Der Weihnachtsbaum (Weihnachtsgedicht)

Der Weihnachtsbaum
© Patricia Koelle

Er ist aufrechter Mast auf meinem Lebensschiff
stets Brücke zwischen Himmel mir und Erde
von Mut und Zuversicht der leuchtend Inbegriff
und Wissen dass aus Winter Frühling werde.

Solang in frostig Zeit er jährlich neu erblüht
auf dunkle Stunden trauten Zauber breitet
und jede tapfre Flamme lange noch uns glüht
mein Lebenstraum sich neuen Kräften weitet.

Er trägt in sich aus Stille und aus grünem Duft
ein lichtes Meer auf dem ich lange segeln kann.
Das tiefe Glück mit Dir liegt heilig in der Luft
und dankbar lächeln wir in seinem Schein uns an.

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Der Baum ist wieder gerollt

Mein Liebster hat den Weihnachtsbaum geholt. Mit dem Rolli nach Hause gebracht, wie es sein soll, damit die Geschichte wieder stimmt:

„Leseprobe aus „Der Weihnachtswind
Der Rollbaum

Wenn im Dezember ein klarer Tag kommt, an dem die Welt winterhimmelblau leuchtet, dann sehen die Nachbarn in der Kranichstraße öfter aus dem Fenster als sonst. Sie wissen, dass an einem solchen Tag Johannes seine Weihnachtsmannmütze aufsetzt, seine Frau ruft und mit seinem Rollstuhl losfährt, um den Weihnachtsbaum zu holen.
Eine Krankheit hat Johannes die Schritte gestohlen, obwohl er noch jung ist. Aber zu seinem Weihnachtsbaum kommt er trotzdem. Dieser Baum soll mindestens so groß sein wie Johannes, wenn er aufrecht stünde. Und Johannes ist kein kleiner Mann. Innen ist er sogar noch größer. Vielleicht wird der Baum deswegen jedes Jahr ein Stückchen höher.
Der Elektromotor vom Rollstuhl brummt, als hätte sich eine Hummel aus dem Sommer verirrt, und unter den Reifen knirscht der Schnee. An den Bordsteinkanten muss Johannes vorsichtig sein und rückwärts fahren, sonst kippt der Stuhl um. Manchmal muss er auch Umwege fahren. Aber egal, wie lang es dauert, Johannes kommt an. Der Baumverkäufer freut sich schon, wenn er ihn von weitem sieht…“

Der Baumverkäufer allerdings war schon im letzten Jahr pleite. Jetzt müssen wir den Baum aus dem Baumarkt holen, wo er zwar deutlich billiger ist, man aber nicht bedient wird, und die Auswahl ist sehr bescheiden. Daher haben wir das heute gemacht, solange noch was da ist und das Wetter so warm und trocken. Meine bessere Hälfte hat natürlich wieder auf den ersten Blick in dem Chaos dort den einzigen passenden und schönsten Baum geortet. Und die Rollibatterie hat die Last auch verkraftet, obwohl wir die steile Auffahrt hinauf mußten und bestimmt wieder ein Bild für Götter abgegeben haben.
Nun, Weihnachten kann kommen!

Nicht vom Himmel (Weihnachtsgedicht)

Nicht vom Himmel

© Patricia Koelle

Es dreht ein Stern am Weihnachtsbaum
sich leis in kerzenwarmer Luft
wirft alten Glanz neu in den Raum
der heut verstohlen nach mir ruft

Es schnitt ihn einst, ich glaub es kaum
aus Folie meine Kinderhand
und wundersam am hohen Baum
er stets fortan sein Plätzchen fand

Nun malt er Schatten in den Raum
von allem, was an Hellem war
in ihm lebt ewig mancher Traum
am feinen Faden Jahr für Jahr

So muss man nicht vom Himmelssaum
die Sterne wohl sich raffen
man kann ganz ohne Engelsflaum
sie selber auch erschaffen

In einer Woche ist der erste Advent! Hier gibt es einen kostenlosen Vorlese-Adventskalender für kleinere Kinder!

Der Weihnachtsbaumsieg

Heute war der große Tag, an dem wir den Weihnachtsbaum gekauft haben. Für uns hat das jährlich eine ganz besondere Bedeutung: dass Peter es immer noch schafft, den Weihnachtsbaum nach Hause zu bringen.
Heute war eigentlich alles gegen uns. Der Elektrorollstuhl ist seit Wochen nicht in Ordnung. Etwas stimmt mit der Elektronik nicht, immer wieder fällt sie teilweise aus und dann geht gar nichts mehr. Aber da keine Werkstatt den Fehler findet, müssen wir damit leben. Außerdem sind unsere gewohnten Weihnachtsbaumhändler um die Ecke, die es gab seit ich denken kann, dieses Jahr nicht erschienen. Wir mussten also zum weiter weg gelegenen Baumarkt. Der aber hat eine sehr lange, extrem steile Einfahrt. Der Rolli kann das gerade noch bewältigen. Darum sind wir auch heute gefahren, trotz Regens und Kälte, denn wenn der angesagte Schneematsch erst kommt, geht das überhaupt nicht mehr. Der Regen ist allerdings auch nicht gut für den Rolli, und die Kälte nicht für Peter – die wenigen halb funktionstüchtigen Muskeln, die er noch hat, werden bei dieser Temperatur so steif, dass er kaum noch lenken kann.
Dort angekommen, stellten wir fest, dass in dem großen Baumarkt nur eine ganz kleine Ecke für den Tannenbaumverkauf gedacht war. Ohne die vom Weihnachtsbaumverkäufer gewohnte nette Bedienung und Beratung mit Zollstock. Die wenigen Bäume, die da lieblos hingeworfen waren, teils verpackt und sehr zerdrückt, sahen aus wie die Wirtschaftskrise persönlich – unten hungrig und oben herum sehr nackt.
Aber auf meinen persönlichen Weihnachts-Mann kann ich mich verlassen. Der fuhr ein paarmal im Kreis, nahm die armseligen Gewächse genau in Augenschein und sagte dann: „Der da hinten, der dritte von links unter den fünf krummen – der ist es!“
Ich zog ihn am Wipfel heraus – der ziemlich schief war, schüttelte, und wir stellten fest, dass das tatsächlich der einzig passable unter allen war. Nicht nur das, er hatte etwas ausgesprochen Individuelles und war sogar unten herum so schlank, dass er ins Wohnzimmer passt und Peter trotzdem noch vorbeifahren kann.
Wer braucht schon einen perfekten Baum – gerade wir doch nicht! Bei uns darf alles rein, was irgendwie ein bisschen schief, krumm oder anders ist. Mit diesem haben wir uns sofort verstanden.
Ich schob den Baum also durch den Trichter mit dem Netz – hatte ich auch noch nie gemacht, ging aber ganz leicht – und fand keine Schere, mit der man das Netzt hätte abschneiden können. Aber wozu waren wir in einem Baumarkt. Ich habe mir die teuerste Baumschere geschnappt und damit die Nylonfäden durchgesägt. Aber zurückgelegt habe ich sie nicht sondern für die anderen Kunden liegen lassen. Selber schuld, wenn weit und breit keine Bedienung da ist.
Nun brauchten wir nur noch Peters Hand wenigstens etwas aufwärmen und richtig an den Fahrhebel legen, den Baum hinten auf seinen Gepäckträger stellen, ich stützte die Spitze, und ab ging es, zur Kasse und dann die steile Einfahrt wieder rauf. Die Batterie vom Rolli ist auch nicht mehr so fit, schon gar nicht bei Kälte, aber sie hat es so gerade noch geschafft. Übrigens haben wir noch nie einen so billigen Baum bekommen. Da sie keiner ausgemessen hat, hatten sie einen Einheitspreis. „Der ist halt dies Jahr etwas kleiner, macht doch nichts“, meinte Peter. Nein – das macht wahrlich nichts! Hauptsache, meinem Schatz geht es so gut, dass solche Aktionen noch möglich sind. Alles andere ist mir sowas von egal – da kann der Baum meinetwegen auch dreißig Zentimeter hoch sein.

Wir sind auch bis nach Hause gekommen, zur Freude der Autofahrer über drei Ampeln hinweg. Es wirkt immer ein wenig wie eine Prozession.
Auf der Terrasse haben wir ihn wieder aus dem Netz befreit und erstmal an den Zaun gelehnt, wo wir ihn durchs Fenster sehen und uns jeden Tag daran freuen können bis wir ihn hereinholen.
Dann habe ich ihn ausgemessen. Und, was soll ich sagen? Wer meine Geschichte „Der Rollbaum“ kennt, wird nicht überrascht sein.
Der Baum ist ganz genau zwei Meter vierzig hoch. Wenn man sich die schiefe Spitze gerade denkt. Aber es gibt nichts, was wir besser können als das.
Auf der Terrasse, auf der er jetzt steht, blühen über dem Torbogen immer noch die Rosen unverzagt vor sich hin, obwohl wir wiederholt Frost und Schnee hatten. Ich werte das mal als ein sehr gutes Zeichen für unsere Liebe.

Aus meiner Geschichte „Der Rollbaum“ in „Der Weihnachtswind
(eine Geschichte, die sich wegen ihrer Kürze sehr gut zum Vorlesen eignet).

„Wenn im Dezember ein klarer Tag kommt, an dem die Welt winterhimmelblau leuchtet, dann sehen die Nachbarn in der Kranichstraße öfter aus dem Fenster als sonst. Sie wissen, dass an einem solchen Tag Johannes seine Weihnachtsmannmütze aufsetzt, seine Frau ruft und mit seinem Rollstuhl losfährt, um den Weihnachtsbaum zu holen.
Eine Krankheit hat Johannes die Schritte gestohlen, obwohl er noch jung ist. Aber zu seinem Weihnachtsbaum kommt er trotzdem. Dieser Baum soll mindestens so groß sein wie Johannes, wenn er aufrecht stünde. Und Johannes ist kein kleiner Mann. Innen ist er sogar noch größer. Vielleicht wird der Baum deswegen jedes Jahr ein Stückchen höher.
Der Elektromotor vom Rollstuhl brummt, als hätte sich eine Hummel aus dem Sommer verirrt, und unter den Reifen knirscht der Schnee. An den Bordsteinkanten muss Johannes vorsichtig sein und rückwärts fahren, sonst kippt der Stuhl um. Manchmal muss er auch Umwege fahren. Aber egal, wie lang es dauert, Johannes kommt an. Der Baumverkäufer freut sich schon, wenn er ihn von weitem sieht.
Johannes fährt auf den Platz voller Bäume und dreht sich ein paar Mal schweigend im Kreis. „Der da“, sagt er dann und zeigt auf einen, der ganz weit hinter den anderen am Zaun lehnt.
Der Verkäufer zieht den Baum heraus. „Stimmt“, sagt er anerkennend, „das ist der Schönste. Aber ist der nicht zu groß?“
„Der ist zwei Meter vierzig“, sagt Johannes, „der passt genau!“
„Der ist mindestens zwei achtzig“, sagt der Verkäufer und greift den Zollstock aus der Tasche. Dann schüttelt er den Kopf, denn der Baum ist auf den Zentimeter genau zwei Meter vierzig hoch. Johannes strahlt.
„Wie kommt der Baum jetzt nach Hause?“ fragt der Verkäufer, obwohl er die Antwort kennt. Er hört sie so gerne.
„Das macht mein Mann“, sagt Johannes’ Frau stolz.“

Wer wissen will, wie die Geschichte weitergeht, findet sie hier:

Weihnachtsgeschichten

Wie man der Liebe und einem Wünschwas begegnet

Tegeler Fließ

Sind Sie schon einmal einem Wünschwas begegnet?

„…Verwirrt schaute Udo sich um. Im ersten Moment glaubte er, dass jemand einen Schneeball nach ihm geworfen hatte, aber nein, dafür war dieses Etwas viel zu schnell gewesen und zu hart gelandet.
Vorsichtig ging er näher und sah ein Männlein aus einem Einschlagkrater kriechen. Es rappelte sich auf, hustete und klopfte sorgfältig den Schnee von seinem blauen Mantel. Danach strahlte es Udo an. „Hallo!“…
Vor Weihnachten ein Wünschwas zu treffen, macht das Leben leichter. Oder etwa doch nicht?
Diese humorvolle, überraschende und weise Geschichte von Sabine Ludwigs ist auch dann ein Geschenk, wenn einem eine solche Begegnung nicht vergönnt ist.
In dem Buch „Weihnachtsgeschichten Band 3“ gibt es noch zwei weitere bezaubernde Geschichten von ihr sowie Geschichten von weiteren Autoren.

Auch von mir sind drei Geschichten enthalten. Eine erzählt von dem Beginn einer Liebe, die es ohne Weihnachten nie gegeben hätte:

Weihnachtliche Schatzsuche
Patricia Koelle

„Jana Dessin konnte sich nicht vom Fenster losreißen. Eigentlich war es kein Tag, an dem man freiwillig hinaus schaut. Es war Mitte Januar, kalt, windig und traurig grau, denn es lag kein Schnee. Auf der Straße war nur unterwegs, wer es nicht vermeiden konnte. Bis auf den Mann, den Jana nun schon eine Weile beobachtete. Er hatte einen dunklen Haarkranz mit eleganten weißen Schläfen, und einen Bart, in dem sich das Weiß mit dem Dunkel mischte. Schlank und aufrecht war er, aber sie vermutete, dass er genau wie sie auf die Sechzig zuging. Sie beobachtete ihn jedoch nicht, weil sie ihn attraktiv fand, sondern weil sie zu gern gewusst hätte, was er da nur trieb. Es sah aus, als ginge er Gassi mit einem Hund, der an jedem Baum stehen blieb, nur: sie konnte keinen Hund entdecken. Gestern schon war ihr dieses seltsame Verhalten aufgefallen. Kurz entschlossen zog sie ihre Jacke an und ging hinunter. Eigentlich hatte sie sowieso einen Spaziergang machen wollen, sie hatte sich nur nicht aufraffen können. Als sie aus der Haustür kam, stand er gebückt über einem der weggeworfenen Weihnachtsbäume, die in Haufen an der Bordsteinkante lagen, und tastete darin herum…“

„Die Wunschkerzen“ erzählt davon, wie uns nahestehende Menschen, die nicht mehr da sind, auf geheimnisvolle Weise dennoch anwesend sein können:

„…Das Geschichtenerzählen begann nach der Bescherung. Sämtliche elektrischen Lichtquellen im Haus wurden ausgeschaltet, selbst das Aquarium und die Küchenlampe, die sonst durch den Flur geschimmert hätte. Dann suchte sich jeder von uns unter den über dreißig Kerzen eine aus, von der er glaubte, dass sie als letzte verlöschen wurde. Meine Eltern, Oma Rena, die eine oder andere anwesende Tante, mein Bruder, meine Schwestern, jeder traf seine Wahl mit Gründlichkeit und Bedacht. Ich hatte es da meist am Leichtesten; irgendeine bestimmte Kerze schien mich jedes Mal anzuzwinkern als sei eine Freundschaft zwischen uns. Allerdings habe ich nie Recht behalten.
Nach etwa zwei Stunden waren die ersten Kerzen aus, aber es dauerte stets noch eine weitere Stunde, bis auch die letzte Flamme das Wachs aufgebraucht hatte. Mit jeder, die das Dunkel verschluckte, mehrten sich die Schatten und die Geschichten wirkten geheimnisvoller, bis auch das Erzählen verlöschte und wir nur noch mit fast angehaltenem Atem auf die tapfersten Kerzen blickten.

Und in
„Wenn Weihnachten einen Haken hat“ wird das Geheimnis gelüftet, was jemand fangen kann, der mit einer Angel ohne Köder an einem zugefrorenen Fluß sitzt.

„…Fips formte einen Schneeball, warf ihn an den Stamm einer Kiefer und malte versonnen mit dem Finger ein Gesicht hinein. Die Weihnachtsbäume seiner Kindheit würde ohnehin niemand mehr hinbekommen. Nur zarte Strohsterne und weiße und durchsichtige Kugeln wie Seifenblasen, ein klein wenig Lametta und ein paar geschnitzte Holzfiguren. Echte Äpfel. Und der Duft, der in den Zweigen hing, fast als könne man ihn sehen, wie Spinnweben.
Als er weiterging, entdeckte er den Mann. Gebeugt saß der im Schnee auf der Böschung, in einen langen Mantel gehüllt, und starrte unbewegt auf den Kanal. Neben ihm steckte eine Angel in einem Schneehaufen. Fips wusste, dass es Angler gab, die ein Loch in das Eis bohrten und im Winter die besten Fische herausholten. Doch die saßen für gewöhnlich nicht an Heiligabend nachts um einundzwanzig Uhr am Wasser. Und vor allem nicht, wenn gar kein Loch im Eis war. Die helle Fläche war ungebrochen, und der Haken baumelte wurmlos wenige Zentimeter darüber.
Fips blieb stehen. „Frohe Weihnachten! Kann ich Ihnen helfen?“…

Und wer die letzte Geschichte in dem Buch nicht liest, bleibt ein klein wenig ärmer als nötig. Sie stammt aus der Feder Nicole Dallingers und erzählt von einem kleinen Jungen, der einen dringenden Brief an das Christkind schreibt und an Heiligabend eine Antwort bekommt, die jeder von uns schon einmal gesucht hat. Eine Leseprobe dieser Geschichte findet man hier.

Wer noch mehr über das Buch erfahren möchte, findet eine ausführliche Zusammenfassung hier.

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