Frühe Minusgrade (Gedicht)

Frühe Minusgrade
(c) Patricia Koelle

In atemlos erstaunter Stille lief
heut erster Frost durch überraschte Nacht
und hat eiskalt die späte schwüle Pracht
der Dahlien angezählt. Sie hängen tief.

Aus zitternd goldnem Licht gebaut
erschien uns gestern noch die Stadt
bis Winterahnung sie erschüttert hat.
Die Blätter fallen, fallen ohne Laut

und Erde trägt nun flüchtiges Gewand
das, in der Geisterstunde weich gestürzt,
bunt wärmend unser tiefes Schauern kürzt:
noch hält das Leuchten trotzig stand.

Die wilden Gänse schwatzen, treiben
sich plötzlich eiliger nach Süden
eh sie im Morgen doch ermüden.
Sich fremd gewordne Schwäne bleiben.

Nur für die Stunde des Erwachens
trägt dunkles Wasser zarte Haut –
malt Brüche, Falten, gluckert, taut
als Echo eines Sommerlachens.

Die letzten Mücken tanzen aufgewühlt
wo rau auf schreckerstarrten Gräsern klebt
der Glanz des Reifs, der unsre Sehnsucht hebt,
hell dekoriert und sanft verhüllt – und kühlt.

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Lesestoff (Frühlingsgedicht)

Lesestoff
(c) Patricia Koelle

Der Winter schreibt weiße Gedichte
verlangsamt die inneren Uhren
macht vertraute Formen zunichte
mein Schritt zeichnet zweifelnde Spuren

Dein Abschied schrieb weiße Gedichte
sie flüstern in Nebel und Meer
ich warte, dass Trauer sich lichte
vom tieferen Lesen her.

Die Erde hüllt sich in Gleißen
während Sonne brennt, jenes zu lesen
was Schatten erzählen auf Weißem
doch schneller ist Frühling gewesen

Die Wiesen schreiben weiße Gedichte
von Pusteblumen und wilder Möhre
Sonne ist Zeuge einer hellen Geschichte
in der ich die Stille höre.

Leben im Eis

Bei eisigem Verdruß
ist mir das Grün begegnet
als hätt es sanft geregnet
und alles kommt in Fluß.

Die Sonne hat sich zum ersten mal in disem Jahr wenigstens ansatzweise durch den Dunst gezeigt. Ich war bei minus elf Grad und scharfem Ostwind im Fließ unterwegs und konnte die Kamera, die man bei solchen Temperaturen eigentlich nicht benutzen soll, immer nur kurz unter der Jacke hervorholen. Viel kam nicht dabei heraus. Aber über diese unverhofften unbekümmert grünen Blätter und das Wasserloch unter der Weide, wo die durstigen Vögel trinken können, habe ich mich gefreut.
Den Rest des Spaziergangs und noch ein albernes Wintergedicht findet man
hier

Tauwetter (Vorfrühlingsgedicht)

Tauwetter
(c) Patricia Koelle

Noch kühlt der Schnee
das schnelle Leben,
es ruht die Spree
im Großstadtstreben.

Weiß stäubt Kinderübermut.
Die Schwäne frösteln still.
Alte suchen Glühweinglut,
doch junges Grünen will:

denn etwas sprießt
nebst eisig Litze –
wie Frühling liest
sich Grases Spitze.

Winterling ist schon befugt
damit es heller werde,
Schneeglöckchen freundlich lugt
aus aufgebrochner Erde.

Gegen Murren
hebt sich Ahnen
von Fliegensurren,
Wolkenfahnen.

Kleine Albernheit

Ist um den Mensch die Welt ganz weiß
zahlt er für Sonne jeden Preis,
doch ist’s im Sommer wirklich heiß
sehnt er prompt sich nach dem Eis.
So drehn wir munter uns im Kreis.
Das Universum lächelt leis.
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Das Bild ist eine Panoramaaufnahme des Herrenholzbeckens Richtung Schluchseestraße/Höllentalweg.

Winterwarten (Gedicht)

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Winterwarten
(c) Patricia Koelle

Neuer Winter legt sich sacht
auf die still gewordne Welt
die wartend Frühlingssamen hält
und geduldig drüber wacht

Finde Ruhe, finde Hoffen
sorge, dass dein Traum sich nährt
wenn lange Wärme wiederkehrt
stehen helle Wege offen

Während eisig Stürme wehen
lauschen Menschen auf die Dichter
sammeln sich um Weihnachtslichter
bis die Blüten auferstehen

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