Leben im Eis

Bei eisigem Verdruß
ist mir das Grün begegnet
als hätt es sanft geregnet
und alles kommt in Fluß.

Die Sonne hat sich zum ersten mal in disem Jahr wenigstens ansatzweise durch den Dunst gezeigt. Ich war bei minus elf Grad und scharfem Ostwind im Fließ unterwegs und konnte die Kamera, die man bei solchen Temperaturen eigentlich nicht benutzen soll, immer nur kurz unter der Jacke hervorholen. Viel kam nicht dabei heraus. Aber über diese unverhofften unbekümmert grünen Blätter und das Wasserloch unter der Weide, wo die durstigen Vögel trinken können, habe ich mich gefreut.
Den Rest des Spaziergangs und noch ein albernes Wintergedicht findet man
hier

Watt-Weiß statt Watteweiß

Auf meiner geliebten Nordseeinsel Amrum zeigt mir die Webcam eine hochinteressante sibirisch-frostige Landschaft. Den eisigen Wind, der jetzt übers Watt und den Kniepsand fegt, mag ich mir nicht wirklich vorstellen, aber mit Sicherheit riecht er nach Meer und Salz. Unter dem Eis, wo im dunklen Schlick die Fäulnisgase arbeiten, haben es die Muscheln und Wattwürmer wahrscheinlich gemütlich warm. Das Eis wird mit Ebbe und Flut in den Prielen die abenteuerlichsten Muster bilden. Gern wäre ich da jetzt unterwegs, aber wahrscheinlich würde meine Kamera frieren – und mit ein bißchen Phantasie kann ich mir die Bilder auch vorstellen.

Schriften der Erde

Ich kann mich nie entscheiden, zu welcher Jahreszeit ich das Moor am liebsten mag. Jetzt gerade mag ich die schwarzweiße Strenge, die Brüche in der Landschaft, die klaren Linien. Sie sind wie wortlose Schiften, die ich immer beinahe glaube, lesen zu können.
Und wenn ich sie eines Tages entziffern kann, werde ich sie aufschreiben… mittlerweile erfreue ich mich daran und hoffe, dass ich mit der Kamera, die vielleicht der Weihnachtsmann bringt, bessere Bilder machen kann.

Winterstimmung

Auf dem Rückweg vom Briefkasten habe ich mir ein paar Minuten unten am Moor gestohlen. Wie anders sieht es jetzt dort aus als im Frühling, wenn grüne Graswellen den Wind sichtbar machen und die Schmetterlinge nektarsüße Orgien feiern. Oder im Sommer. Oder auch im Herbst. Aber diese asketisch-strenge Schönheit, wenn das Herrenholzbecken so im Dornröschenwinterschlaf liegt, die mag ich auch. Und jetzt kann der Sumpf, was er im Sommer nicht kann: Er fängt den Himmel ein und zeichnet Spiegelbilder, aber dank der kleinen Strömungen und Strudel mit ganz eigenem Charakter.

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