Weihnachtslampenfieber

Bei mir dauert die Aufregung vor Weihnachten immer etwas länger. Früher kribbelte es ab dem ersten Türchen im Adventskalender, aber so richtig erst wenn wir vor der großen Schiebetür saßen und auf das helle Klingeln des Weihnachtsglöckchens warteten, dass bedeutete: wir dürfen endlich ins Weihnachtszimmer!
Jetzt aber fängt das schon im Oktober an, denn ich bin so gespannt, ob ein paar Leute mein Buch „Der Weihnachtswind“ kaufen und meine Geschichten irgendwo Weihnachtsstimmung verbreiten. Das ist so eine Art Lampenfieber. Mit dem Buch habe ich mir einen großen Traum erfüllt. Für mich war und ist Weihnachten immer ein verlässliches Wunder voller Wärme und Leuchten, Duft, frischgebackenen und bemalten Plätzchen und kleinen, selbstgebastelte Überraschungen. Eigentlich gab es früher immer nur selbstgemachte Sachen, jedenfalls von uns Kindern, Gekauftes war verpönt. Und nun habe ich ein Buch „gemacht“, das anderen ein wenig von dem geheimnisvollen Leuchten abgeben soll, das mir in all den Jahren geschenkt wurde und immer noch geschenkt wird, vor allem von Peter, meinem Mann. In dem Buch gibt es kurze Geschichten, Vorlesegeschichten, Geschichten für Kinder und Geschichten für Erwachsene. Am Ende steht sogar noch eine Silvestergeschichte.

Eine ausführliche Beschreibung gibt es hier.
Ich habe alles in das Buch hineingesteckt, was ich an Weihnachten so liebe. Aber das kann ja keiner wissen. Niemand kennt mich. Ich bin nur ein kleiner Weihnachtswichtel unter vielen anderen. Aber ich hoffe trotzdem, dass ein paar Geschichten ihren Weg finden und irgendwem ein kleines Licht anzünden. Ich werde das noch auf meinen Wunschzettel schreiben.

Diese Engelstrompete blüht noch im Garten, aber sie scheint mir schon ein klein wenig von Weihnachten zu verkünden. Schließlich überlege ich auch schon, welche Geschichte ich dies Jahr für die Vereinsfeier verwenden kann und welche für Peters Kollegen.

A propos frischgebackene und bemalte Plätzchen, hier gibt es ein Rezept:

Diese Plätzchen muß man möglichst früh backen, denn je länger sie liegen, desto besser schmecken sie. Allerdings muss man sie dazu gut verstecken. Denn sie duften mit der Zeit immer verlockender.
Auf dem dortigen Weihnachtsforum werden übrigens noch jede Menge Beiträge gesucht – Rezepte, Bastelanleitungen, Bilder, alles, was mit Weihnachten zu tun hat.

Bananenromantik

Ach ja, die Zeitumstellung! Ich finde die Sommerzeit eine prima Sache; ich mag die langen hellen Abende. Da ich sieben Tage die Woche früh aufstehen muß, habe ich mich aber gestern auch über die geschenkte Stunde gefreut. Meine innere Uhr dachte hingegen anders und warf mich zur gewohnten Zeit aus dem Bett. Ich hatte nicht wirklich etwas dagegen, denn ich liebe diese Stunde vor dem Tag, allein mit mir und meiner Riesentasse Tee und der Dämmerung, die vor dem Fenster aus dem Dunkel schleicht. Ich fische Ruhe und Ideen für Geschichten, Spuren von Gedichten oder Limericks aus dieser Dämmerung. Der allererste Lichtschein läßt die Zitronen und Mandarinen vor dem Fenster aufleuchten. Bald muß ich sie in den Schuppen mit dem durchsichtigen Dach bringen, in dem sie überwintern. Aber noch sind sie ein Echo von Tropenträumen.

Da wir in der Stadt wohnen, gibt es keinen wirklichen Horizont, über den der Tag heraufsteigen könnte. Aber im freundlichen Schutz der Dämmerung leihe ich mir einen aus, das Garagendach von Gegenüber zum Beispiel, und stelle mir vor, er sähe so aus:

Oder so:

und dann würde ich, wenn der Tee alle ist, das hier machen:

Aber da ich in Berlin bin, rufen die ersten Pflichten und ich lasse den Morgen erst mal allein. Aber ein wenig später mache ich uns ein Tablett, und dann gehen wir draußen frühstücken, Peter und ich, auch jetzt noch, bei sechs Grad, auch wenn uns die Nachbarn für „beklopft“ halten, wie meine Oma zu sagen pflegte. Peter bekommt eine Decke, damit er und auch der Motor vom Rollstuhl nicht frieren, und ich einen kuscheligen Pullover, und dann essen wir Toast und Ei unter dem Bananenbaum.

Das ist eine Freilandbanane. Beim ersten Frost ist sie Matsch. Dann schneidet man sie auf einen halben Meter herunter und deckt den unansehnlichen Stumpf mit einem Haufen Laub und einem Sack zu. Wenn ich sie im Frühling davon befreie, ist eigentlich nur braunes, glitschiges Zeugs übrig. Doch im Mai, wenn ich nicht mehr daran glaube, dann schießen die Blätter Richtung Himmel, jedes größer als das andere. Von Juni bis August braucht sie für jedes Riesenblatt ungefähr eine Woche. Für mich ist sie wie ein Beweis, dass immer dann etwas Tolles entsteht, wenn man nicht mehr daran glaubt. Und dafür, dass man seine Tropenträume zur Not auch in einen Berliner Oktober versetzen kann.
Aus diesen Blättern könnte man auch ein prima Halloween Kostüm machen. Die sind groß genug um ein Kind damit zu bekleiden, auf jeden Fall groß genug um einen Blattrock zu gestalten, und sie halten auch ohne Wasser lange.
Wenn wir an diesem Platz frühstücken können, fängt der Tag gut an. Und wir tun es auch wie heute bei Regen, denn da gibt es neben der Banane noch ein Dach, unter dem wir sitzen können. Die Tropfen machen Musik auf den Bananenblättern und wir sind glücklich, denn wir haben uns, und den Garten.

Heute hat der Tag nicht nur gut angefangen sondern hört auch gut auf. Ich habe die erste unabhängige Meinung zu meinem Buch „Die Füße der Sterne“ bekommen. Eine Leserin von BookCrossing schrieb: „Kurzgeschichten, wie ich sie mir schöner nicht wünschen kann.“
Nachzulesen hier. Ich bin gerührt. Sie vergab 10 von 10 möglichen Sternen. Das macht mir Mut, auch wenn es schwer ist und bleiben wird, Bücher zu verkaufen. Die Geschichten haben jemandem Freude gemacht. So soll es sein.

Wenn die Banane übrigens schließlich Winterschlaf macht und der erste Schnee kommt, werde ich meinen Wunschzettel für Weihnachten schon mal rauslegen. Damit alles so bleibt und wir nächstes Jahr wieder unter dem Bananenbaum frühstücken können. Zusammen.

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