli den Stein zurück. „Und das hier ist ein Trollohr. Ein versteinertes natürlich.“
„Natürlich“, wiederholte Kalli verblüfft und drehte das Ohr hin und her. Es war ganz eindeutig ein Ohr. „Aber sind Trolle nicht böse?“
„Es gibt böse und es gibt freundliche. Wie bei den Haifischen übrigens auch. Aber es ist so: bei den bösen nutzen sich die Ohren nicht ab, denn sie hören den Menschen nicht zu sondern haben nur Unfug im Kopf. Aber die freundlichen Trolle bekommen soviel Wünsche und Geschichten zu hören, da brauchen sie manchmal neue Ohren, so wie die Haifische neue Zähne. Die alten verlieren sie einfach. Aber so wie die verlorenen Haifischzähne scharf bleiben – du hast dir ja an meinem schon mal den Daumen geritzt – so bleiben auch die Trollohren scharf und hören alles, was man hineinspricht. Trolle leben sehr sehr lange, viel länger als wir Menschen.“
„Und deshalb ist das Ohr schon zu Stein geworden?“

Versteinertes Trollohr

„Genau. Und da die Trolle durch die vielen Ohren, die nach ein paar Jahrhunderten Trollleben zusammenkommen, auch eine Menge erfahren, werden sie immer weiser und wissen zu allem einen Rat. Die meisten Ohren liegen natürlich zwischen den Steinen herum und niemand findet sie. Sonst könnte selbst den Trollen zuviel werden, was sie so alles erzählt bekommen. Aber wie Du siehst, habe ich Glück gehabt. Vermutlich war der Weihnachtsmann da nicht ganz unschuldig dran.“ Onkel Werner lehnte sich zufrieden in Kallis Schreibtischstuhl zurück, der gefährlich ächzte.
„Und was hilft mir das jetzt dabei, einen Freund zu bekommen?“
„Na, denk mal nach. Hast du noch nie bemerkt, dass Probleme kleiner werden oder sogar verschwinden, wenn man sie jemandem erzählt?“
Hmmm. Kalli dachte nach. Doch, er wusste, was Onkel Werner meinte. Gerade bei ihm hatte das schon öfter funktioniert. Zum Beispiel, als Kalli ihm von der Fünf in Mathe erzählt hatte. Da war das auf einmal gar nicht mehr so schlimm gewesen. Aber wenn man sich einen Freund wünschte, dann war das doch viel schwieriger.
„Siehst du, aber manchmal ist es ja auch gar nicht so einfach, jemandem von seinen Sorgen zu erzählen. Aber so einem Trollohr, dem kannst du alles erzählen. Das verrät ja nichts. Und es lacht dich auch nicht aus. Aber es hört immer zu!“
„Und dann darf man sich was wünschen? So wie bei Feen? Können Trolle auch zaubern?“
„Nein. Ein Troll ist ein Troll. Aber probiere es doch einfach aus. Der Weihnachtsmann wird sich schon etwas dabei gedacht haben, als er mir das für dich empfohlen hat. So, und nun muss ich runter zu deiner Mutter. Bestimmt schimpft sie schon, weil der Kaffee kalt wird.“
Kalli blieb sitzen und betrachtete das Trollohr. Er hatte es so lange in der Hand gehalten, dass es ganz warm geworden war. Es fühlte sich freundlich an, genau wie Onkel Werner behauptet hatte. Das mit den freundlichen Trollen war jedenfalls leichter zu glauben als das mit den freundlichen Haien. Ein bisschen komisch kam er sich schon vor, aber es war ja niemand hier. Vorsichtig hob er das Ohr an seinen Mund. „Ich wünsche mir so sehr einen Freund“, flüsterte er hinein. Er war sich nicht sicher, warum er flüsterte. Aber das Ganze war schließlich ein Geheimnis.
Und wohin jetzt mit dem Ohr? Ein Ohr steckt man nicht so einfach in die Hosentasche. Es durfte ja auch nicht zerbrechen, und in der Schule wurde sowieso alles geklaut. Kalli sah sich im Zimmer um. Der Engel! Der konnte darauf aufpassen, und falls der Troll, dem das Ohr gehörte, doch nicht so nett war, würde der Engel aufpassen, dass nichts Schlimmes passierte. Kalli steckte das Ohr in den weiten seidigen Ärmel. Er hatte mal gehört, wie Vater über Onkel Werner sagte: „Der hat immer noch ein As im Ärmel!“ Der Engel hatte jetzt also ein Trollohr im Ärmel. Ob das was nützen würde? …

Wie die Geschichte weitergeht, erfährt man hier:

Eine wunderschöne Reise für 10.80

Wer zuhause in der Kuschelecke eine traumhaft schöne und außerdem weihnachtliche Reise machen möchte, die über die Grenzen der Welt und des Daseins hinausgeht und trotz aller märchenhaftigkeit voll lebendiger und spannender Lebensweisheit ist, der kann das für 10.80 Euro und einen Klick mühelos tun:

Antonia Stahn: Die Reise vom gläsernen Baum zum blauen Planeten

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Kurzbeschreibung:
Die Reise vom gläsernen Baum zum blauen Planeten ist die Geschichte von Lucas, der seiner kleinen Schwester Laura in der Weihnachtszeit eine lange Geschichte erzählt. Es ist die Geschichte von der kleinen Seele Paul, die nach einem mehr als tausendjährigen Schlaf zur Erde reist, um die Frau zu suchen, die ihr das irdische Leben schenken wird. Es ist die Geschichte vom Engel Mimir, der seinem Schützling das Leben auf der Erde zeigt. Es ist eine Geschichte von den Menschen, von ihren guten und ihren schlechten Seiten. Es ist eine Geschichte voller Poesie und voller Liebe zum Leben und zu den Menschen.
Und als Zugabe gibt es eine Weihnachtsgeschichte von Max und Mäxchen und Borco, dem Hirtenhund.

Dieses Buch eignet sich bestens zum Vorlesen. Dabei wird es nicht nur die kleinen Zuhörer sondern auch den Vorleser verzaubern.
Wer sich und seinen Kindern oder Enkeln dieses Geschenk nicht macht, läuft Gefahr, etwas ganz Besonderes, Leuchtendes zu versäumen.

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