Septemberpfützen-Schimmer (Gedicht)

Der Text von vorgestern rollte sich nachts in meinem Traum zu einem Gedicht zusammen. Das Gedicht wuselte den Tag über wie ein aufgeschrecktes Eichhörnchen in meinem Kopf herum weil einige Zeilen metrisch nicht funktionieren wollen. Erst durch die schnelle, kundige und großzügigige Hilfe meiner geduldigen Lehrmeisterin Claudia Sperlich erhielt es Schliff.
Claudia Sperlich wuchs dichtend auf. Von ihr und ihrem Vater sind gerade zwei wunderschöne Gedichtbände erschienen:
Martin Sperlich – Im Verse wird das Schwere leicht
Claudia Sperlich – Mit Deinen Flügeln will ich fliegen
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Besuch im Herbst
(c) Patricia Koelle

Erinnerung legt unsichtbare Bilder
uns flüchtig auf die herbstlich kühlen Gleise
ich kenne deinen Schritt schon aus der Ferne
du trittst für alles ein auf deine Weise

Du hebst die Welt mir heut noch aus den Angeln –
mit deinem Lachen konntest du das immer –
hängst sie mir bunter, größer, wieder auf
gespiegelt im Septemberpfützen-Schimmer.

Der Friedhof drüben ist ein stummer Zeuge:
dort wachen steinern unvergänglich Raben
Jahrzehnte über Leben und Geschichten
die sie uns ungeniert im Voraus haben.

Ein Krokus keimt darunter schon den Frühling
Gewesenes erscheint mir wie geträumt
doch deine Stimme ist so tief vertraut
auf Goldgrund tritt der Abend lichtgesäumt.

Die alten Blätter fallen still und langsam
beim Abschied. Unsern Zeiten bleiben Reste.
Wir halten uns für einen Augenblick,
als stiegen sie so wieder an die Äste.

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