Wiesenschätze

Da ich in letzter Zeit viel über Blumen und Insekten auf dem Dudweiler Anger gesehen und gelesen habe, war ich heute mal auf der nächstgelegenen Berliner Wiese um nachzusehen, was dort so los ist. Am Schönsten waren der Duft und der Gesang der Nachtigallen (die, entgegen der landläufigen Meinung, auch bei heller Sonne singen!), aber beides ging leider nicht aufs Foto…

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Hingegen war ich sehr erfreut über die wilde Möhre, die ich erstens schön finde (im Dunkeln bzw. Mondlicht leuchtet sie wie Sterne) und die zweitens eine der Futterpflanzen für die Raupen des Schwalbenschwanzes ist, eines seltenen und wunderschönen Schmetterlings, den ich zwar schon gesehen, aber nicht vor die Linse bekommen habe. Aber je mehr Wilde Möhre, desto größer wird die Chance.

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Immerhin fand ich statt der Schmetterlinge Käfer.
Der hier ist beim Essen.

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Und der wollte nicht wirklich still halten.
Eine nette alte Dame kam vorbei, die mich fragte, was ich da mache. Ich wollte sie für die kleinen Wunderwerke begeistern, für die ich die Käfer halte – aber sie ergriff kopfschüttelnd die Flucht. Ich glaube nicht, dass sie mich für ganz gesund hielt. Sie hätte mir sicher nicht geglaubt, dass ich den Präsidenten des Abgeordnetenhauses Walter Momper kürzlich dazu überreden konnte, für unser Buch „Mauerstücke – Erinnerungsgeschichten“ ein Vorwort zu schreiben.

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Natürlich habe ich auch unseren Freunden, den Pusteblumen etwas Aufmerksamkeit gewidmet.

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Und den vielen anderen Blümchen.
Storchschnabel

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Hahnenfuß

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Männertreu – unter dem Namen kenn ich es, aber vielleicht heißt es auch anders, da die Gartenlobelien ja auch Männertreu genannt werden

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Und die nächsten Blumen kenne ich nicht

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Dann war da natürlich der Klee

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und die herzförmigen Samen von Hirtentäschelkraut

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Hier hat vermutlich eine Art Gallwespe ihre Eier hinterlegt

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Schön ist aber auch, einfach nur mal den Hauptbestandteil einer Wiese zu betrachten, die Gräser nämlich, für die ich eine ganz besondere Schwäche habe.

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Wiesen machen mich glücklich. Und warum sie etwas ganz Besonderes sind und nie etwas selbstverständliches, erfährt man hier

Pusteblumengedichte

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Pusteblumengeschichte
(c) Patricia Koelle

Es wuchsen leichte Träume
aus sonnengelber Blüte.
Es waren mutig viele
von bester, zarter Güte.

Es steckten Samenfahnen
in einem weißen Kissen.
Sie harrten dort der Reife
in eignem heitren Wissen.

Es flogen helle Tage
dann war die Zeit gekommen.
Ein Lüftchen rief und lockte
das hat sie aufgenommen.

Es führt auf neue Wege
und trägt die Träume leise
und treibt sie in die Weite
auf neugierige Reise.

Es findet jeder seinen Ort.
Der Sommer wird bezeugen
wie kleine Träume sich erfüllen
und nicht dem Schicksal beugen.

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Evolution
(c) Patricia Koelle

Pusteblumen trieben durch Weiten
durch Länder und durch Zeiten
schon ehe die Menschen standen
und zu den Worten fanden.
Der Löwenzahn er blüht und blüht.
Der Mensch derweil ist stets bemüht
sein Dasein eifrig zu verwalten,
die Existenz ganz fest zu halten.
Doch wenn dieses nicht mehr geht
und unsere Spuren längst verweht
lassen lang noch unbeirrt,
von keiner Änderung verwirrt,
helle Samen sich vom Winde leiten
durch die Länder und die Zeiten.
Es wird sein leichter Zauber leben
und der Erde Farbe geben:
denn es übertrifft der Löwenzahn
mit Schlichtheit unseren Größenwahn.

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Noch ein schönes Pusteblumenbild gibt es hier.

Wintergeheimnisse

Heute konnte Peter aus gesundheitlichen Gründen nicht aus dem Haus sondern mußte an der Beatmungsmaschine bleiben, und wir waren traurig, weil es vielleicht der letzte warme, goldene Herbsttag war. Aber wir haben uns damit getröstet, dass ich Blumenzwiebeln gepflanzt habe: kleine vielfältige Geheimnisse, die nun im kalten Boden versteckt den Winter über träumen können und sich zu regen beginnen, lange ehe man den Frühling ahnt. Weiße und gelbe Buschwindröschen um die Bänke herum, Schneeglanz, Hasenglöckchen und Sternblumen unter die Buchenhecke, frühe Tulpen und Iris in die Beete, Narzissen in die Töpfe, Elfenkrokus zum Verwildern auf die Wiese. So wünsche ich mir auch die Wirkung meiner Geschichten: Sie schlummern zwischen den Buchseiten, unsichtbar, in irgendwelchen Regalen im Verlag, bei Amazon, beim Käufer, bis irgendjemand das Buch aufschlägt. Dann fangen sie an zu leben und treiben für eine kurze Weile kleine helle Blüten im Denken des Lesers. Vielleicht verschenkt sie jemand wie einen Blumenstrauß, denn sie halten viel länger und kosten auch kaum mehr, wie eine Amazon-Leserin schrieb.
Heute war ein Tag, wie ich ihn mal in einer Geschichte beschrieben habe:
„Im Herbst wird ein Augenblick kommen, an dem der Himmel selbst den Atem anhält. Denn wenn er es schließlich wagt, auszuatmen, ist Winter. Die Blätter hängen nur noch wie ein Nachklang an der Linde, ein zartgelbes Echo des flachen Sonnenlichts. Nichts bewegt sich; unsere Fahne, die wir über dem Leben gehisst haben, hängt still an ihrer Stange. Die Meisen wagen es kaum, sich auf die fast kahlen Äste zu setzen, sondern hocken regungslos auf dem Zaun.
Wenn der Himmel ausatmet und dieser Atem die Wipfel berührt, immer schneller bis auf den Boden fegt, wird ein plötzliches erstauntes Frösteln durch alles gehen, und die Bäume stehen nackt, während ihre Farben sich auf eine Reise machen und anderswo in die Zukunft verwandeln.
Es wird der letzte warme Tag sein, und wir staunen ihn in die Länge, halten uns aneinander fest und sprechen leise, um den Wind nicht zu wecken. Wir streifen uns gegenseitig die Spinnweben aus den Haaren, klebrige, haltbare Fäden, die uns überall begegnen und in welchen Nebeltropfen silbern blinzeln wie ein Augenzwinkern und ein Versprechen.
Auch der Tau im gebeugten Gras nimmt dem Abschied den Ernst durch sein Funkeln. Der niedrige Mittag ist nicht mehr stark genug, ihn zu trocknen. Doch die Zitronenbäume in ihren Kübeln blühen ein zweites Mal und tragen gleichzeitig reife Früchte, wie um zu zeigen, das alles geht, immer, gleich was der Himmel sagt.“
Das ist aus dem Text „Des Sommers leichte Fragezeichen“ in dem Buch „Philosophischer Garten„, einem Buch für Gartenfreunde und Gartendenker.
Auch morgen ist noch nichts zu Ende, und dann werden wir wieder beide draußen im Herbst unterwegs sein, Peter und ich, während die Blumenzwiebeln in der Erde kleine Frühlingsverprechen sind.

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